Bergführer Theo Maurer und Reporter Thomas Compagno vor dem Kleinen und dem Grossen Wellhorn im Reichenbachtal ob Meiringen. Links ist der Rosenlaui-Gletscher zu sehen.

Wanderfreund: Schweizer Volkssport Wandern

Blühende Wiesen, schroffe Felsen, stahlblauer Himmel: Solche Bilder locken viele Menschen in die Natur. Wir zeigen Ihnen, wie Sie einen schönen und sicheren Wandertag verbringen.

Wenn Theo Maurer (54) auf die Gipfel des Reichenbachtals BE schaut, blickt er quasi in sein Wohnzimmer. Er kennt sie alle, die aufragenden Zacken der Engelhörner – Mittagshiri, Tennhorn, Hohjegiburg, Chlys Engelhorn und Grosses Engelhorn –, das Dossenhorn, das Kleine und Grosse Wellhorn, das Wetterhorn. Und er hat sie auch alle bestiegen. Maurer ist Meiringer, ausgebildeter Bergführer und in jungen Jahren viel mit Gästen unterwegs. Heute begegnet er diesen nur noch, wenn sie in Not sind. Maurer ist Ausbildungschef der Alpinen Rettung Schweiz, einer Stiftung der Rettungsflugwacht und des Schweizer Alpenclubs, und Chef der SAC-Rettungsstation Oberhasli in Meiringen BE. Dieses Team rückt aus, wenn Berggänger oder Wanderer Hilfe brauchen. Und das ist – leider – oft der Fall. Rund 700 Einsätze leisten die 86 lokalen Rettungsteams der Alpinen Bergrettung jedes Jahr.

Fast die Hälfte, genau 44,3 Prozent aller Schweizerinnen und Schweizer, zählen das Wandern oder Bergwandern zu ihren Hobbys. Das sind rund 2,7 Millionen Wanderer zwischen 15 und 74, die auf den 65 000 Kilometern Wanderwegen in der Schweiz unterwegs sind. Es sind allerdings nicht nur die Wanderer, die die Alpine Bergrettung beschäftigen: «Gestern mussten wir einen Gleitschirmflieger von einem Baum holen und am Tag vorher der Feuerwehr beim Waldbrand-Löschen helfen», erzählt Maurer. Das Gelände war so unwegsam, dass die Feuerwehr die Hilfe von Bergprofis brauchte, weil jemand mit 1.-August-Feuerwerk eine kleine Waldfläche in Brand gesetzt hatte.

Viele Todesfälle

Dem geübten Blick des Bergführers entgeht auch die Gämse in den Felsen nicht.

Dem geübten Blick des Bergführers entgeht auch die Gämse in den Felsen nicht.
http://www.coopzeitung.ch/Wanderfreund_+Schweizer+Volkssport+Wandern Dem geübten Blick des Bergführers entgeht auch die Gämse in den Felsen nicht.

Trotzdem: Die Statistiken der Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu sprechen eine deutliche und mahnende Sprache. Keine andere Sportart beklagt so viele Todesfälle wie das Wandern und Bergwandern. Im Durchschnitt verunfallen beim Berg-sport jedes Jahr 84 Menschen tödlich. Das ist fast die Hälfte aller tödlichen Sportunfälle. Die meisten ereignen sich, weil Wanderer an exponierten und rutschigen Stellen stolpern oder ausrutschen und in die Tiefe stürzen. Häufig wird laut bfu auch der Abstieg unterschätzt – fehlende Zeit- und Kraftreserven können dann zu Unfällen führen.

Das alles kennt Theo Maurer aus seiner täglichen Arbeit: «Häufig bergen wir Wanderer entweder nach einem Unfall oder weil sie vom Weg abgekommen sind», erzählt Maurer. Und das wiederum sei meist die Folge ungenügender oder zu ehrgeiziger Planung. Er empfiehlt, bei der Tourenplanung eine Zeitreserve von zwei Stunden einzuplanen. «Es kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren», warnt Maurer: «Ein Fehltritt, der einen zu einer längeren Pause zwingt oder das Marschtempo deutlich verringert, oder man kommt vom Weg ab und geht weiter als geplant.

