Warmbader

Schneider: Ich gehe ins Bad, muss mal, und als ich spüle, steht über dem Kasten säuberlich mit unserer Beschriftungsmaschine geschrieben: «Deckel und Türe zu! Bitte! Der Hausmeister.»

Der Hausmeister? Haben wir einen neuen Mitbewohner? Noch dazu einen, der Vorschriften macht? Klar. Das muss Schreiber sein. Sie liebt es, mit hochoffiziell wirkenden Nachrichten ihre Anliegen durchzusetzen. Einst hing eine komplizierte Tabelle mit Hundegassi-Uhrzeiten, detaillierter Wochenplanung, Streckenvorschlägen und unseren Familienmitgliedern laminiert in der Küche. Sah imposant aus. Wie der Einsatzplan einer grossen, erfolgreichen Firma.

«

Ein Hausmeister, der Vorschriften macht. Warum?»

Dann erklärte sie, dass jeder von uns jeden Hundespaziergang mit einem Magneten markieren und ihn dann zum nächsten Namen auf der Tabelle schieben müsse. So wären die Dienste gerecht verteilt. Diese Pflicht-Uhr kannte sie von ihrer kurzen WG-Zeit in München. Wir nickten alle, ich ging weiterhin viel mit dem Hund, die Mädchen eher wenig wie immer und der Magnet blieb, wo er war. Die Liste verschwand eines Tages, unbenutzt und wirkungslos.

Und jetzt ordnet ein Hausmeister an: Zumachen! Ich frage: vorher, nachher, während? Aber vor allem: warum?

Schreiber:  «Warum?», fragt Schneider.

«Weil das laut Feng Shui Geld spart, wenn der Deckel zu ist. Habe ich dir schon tausendmal erklärt.» – «Du glaubst an Feng Shui?» – «Nur beim Klodeckel» – «Und die Türe?» – «Weil wir im Bad heizen und die Wärme dann drin bleibt. Ich mag ein warmes Bad.» – «Aber dann ist es doch fast zu warm.» – «Ja, und? Warm tut gut. Das ist mein Luxus. Ausserdem ist das Anstand, hinter sich die Türe zu schliessen, wenn man rausgeht.» – «Aber warum nennst du dich Hausmeister?» – «Hätte ich Mama geschrieben oder Hausfrau, würde niemand reagieren. Aber so ein Nebenbuhler im Haus macht eben mehr Eindruck.»

«

So ein Nebenbuhler im Haus macht Eindruck.»

Schneider schüttelt den Kopf: «Sagen wir mal so: Ich habe den Hinweis gelesen und mich gewundert. Mehr nicht.»

Oh! Wenn ihn nicht mal ein Hausmeister beeindruckt, muss ich dann drohen? Oder gar ein Kässeli aufstellen? Ich sage: «Wäre eine Strafe von 5 Franken pro Türe oder Deckel einmal offen stehen lassen wirkungsvoller?»

Schneider lacht laut: «Bist du wahnsinnig! Das macht ja …», er rechnet einen Moment: «… 2000 Franken bis zum Frühling.»

So viel? Dafür könnte ich mir glatt einen Flug an die Wärme leisten! Sehr gut. Der Hausmeister hat ausgesorgt, jetzt kommt Schneider an die Kasse!

 (Coopzeitung Nr. 48/2016) 

Die Kolumnisten live mit ihrem Programm «Spesen einer Ehe»: 1. Dezember Dinnerlesung im Hirschen Erlinsbach.

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 28.11.2016, 17:33 Uhr

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