Voll verziert!

Ihm wirds zu bunt: lieber Brot als Schmuck. 

Steven Schneider: «Dürfen wir backen?», fragen unsere Töchter im Advent fast täglich. Sie tuns mit Augenaufschlag und zuckersüssem Lächeln.

«

Meine drei Frauen sind selig. Ich bins nicht.»

Engelsgleich säuselt Schreiber zurück: «Aber erst, wenn ihr eure Hausaufgaben gemacht habt, meine Süssen.» Das erledigen die Kinder freudig. Was eine durchaus erwünschte Nebenwirkung ihres Backdrangs ist. Dann schreiten sie zur Tat. Die Mutter ist stolz und strahlt wie Kerzenlicht, die Kinder singen, unsere Küche wird zur Zuckerbäckerstube. Alle sind selig. Ich nicht. Kurz bevor ich mich aus dem Mehlstaub mache, frage ich leicht verzweifelt: «Backt ihr diesmal etwas, das wir auch wirklich brauchen?» «Papaaa! Mama hat nur gesagt, dass wir backen dürfen. Sie hat nicht gesagt, was wir backen sollen. Also halte dich da raus.» «Backen ist nicht spielen», sage ich ernst. «Ein knuspriges Brot, das macht Sinn.» Vier Kinderaugen blicken mich wütend an. Schreiber runzelt die Stirn. Sie haben längst alle wichtigen Zutaten vor sich aufgetürmt. Mit knusprigem Brot haben die nichts zu tun. Es sieht nämlich aus wie im Schmuck-atelier: Kügelchen, Perlen, Blümchen in Rosa und Gold. Barbiepuppen würden ausflippen. Die dürfen. Die müssen das ja auch nicht essen.

Sybil Schreiber: Schneider vermiest unseren Kindern die Freude am Backen. Die sind nämlich im «Cupcake»-Rausch und haben mittlerweile die besten Toppings und Verziertechniken entwickelt.

«

Schneider vermiest uns die Freude am Backen. »

Ihre feinen Kunstwerke sind nicht nur köstlich, sondern auch tolle Weihnachtsgeschenke. Ausserdem beeindruckt es mich, dass sie diese Kuchen komplett solo backen können. Mich brauchts da gar nicht mehr. Statt meinen Stolz zu teilen, brummt er: «Warum ziehen unsere Kinder nicht etwas Vernünftiges aus dem Ofen?» «Freu dich doch, dass sie kreativ sind!» «Dagegen habe ich nichts. Als ich Bub war, habe ich auch gerne gebacken. Aber ohne Lebensmittelfarben und dieses Zuckerzeug. Dafür richtige Lebensmittel. Wähen, Gugelhöpfe, Zöpfe! Ich habe meine Eltern und Brüder miternährt!» Ich verkneife mir eine spöttische Bemerkung und sage stattdessen: «Zöpfe?» Er nickt. «Und Wähen? Mit Käse und Zwiebeln?» Er nickt. Ich sehe eine Chance für den Familienfrieden. Da der Ofen eh schon heiss ist, darf Schneider sofort aus seiner kulinarischen Vergangenheit schöpfen. Dann ist er glücklich, und wir sind «miternährt». Denn wie im richtigen Leben ist es auch daheim: Da gibt es nämlich Confiserien und Bäckereien.

(Coopzeitung Nr 50/2013)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 16.12.2013, 11:01 Uhr

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