Was bleibt

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Schreiber: Langsam gewöhne ich mich an den neuen Alltag: Unsere Grössere ist ganztags weg, schwärmt von dem tollen Campus und ihrer Klasse. Ich nehme mir mehr Zeit für unsere Jüngere, die noch im Ort zur Schule geht und geniesse unsere Mittagessen in kleinerer Runde.

Schliesslich muss ich es lernen: Unser warmes Familiennest öffnet sich, wir flattern immer öfter in alle Richtungen. Aber abends landen wir, so oft es geht, gemeinsam am Küchentisch. Dann gibt es viel zu erzählen. Getrennt erlebte Zeit bereichert; eine Erkenntnis, die mir als Glucke guttut.

«

Es ist stiller, leerer. Es geht mir zu schnell.»

Das alles sage ich meiner Freundin, deren Kinder mittlerweile junge Erwachsene sind. Auch von meiner Wehmut spreche ich: «Es ist tagsüber stiller und leerer und irgendwie weniger kindlich. Es geht mir zu schnell.»

Genau so hätte sie es auch erlebt. Aber es sei eben auch schön, nicht mehr mittags kochen zu müssen und kein Zvieri für eine Horde Kinder parat zu haben. Dann meint sie: «Weisst du, ich sehe unsere Kinder zwar weniger, denn sie leben in einem ganz anderen Rhythmus. Aber dass sie noch zu Hause wohnen, merke ich in der Waschküche: Die verbrauchen mehr Klamotten denn je.»

Ist es das, was bleibt: ein grosser Berg Wäsche?

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Schneider: «Und irgendwann bleibt uns nur die schmutzige Wäsche», sagt Schreiber zu mir.

Ich weiss nicht, was sie damit meint und frage vorsichtshalber: «Ist das ein Vorwurf?»

«Das ist die Realität, wenn Kinder gross werden.»

Schreibers aktuelles Dauerthema. Unsere Ältere steht unter der Woche um sechs auf, kommt erst abends zurück, dann sitzt sie über den Hausaufgaben, geht in den Jublahöck oder trifft Freundinnen.

«Sieh es positiv», sage ich zu Schreiber. «Dafür wird es ordentlicher bei uns: weniger Schuhe im Gang, weniger Turnsäcke auf der Treppe, weniger vergessene Znünibrote im Thek.»
«Wie das wohl wird, wenn auch die Kleinere die ganze Woche weg ist?»

«Noch ordentlicher.»

«

Ich bin stolz, wie gut sich unsere Töchter machen.»

Schreiber seufzt. Wir fühlen da sehr unterschiedlich: sie voller Wehmut, ich voller Stolz, dass unsere Töchter selbstständig werden und sich draussen in der Welt gut machen.
Sie sagt: «Irgendwann sitzen wir zwei dann hier und essen mausbeinallein.»

«Aber dafür können wir spontan für ein paar Tage verreisen. Oder wir können ganz woanders hinziehen.»

Kein gutes Argument, denn Schreibers Miene wird auf einmal düster. Um ihre Stimmung schnellstens wieder aufzuhellen, sage ich flott: «In die Nähe unserer Kinder natürlich.»

 (Coopzeitung Nr. 03/2017) 

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 16.01.2017, 12:00 Uhr

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