Was für ein Verehrer!

Sie sagts durch die Blume, was er einst mit Blumen sagte. 

Sybil Schreiber: Schneiders erwachsene Patentochter hat seit Langem wieder mal abends auf die Kinder aufgepasst. Als Dank schicke ich ihr Blumen. Nicht nach Hause, sondern ins Geschäft. Dort Blumen zu empfangen, ist nämlich was Besonderes. Ich erinnere mich gern daran, als Schneider um mich buhlte. Damals.

«

Merkt er, was ich ihm sagen will?»

Ich arbeitete in der Redaktion vom «Tages-Anzeiger» zuoberst unterm Dach. Rief der Portier an und meinte: «Frau Schreiber, Sie haben einen Verehrer, hier wurde ein grosses Bouquet für Sie abgegeben», schnellte mein Selbstwertgefühl weit übers Dach hinaus. Die Blumen trug ich wie eine Trophäe durch die ganze Redaktion. Mit diesem Bild im Kopf erzähle ich Schneider von meiner Bestellung: «Ich habe etwas Romantisches ausgesucht und ihr den Strauss ins Büro liefern lassen.» Er stutzt. «Das hat mehr Wirkung.» «Was willst du bei meinem Göttimeitli bewirken?» «Ich wollte sie überraschen. Und: Ein schöner Strauss ist gut für das Selbstbewusstsein.» Bei diesen Worten werde ich nostalgisch. Gar melancholisch. Mir wird fast schon blümerant. 

Denn: Ein solch aufbauender Blütengruss von Schneider, das wär wirklich schön! Ich hoffe, er merkt, was ich ihm gerade durch die Blume mitteile.

Steven Schneider: Schreibers gut gemeinte Straussaktion führt uns ins emotionale Dickicht: Jetzt blickt sie nämlich vorwurfsvoll und zornig. Nun, schauen kann ich auch: Ich sende ihr einen Blick über den Zeitungsrand, der besagt: «Keiner der anderen Männer in unserem Umfeld schenkt so oft Blumen wie ich.»

Da sie nicht reagiert, wechsle ich von Bild auf Ton: «Früher, da musste ich eben um dich kämpfen.» Ich erinnere mich an den frischen Geruch, der mir beim Betreten der Blumenläden in die Nase kroch. Für mindestens achtzig Franken stellte ich, der Traumkunde aller Zürcher Floristinnen, jeweils einen Strauss zusammen. Dazu kamen ein poetisches Kärtchen und der Kurierdienst in die Redaktion. Eine ganz schöne Investition dafür, dass ich nicht wusste, ob ich mein Ziel je erreichen würde.

«

Ich war der Traum aller Floristinnen.»

Viele Sträusse später war ich dann zwar mausarm, aber sehr glücklich. Und – Zufall oder nicht – da fällt mein Blick aufs Wohnzimmertischchen, auf dem Gänseblümchen in einer kleinen Vase stehen. Schreiber bekommt doch Blumen! Im Frühling täglich, und erst noch die exklusivsten der Welt: nämlich von unseren beiden Töchtern. Ich bilanziere zufrieden: Meine damalige Investition hat sich wirklich gelohnt.

 (Coopzeitung Nr. 16/2014)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 14.04.2014, 00:00 Uhr

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