«

Männern zwischen 50 und 70 passiert am meisten.»

Theo Maurer, Bergführer

Manche Wanderer wählten auch einen zu schwierigen Weg und seien dann überfordert, wenn die Tageszeit schon fortgeschritten ist. Viele Einsätze der Alpinen Rettung erfolgten typischerweise am Abend oder in der Nacht. «Dann ist es nicht nur für die Wanderer schwieriger, den Weg zu finden, sondern auch für uns, sie aufzuspüren», sagt Maurer.

Dass solche Fälle zugenommen haben, sei vor allem die Folge der besseren Erreichbarkeit. «Wir nennen es Bergtaxi. Wenn Wanderer heute nicht mehr weiterwissen, rufen Sie mal die Bergrettung oder Rega.» Und die müsse ausrücken, weil sie ja nicht wisse, wie gross die Notlage sei. «Früher hat man sich in solchen Fällen auf eine Nacht in den Bergen eingerichtet und ist am Morgen ins Tal abgestiegen.»

Meist gut ausgerüstet

Der Fachmann empfiehlt: Beim Planen Zeitreserven und beim Wandern Pausen einbauen.

Der Fachmann empfiehlt: Beim Planen Zeitreserven und beim Wandern Pausen einbauen.
http://www.coopzeitung.ch/Wanderfreund_+Schweizer+Volkssport+Wandern Der Fachmann empfiehlt: Beim Planen Zeitreserven und beim Wandern Pausen einbauen.

Und dann gibts auch die Unfälle, die jedem passieren können, sagt Maurer: Steinschlag oder ein überraschender Wetterumschwung. «Das kann auch ein erfahrener Bergführer nie ganz ausschliessen.» Kein Problem sei hingegen die Ausrüstung. «In der Regel haben die Leute nicht eine ungenügende oder zu wenig Ausrüstung, sondern führen im Gegenteil oft zu viel Material mit. Mehr Material bedeutet mehr Gewicht. Das macht die Tour zusätzlich anstrengend.»

Sind Wanderstöcke eine solch unnötige Zusatzlast? Er habe dazu zwei Meinungen, gesteht Maurer, der seit einiger Zeit selber teilweise mit Wanderstöcken unterwegs ist. «Sie entlasten beim Bergabgehen eindeutig die Knie. Aber: Man büsst Trittsicherheit ein, weil man mit Stöcken das Gleichgewicht nicht trainiert.» Wer zu viel mit Stöcken gehe, fühle sich ohne plötzlich unsicher. Er verwende diese daher nur beim Bergabgehen.

So planen Sie richtig

Damit man die Alpine Bergrettung möglichst nicht benötige, erachtet Theo Maurer drei Punkte als entscheidend: Erstens bei der Planung das Wetter beachten, zweitens genügend Zeitreserve einplanen, und drittens, wenn man unterwegs sei, immer daran denken, dass man notfalls auch umkehren und an den Ausgangspunkt zurückkehren könne. «Wir stellen immer wieder fest, dass die Leute diese Variante gar nicht in Betracht ziehen – gerade, wenn sie sich verlaufen haben.» Und dann gebe es da noch eine Unsitte, «oder vielleicht ist es auch nur eine Zeiterscheinung», mutmasst Maurer: «Immer mehr Leute sind allein unterwegs. Davon raten wir ab.» Wer allein auf einer Wanderung sei und ein Problem bekomme, für den werde es viel gefährlicher. «Wissen Sie, wem die meisten Unfälle passieren? Leuten wie Ihnen und mir.» Maurer sieht meinen verwunderten Blick und erklärt: «Männern zwischen 50 und 70.»

