Was für ein Theater!

Sie: Wir fahren nach Baden ins Kurtheater. Das Stück heisst: «Jedermann». Ein Klassiker, aber da ich sonst nichts darüber weiss, habe ich im Internet recherchiert. Nun bereite ich Schneider ein bisschen vor: «Also: Als Herr Jedermanns letztes Stündlein schlägt, fragt er sich: ‹Was habe ich aus meinem Leben gemacht?›»

«Aha.»
«Ja. Wofür lohnt es sich zu leben? Für Geld, Familie, Erfolg?»
«Gute Fragen.»
«Das Stück ist ein literarisches Mysterienspiel ...»
«Ein bitte was?»
«Na, da werden eben grosse Themen wie Käuflichkeit, Freundschaft, Vertrauen, Geiz und Glaube behandelt.»
«Und die Handlung?»
«Also, das weiss ich jetzt auch nicht so genau. Aber er stirbt auf jeden Fall.»

«

Das Ticket für ihn hätt’ ich mir sparen können.»

Schneider blickt zu mir. «Und das verrätst du mir jetzt schon! Du kannst mir doch nicht den Schluss am Anfang auftischen!»
«Jetzt tu doch nicht so! Das Stück ist 100 Jahre alt. Spannend ist aber, dass in dieser neuen Inszenierung ein Schauspieler alle Rollen spielt, seine Mutter, seine Geliebte, seine Freunde, einfach alle.»
«Und das ist spannend? Ist vielleicht nur eine Sparmassnahme!»
Gutes Stichwort: Hätte ich mir das Ticket für diesen Miesepeter gespart, wäre wohl für einen schönen Theaterabend gesorgt gewesen.

Er: Wir sind auf der Rückfahrt eines langen Theaterabends. Wahn-sinn! Fast zwei Stunden lang hat ein Schauspieler geschrien, gewimmert und getanzt, hat sich gekrümmt, mit einem Gerippe geschmust, sich bis auf die Unterhose ausgezogen, beim Reden meterweit gespuckt – und wir sassen in der ersten Reihe. Irgendwie beeindruckend. Und dann war noch diese langbeinige Musikerin in dunkler Gewandung, die 20 Instrumente spielte, kindlich lächelte und eigentlich der Tod war.

Die Bühne wurde im Lauf der Vorstellung völlig versaut, es flogen Geldbeutel, Lametta, Klamotten. Spannend!
Und wenn mir Schreiber nicht verraten hätte, worum es geht, hätte ich einen Abend lang zwar nichts verstanden, aber meine eigenen Bilder gefunden. So aber suchte ich krampfhaft nach Schreibers Stichworten und fand nur Bruchstücke.

«

Auf unserer Bühne wird ‹Alltag› gegeben.»

Schneider blickt zu mir. «Und das verrätst du mir jetzt schon! Du kannst mir doch nicht den Schluss am Anfang auftischen!»
«Jetzt tu doch nicht so! Das Stück ist 100 Jahre alt. Spannend ist aber, dass in dieser neuen Inszenierung ein Schauspieler alle Rollen spielt, seine Mutter, seine Geliebte, seine Freunde, einfach alle.»
«Und das ist spannend? Ist vielleicht nur eine Sparmassnahme!»
Gutes Stichwort: Hätte ich mir das Ticket für diesen Miesepeter gespart, wäre wohl für einen schönen Theaterabend gesorgt gewesen.

 (Coopzeitung Nr. 15/2015) 

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 06.04.2015, 11:30 Uhr

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