SIE: auf dem Steg von Rapperswil nach Hurden. 

Von Rosen und Schanzen

Schreiber und Schneider entdecken Einsiedeln: das Kloster, die Kulinarik und sogar die Schanze. Doch die hat es in sich.

SIE und ER: auf der Duftführung durch Rapperswil.

SIE und ER: auf der Duftführung durch Rapperswil.
http://www.coopzeitung.ch/Von+Rosen+und+Schanzen SIE und ER: auf der Duftführung durch Rapperswil.

ER: Mit zehn Millionen Geruchszellen der Nase nach schnuppernd durch Rapperswil. Echt originell, diese Stadtführung!

SIE: Wusstest du, dass die Nase zuständig ist für Territorium, Nahrung und Paarung?

ER: Nun, dann hattest du bei mir ja den richtigen Riecher.

SIE: Finde ich auch. Wobei du während der Führung nicht wirklich treffend geschnüffelt hast. Du hast nur das Brot erkannt, sonst nix.

ER: Ich stamme eben aus einem Dorf, das den Ruf hat, von Brotessern bevölkert zu sein.

SIE: Schade, kommst du nicht aus Rapperswil mit all den Rosen. Mir gefällt die Hintergasse. Sooo romantisch! Wie das hier wohl im Sommer duftet?

ER: Rappi ist aber auch im Winter eine Reise wert. Und nun gehen wir übers Wasser. Wortwörtlich: Der Holzsteg nach Hurden über den Zürichsee wurde im Mittelalter von den Jakobsweg-Pilgern benutzt. Damals hatte er kein Geländer und soll ganz arg geschwankt haben.

SIE:
Heute ist er aus Eichenholz, filigran und 841 Meter lang. In Hurden steigen wir in die S-Bahn nach Pfäffikon. Dort wollen wir gemeinsam scheitern. In einem Museum ...

ER: Scheitern geht auf Scheit zurück: «Zu Scheiter gehen» bedeutet, «in Trümmer zerbrechen». Das passierte mit Holzschiffen, die an Felsen krachten.

SIE: Wir reisen ins Vögele-Kultur-Zentrum. Die aktuelle Themenausstellung heisst «Ein Knacks im Leben». Gezeigt werden Konsumobjekte, die fehlerhaft sind. Macht einen nicht erst der Fehler, das Scheitern einmalig?

SIE: Wann bist du mal so richtig auf der Nase gelandet?

ER: Oft, aber letztlich entsteht immer Gutes aus Niederlagen. Und du?

SIE: Ich träumte davon, Wimbledon zu gewinnnen.

ER:
Aber du spielst ja gar nicht gut Tennis.

SIE: Eben, da bin ich komplett gescheitert. 

SIE: mit den Pferden des Marstalls in Einsiedeln.

SIE: mit den Pferden des Marstalls in Einsiedeln.
http://www.coopzeitung.ch/Von+Rosen+und+Schanzen SIE: mit den Pferden des Marstalls in Einsiedeln.

ER: Weiter gehts, und zwar aufwärts! Zwischen Pfäffikon und Biberbrugg beträgt die Steigung 50 Promille, was eine Höhendifferenz von 50 Metern pro Kilometer bedeutet. Bei Feusisberg soll die Aussicht auf den Zürichsee umwerfend sein. Allerdings stecken wir im Nebel und sehen rein gar nichts.

SIE: In Biberbrugg geht endlich die Sonne auf. Programmwechsel von trübem Schwarz-Weiss zu leuchtender Farbe. Geblendet fahren wir nach Einsiedeln, in der Ferne entdecke ich eine Schanze. Habe vor Kurzem den Film «Eddie the Eagle» gesehen. Hammer! Das ist mein Sport! Da will ich hin.

ER: Später, später! Zuerst besuchen wir die Klosterkirche. Führerin Ursi Pfister verrät uns die Geheimnisse der bedeutendsten Barockkirche der Schweiz.

SIE: Die üppigen Deckengemälde schufen die Brüder Asam vor 290 Jahren. Sie waren gebürtige Bayern wie ich. Inmitten des Bilderrauschs lacht ein bleicher Totenkopf. Das soll der Architekt Moosbrugger sein.

ER: Mir gefällt die Schwarze Madonna, die nicht immer schwarz war. Nach einer Odyssee durch halb Europa wurde sie irrtümlich makellos hell restauriert. Das passte den Einsiedlern nicht, sie wollten ihre Madonna schwarz.