Die Wanderskala des Schweizer Alpen-Clubs ist in sechs Grade eingeteilt: T1 (leicht) bis T6 (schwierig).

  • T1 - Wandern: Weg gut gebahnt, auch mit Turnschuhen begehbar, gelb markiert.
  • T2 - Bergwandern: Gelände zum Teil steil, etwas Trittsicherheit erforderlich, Trekkingschuhe empfehlenswert, weiss-rot-weiss markiert.
  • T3 - anspruchsvolles Bergwandern: Weg nicht immer durchgehend sichtbar, exponierte Stellen mit Seilen gesichert, gute Trekkingschuhe und Trittsicherheit, weiss-rot-weiss markiert.
  • T4 - Alpinwandern: Weg nicht immer vorhanden, manchmal braucht es die Hände zum Vorwärtskommen, exponiertes Gelände, stabile Trekkingschuhe, weiss-blau-weiss markiert.
  • T5 - Anspruchsvolles Alpinwandern: einzelne einfache Kletterstellen, exponiert und anspruchsvoll, Bergschuhe, gute Alpinerfahrung im hochalpinen Gelände, Kenntnisse im Umgang mit Seil und Pickel, weiss-blau-weiss markiert.
  • T6 - Schwieriges Alpinwandern: Kletterstellen, häufig sehr exponiert, ausgereifte Alpinerfahrung. Meist gar nicht markiert.

Die SAC-Schwierigkeitskala im Überblick
Informationen zu Wegen und Anforderungen
PEAK-Check auf bfu.ch
PEAK-Check auf sicher-bergwandern.ch
PEAK-Check auf wandern.ch
Mehr Informationen zur alpinen Rettung

Die Shopping-Wanderung

http://www.coopzeitung.ch/Wanderfreund_+Schweizer+Volkssport+Wandern Wanderfreund: Schweizer Volkssport Wandern
  • Schmerikon–Rapperswil
  • 12 km, ca. 3 h
  • +16/-16 Höhenmeter
  • T1 Leichte Wanderung
  • Jahreszeit: ganzjährig
  • Schwierigkeit: leicht, geübte Shopperinnen können den Weg bei gutem Wetter sogar mit Stöckelschuhen absolvieren
  • Anreise: Mit der S-Bahn von Zürich nach Rapperswil, umsteigen auf den «Voralpen-Express» bis Schmerikon.
  • Mehr Informationen »

Eins muss ich klarstellen: Normalerweise wandere ich nicht so! Das heisst: nicht nur mit Turnschuhen und leichtem Gepäck, und auf so einer kurzen, einfachen Stecke. Wenn ich wandere, bin ich auch immer überausgerüstet: mit Stöcken, dem faltbaren Klappsitz, Regenschutz, festen Wanderschuhen und sonst noch mit allem möglichen Krimskrams für Notfälle. Den Weg von Schmerikon nach Pfäffikon hätte ich aber auch mit hohen Absätzen meistern können. Schliesslich bin ich auch schon rund drei Stunden in irgendeiner Stadt herumgestöckelt auf der Suche nach der perfekten Jeans! Die Wege am See sind breit, alles ist flach, die Aussicht herrlich! Los geht es gleich am Bahnhof von Schmerikon, durch die Unterführung zum See. Laut Wegweiser braucht man bis Rapperswil 2 Stunden und 40 Minuten. Das finde ich sehr knapp bemessen. Denn die Strecke lädt zum Schlendern und Verweilen ein, mit Bademöglichkeiten und Sehenswürdigkeiten wie zum Beispiel dem Kloster Wurmsbach. So kann alles locker vier Stunden dauern. Oder noch länger. Empfehlenswert ist auch die Badi und Strandbeiz Stampf kurz vor dem Ende der Wanderung. Die Altstadt von Rapperswil und das Schloss sollte man sich nicht entgehen lassen. Und für die Kleinen gibts Knie’s Kinderzoo. Da schattige Abschnitte rar sind, sollte man an einem heissen Sommertag eine Kopfbedeckung und Sonnencreme mitnehmen – und vielleicht noch ein Paar Stöckelschuhe im Rucksack fürs Shopping in Rapperswil.

