Katze allein zu Haus: Wenn Herrchen und Frauchen krank sind, kann das zum Problem werden.

Was wird aus Wuscheli?

Wuscheli hat ein schönes Plätzchen: Der Perserkater lebt bei einer alten Frau, die beiden haben es gut miteinander. Doch dann muss die Halterin plötzlich ins Spital.

Die Stimme klang schwach: «Ich kann nicht mehr nach Hause. Ich warte auf einen Platz im Altersheim. Hätten sie einen Platz für mein Wuscheli?»

Solche Anrufe fand ich immer sehr bedauerlich. Nicht nur, dass ältere Katzen oft lange auf einen geeigneten Platz warten mussten. Auch war Wuscheli ein alter Perserkater, der tägliches Bürsten benötigte. Er dankte es, indem er ruhig und lieb war. Er zerstörte nichts und konnte stundenlang neben seiner Besitzerin den Tag geniessen. Ich kannte ihn schon seit längerer Zeit. Wuscheli war die ideale Katze für diese Frau. Und jetzt wurde das Duo auseinandergerissen.

Zum Glück war Wuscheli trotz seines Alters noch fit und benötigte selber keine Alterspflege, denn dann wäre ein neuer Lebensplatz noch schwieriger zu finden gewesen. Ich überlegte fieberhaft, wen ich ansprechen konnte. Wer hatte selber seine Katze verloren? Wer kam für Wuscheli infrage? Ich rief diverse ehemalige Katzenbesitzer an.

Wuscheli hatte ebenfalls eine Vergangenheit. Er vertrug sich nicht mit anderen Katzen und war nach mehreren Jahren mit Streit und Kämpfen umplatziert worden. Damals fragte ich mich, ob er ein ruhiges Dasein mögen würde, nach Jahren in einer kinderreichen, lärmigen Familie mit streitbarem Katzenpartner. Doch offensichtlich hatte ich ins Schwarze getroffen. Wuscheli und seine neue Besitzerin mauserten sich zum Dream-Team. Regelmässig besuchte ich die zwei zum Krallenschneiden und hörte nur Gutes von ihm. Wie würde er am neuen Ort sein? Wieder lieb oder schwierig wie früher?

Leider hatte ich im Moment keine Idee. Wuscheli würde also zu mir ins Gehege kommen müssen und abwarten, bis wir ein Plätzchen fanden. In der Praxis aber war es lärmig, stressig und es gab noch andere Katzen. Ich seufzte.
Gerade, als ich schon kapitulieren wollte, hatte ich wieder Wuschelis Halterin am Telefon: «Ich habe einen Platz in einem Heim gefunden. Endlich kann ich aus dem Spital weg! