Von Tasten und Lastern

Sie drückt, er flucht.

Sybil Schreiber: Endlich ein Wochenende mit der Familie in Luzern! Ich habe ein Zimmer im Zentrum gebucht und Sehenswürdigkeiten ausgesucht. Kurz nach der Ankunft spazieren wir direkt ins Bourbaki-Panorama, das uns alle tief berührt. Ins Verkehrshaus ist es zu Fuss zu weit, darum nehmen wir den Bus. An der Haltestelle stehe ich vor dem Automaten wie der Ochs am Berg: vollkommen überfordert. Ich drücke auf einen Knopf, um zu schauen, was der kleine Bildschirm anzeigt, da stellt sich Schneider auf einmal neben mich, redet drein, deutet auf einen Linienplan und beginnt zu lästern. 

«

Ich hab das Billett. Wohin es führt? Keine Ahnung!»

«Könntest du das bitte sein lassen? Du machst mich ganz nervös», sage ich. Stattdessen poltert er über die Verkehrsbetriebe – und über mich: «Du musst zuerst genau lesen, was du lösen musst, statt einfach nur Knöpfe zu drücken und irgendein Ticket zu kaufen! Du bist so strukturlos!» Lieber gut gelaunt chaotisch, als schlecht gelaunt besserwisserisch, denke ich, zudem bewahre ich wenigstens den Überblick: Im Augenwinkel sehe ich unseren Bus näher- kommen. Schneider flucht weiter, ich handle, es rattert. In die Ausgabeschale flattert ein Billett – von dem ich keine Ahnung habe, wohin es führt.

Steven Schneider: Wir stehen in Luzern vor dem Automaten. Schreiber spielt sich wie immer locker auf und drückt sinnlos auf den Tasten herum: «Vier Personen, ach nee, zwei, denn wir haben ja die Juniorkarte, und Halbtax, hoppla, jetzt hab ich mich verdrückt, hihihi. Wo ist denn bloss die Korrekturtaste?» Sie hat keine Ahnung! Ich stehe neben ihr und lese mürrisch den Zonenplan. Was soll denn das sein?
Wieder irgend so ein Verkehrsverbund mit Kurzstrecken, Feldern und Farben. Können die nicht einfach eine Taste für Touristen machen! Mit Bildern, statt mit Wörtern oder Zahlen! Wie soll denn hier ein Chinese je ein Ticket rauslassen können, wenn nicht einmal wir das schaffen? 


«

Ihr Gutdenken macht mich wahnsinnig!»

Schreiber ist aber fest entschlossen, sich nicht aufzuregen. Sie kann das. Wenn sie sich in den Kopf gesetzt hat, dass etwas gut sein muss und Spass machen soll, dann zieht sie das durch. Sie lacht beim Anblick der Tasten, kramt glucksend Münzen heraus und schwärmt dabei auch noch vom Pilatus, der in der Ferne zu sehen ist. Ihr Gutdenken macht mich wahnsinnig! Sie flötet: «Hach, ich liebe kleine Fluchten!» «Fluchten?», frage ich. Sie tätschelt mich: «Ach nein, ich wollte sagen: kleine Flucher!»

 (Coopzeitung Nr 10/2014)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Freitag 28.02.2014, 15:27 Uhr

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