Katalin Vereb

Genusswandern

http://www.coopzeitung.ch/Wanderfreund_+Schweizer+Volkssport+Wandern Wanderfreund: Schweizer Volkssport Wandern
  • Rundwanderung Leueberg in Oberbütschel–Leueberg
  • 5.3 km, ca. 1.5 h
  • +136/-136 Höhenmeter
  • T1 Wanderweg
  • Jahreszeit: ganzjährig
  • Schwierigkeit: leicht
  • Anreise: Mit dem Bus Linie 631 ab Köniz Bahnhof bis «Bütschel, Gschneit».
  • Mehr Informationen »

Der Naturpark Gantrisch war Neuland für uns beide. Ob es wohl ins Graubünden geht? Mitnichten! Uns erwartete ein riesiges Gebiet zwischen Bern, Thun und Fribourg. Nur schwer konnten wir uns vorstellen, was uns dort erwarten würde. Das Postauto brachte uns dann in die Voralpen: klare Luft, nette Menschen und ein sensationeller Ausblick auf Eiger. Mönch und Jungfrau. Da vergassen die Städterinnen glatt den spärlich vorhandene Handyempfang.

Hier oben, auf knapp 1000 Metern Höhe, findet am Sonntag, 17. September, die jährliche Coop Miini Region Genusswanderung statt. Der Naturpark setzt stark auf lokale Produkte – mit viel Liebe von Kleinbetrieben in der Region hergestellt. An fünf Ständen können für einen einmaligen Preis die Wanderer die Spezialitäten degustieren. Mit dabei ist etwa der fein-rezenten Bergkäse der Käserei Brügglen oder die wunderbar knusprigen, zuckerfreien Müesli der Dittligmühle. Pflichtbewusst wurden diese Produkte von den zwei Schreibenden auf ihrem Ausflug probiert und für äusserst lecker befunden. Der Preis für Erwachsene ist 29 Franken, für Kinder 15 Franken. Hello-Family-Clubmitglieder profitieren von 5 Franken Rabatt pro Ticket.

Gestärkt ging es bei Sonnenschein los. Bald stellten wir fest: Die Wanderung kann glatt als Spaziergang durchgehen. Diese führt etwas mehr als fünf Kilometer weit über Waldwege und asphaltierte Strassen. Dank weniger Höhenmeter ist sie auch sehr gut mit Turnschuhen (Kollegin Gröflin) und Babybauch (Kollegin Lacourrège) machbar. Selbst den Kinderwagen können Familien dank einer angepassten Route mitnehmen.
Unser Fazit: Eine einfache Wanderung in spektakulärer Szenerie, die sich für jedermann eignet. Gut geplant will sie zumindest für öV-Benutzer sein: Das Postauto von Köniz in den Naturpark fährt nur ein Mal pro Stunde.

Carole Gröflin / Deborah Lacourrège

Laden Sie die Karte zur Genusswanderung »

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Kleine Albulawanderung

http://www.coopzeitung.ch/Wanderfreund_+Schweizer+Volkssport+Wandern Wanderfreund: Schweizer Volkssport Wandern
  • Bergün–Filisur
  • 11 km, ca. 3 h
  • +200/-500 Höhenmeter
  • T2, Geeignet für Familien
  • Jahreszeit: Mai bis Oktober
  • Schwierigkeit: mittelschwer
  • Anreise: RhB bis Bergün (Fahrzeit ab Zürich: gut zweieinhalb Stunden), Rückfahrt ab Filisur