ER und die Zwingli-Bibel in der Stiftsbibliothek in Einsiedeln.

ER und die Zwingli-Bibel in der Stiftsbibliothek in Einsiedeln.
http://www.coopzeitung.ch/Von+Rosen+und+Schanzen ER und die Zwingli-Bibel in der Stiftsbibliothek in Einsiedeln.

SIE: Nächster Halt: Stiftsbibliothek. Wir eilen durch lange Gänge an Schülern vorbei und landen in einem Raum mit unzähligen Büchern.

ER: Ich liebe einfache Holzriemenböden!

SIE: Besser als der edle Holzboden in der St. Galler Stiftsbibliothek?

ER: Da darf man nur mit Finken drauf. Diese Bibliothek hier wirkt mehr wie ein Arbeitsraum, weniger wie ein Museum. Komm, mach ein Foto von mir und der Zwingli-Bibel.

SIE:
Fühlst dich jetzt wohl wichtig, was? Du und Zwingli ...

ER:
Lach nicht. Ich finde es erhebend, dieses Buch zu berühren, mit dem Zwingli gearbeitet hat. Mich verbindet sowieso viel mit dem Reformator: Mit jedem Atemzug atme ich Luftmoleküle ein, die schon er in seinen Lungen hatte.

SIE: Denkst du dir das aus?

ER: Nein, habe ich gelesen.

SIE: Er liebt nun mal Bücher, ich dafür Pferde. Deshalb schauen wir im Marstall vorbei, dem ältesten Gestüt Europas, gleich neben der Klosterkirche, wo die «Cavalli della Madonna» gezüchtet werden. Wunderschöne, besonnene Pferde, wie mir die Leiterin Ursi Kälin erklärt.

ER: Bevor wir das Kloster hinter uns lassen, trinken wir aus jeder der vierzehn Röhren des Frauenbrunnens. Es heisst, dann bleibe man ein Jahr lang gesund. Den Hunger stillen wir dafür in der Milchmanufaktur. Ein geniales Konzept: Unten wird Käse gemacht, oben wird er in allen Variationen serviert.

SIE:
Ich nehme gebackenen Camembert mit Preiselbeeren, aber Schneiders Ofetuurli, von dem ich koste, schmeckt noch viel besser.

Voralpenexpress bei Biberbrugg.

Voralpenexpress bei Biberbrugg.
http://www.coopzeitung.ch/Von+Rosen+und+Schanzen Voralpenexpress bei Biberbrugg.

ER: Kulinarische Spezialitäten interessieren mich. Käse- und Kartoffelkuchen – die Kartoffeln heissen hier Gummel – stehen auf der Karte. Schreiber futtert meinen Teller leer und will nun hoch hinaus. Zur Schanze.

SIE: Oh. Die sieht von hier unten brutal steil aus!

ER: Warte, bis wir erst oben sind. Komm, wir steigen die Treppe hoch.

SIE: Langsam! Höher geht nicht, mir wird schwindelig. Mach hier ein Foto und dann nichts wie runter!

ER: Du gibst zu schnell auf!

SIE: Na und, das passt bestens zu unserer Etappe: Wir haben doch kapiert, dass Scheitern völlig in Ordnung ist.

Schindellegi
Per Bus zum Panoramaresort Feusisberg mit atemberaubender Aussicht auf den Zürichsee.

Biberbrugg
Über das Hochmoor nach Rothenthurm.

Einsiedeln
Das Museum Fram sammelt Kulturgut aus Einsiedeln und Umgebung.

Unsere Kolumnisten Sybil Schreiber und Steven Schneider sind unterwegs in der Schweiz. Sie folgen der Grand Train Tour und berichten einmal im Monat über Bekanntes und Unbekanntes.
Heute: Folge 5 von Rapperswil nach Einsiedeln.

Links zur fünften Etappe

www.voegelekultur.ch
www.voralpen-express.ch
www.kloster-einsiedeln.ch
www.milchmanufaktur.ch
www.schanzeneinsiedeln.ch
www.einsiedeln-tourismus.ch
Die ganze Grand Train Tour of Switzerland
Tickets für die Grand Train Tour
Portal zu allen weiteren touristischen Infos

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Sybil Schreiber und Steven Schneider
Veröffentlicht:
Montag 06.02.2017, 10:00 Uhr

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