Die Szenerie hat etwas Verwunschenes: Der dichte Nadelwald, ein Bächlein, das unseren Weg immer wieder kreuzt und das in einem dünnen, aber spektakulären Wasserfall von weit oben herabstürzt – kein Wunder, hat diese Gegend die Menschen zu Schauermärchen inspiriert. Bellaluna, wo das gleichnamige, heute geschlossene Restaurant steht, ist zu einem solchen sagenumwobenen Ort geworden. Einst ein Wirtschaftskomplex aus der Zeit der Eisen- und Zinkschmelze im Albulatal war es viele Jahre ein Restaurant, dessen Wirtin Paula Roth als Aussenseiterin galt. Ihre Hexenkräfte sollen das Haus sogar vor einem Felssturz bewahrt haben, erzählt man sich. Noch mehr aber beeindruckt uns auf dem Weg der Blick. Auf dem höchsten Punkt des Bergünsteins, aber auch unterwegs durch den Wald, bietet sich eine fantastische Aussicht auf das Albulatal und das Trassee der 1903 eröffneten Albulalinie der Rhätischen Bahn, die im Übrigen seit neun Jahren zum Unesco-Weltkulturerbe gehört.

Thomas Compagno

Grand Canyon der Schweiz

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  • Noiraigue-Ferme Robert–Fontaine Froide-Le Soliat- Les Oeillons-Noiraigue
  • 13 km, ca. 4,5 h
  • +750/-750 Höhenmeter
  • T2 Bergwanderung
  • Jahreszeit: April bis November
  • Schwierigkeit: mittel bis hoch
  • Anreise: Mit dem Zug nach Noiraigue und wieder zurück.
  • Mehr Informationen »

Es braucht nicht immer den alpinen Kick, damit es mir warm ums Wanderherz wird. Der Blick von der Abbruchkante des Felsenkessels Creux du Van hinunter ist ein Erlebnis, das seinesgleichen sucht. Ein Muss für jeden Schweizer Wanderfan. Die ersten zwei Wanderstunden haben es in sich, ich komme ganz schön ins Schwitzen, es geht «toujours» nach oben. Nicht supersteil, aber stetig. Wenigstens führt der Weg durch den Wald, dessen frische Luft angenehm kühlt.

Doch die Strapazen lohnen sich: Denn plötzlich stehe ich oben am Rand eines beeindruckenden Felszirkus, einer riesigen, von Mutter Natur geschaffenen Arena. Am Halbrund wandere ich entlang und kann mich kaum sattsehen an der spektakulären Aussicht, schaue immer wieder hinunter auf den Boden des hufeisenförmigen Naturschauspiels, auf dem der Wald spriesst. Mit etwas Glück sieht man Steinböcke, Gämsen oder gar Murmeltiere – und das im Jura!

Am anderen Ende des Halbrunds kann man einen Abstecher zum Aussichtspunkt Le Soliat machen. Dort gibts einen tollen Blick in die Weite des Juras. Ein paar Meter abseits des Creux du Van erwartet mich das Berggasthaus Ferme le Soliat. Wer sich die Zeit nimmt, kann sich mit einem feinen Freiluft-Fondue vom offenen Feuer verwöhnen.

Markus Kohler

Der Mehrtäger im Tessin

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  • Robiei–Lago Cavagnoli_Lago Sfundau-Cristallinahütte–Ossasco
  • 16 km, ca. 8 h
  • +820/-1900 Höhenmeter
  • T2-T3 Bergwanderung
  • Jahreszeit: Juli bis Oktober
  • Schwierigkeit: anspruchsvoll, für schwindelfreie Wanderer
  • Anreise: Mit Bahn und Postauto via Domodossola nach San Carlo, dann mit der Seilbahn nach Robiei.

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Plötzlich wird es steil auf der einen Seite des schmalen Pfades, so steil, dass ich abrupt stoppe: «Sorry, aber da kann ich nicht weiter. Unmöglich!» Mindestens 100 Meter geht es im freien Fall runter, so meine Schätzung. Reiner, mein Begleiter auf dieser Wanderung, geht das ganze Repertoire an psychologischen Kniffs durch: Er redet mir gut zu, dann wieder versucht er sich als Feldmarschall. Vergeblich, die Höhenangst ist stärker. Auch das Stahlseil an der Wand, an dem man sich festhalten könnte, beruhigt mich nicht. Hätten wir doch die normale Route ab Robiei hinauf zur Capanna Cristallina gewählt! Wir aber wollten via Staumauer des Lago Cavagnoli zur Hütte hoch.

So mache ich mich alleine (noch ein Fehler!) auf einen gewaltigen Umweg von gut zwei Stunden um den Stausee, gerate auf einen blau markierten Pfad, der ebenfalls immer steiler wird. Zeitweise bin ich auf allen Vieren unterwegs, ich reisse mir für die Coopzeitung wortwörtlich den Arsch auf. Am Ende erreiche ich Reiner wieder; er liegt in der Sonne, ein Strohhalm zwischen den Lippen: «Na, endlich da?»

Ab jetzt ist alles wundervoll: die Wanderung, das Alpenpanorama, die SAC-Hütte, das Essen (Ossobuco mit Risotto), der Abstieg nach Ossasco. Hierher werden wir sicher zurückkehren – auf der normalen Route.

Andreas W. Schmid

Anspruchsvolle Alpinwanderung

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    • Moosalp–Augstbordhorn–Dreizehntenhorn–Brand
    • 22 km, ca. 9 h
    • +1160/-1615 Höhenmeter
    • T4 Alpine Wanderung
    • Jahreszeit: Juli bis Oktober
    • Schwierigkeit: anspruchsvoll, nur für schwindelfreie, trittsichere Wanderer mit guter Kondition
    • Anreise: Mit Bahn und Postauto bis Moosalp. Rückfahrt: Ab Unners Sänntum mit demTrottinett oder ab Brand mit dem Sessellift nach Unterbäch und mit der Seilbahn nach Raron.

Das war ja eine Kletterei auf dem Augstbordgrat! Links und rechts vom Grat geht es zwar nicht senkrecht hinunter, aber das Gelände ist zerklüftet, die Felsen schroff. Wer sich hier einen Fehltritt leistet, hat kaum eine Chance, sich aufzufangen. Wir kraxeln also hinauf auf die Chumminilicke, den Rieberg und den Ginalspass. Etwas unter uns rennt ein Steinbock der Flanke entlang, als sei dies nix. Ist es vermutlich auch nicht – für ihn.

Zuvor hatten wir von der Moosalp startend das Augstbordhorn bestiegen. Der Weg war dort wesentlich einfacher und der traumhafte Blick auf die umliegenden Gipfel mit Bietschhorn im Norden und Dom im Osten hat uns für die fast 1000 Höhenmeter entschädigt, die wir bis dort bewältigt hatten. Und nun besteigen wir zum Dessert noch das Dreizehntenhorn (3052 m.ü.M.), einen weiteren wenig bekannten, aber nichtsdestotrotz aussichtsreichen Gipfel des Wallis.

Der Abstieg via Grosser See und Unners Sänntum nach Brand ist technisch nicht mehr schwierig, zieht sich aber etwas. Wir haben deshalb die lustvolle Variante gewählt und uns im Restaurant Ginals Trottinette ausgeliehen. Damit sind wir bis nach Unterbäch gefahren und haben uns die letzte Wegstunde nach Brand gespart, wo der Sessellift die Gäste auch nach Unterbäch bringt.

Thomas Compagno

Weiterführende Links zum Thema

Wandern: über Stock und Stein
Pilgern: Wandern zwischen Natur und Spiritualität
Ausflugstipps Schweiz

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Thomas Compagno

Redaktor

Karten:
Bundesamt für Landestopografie
Foto:
Peter Mosimann
Veröffentlicht:
Montag 28.08.2017, 15:50 Uhr

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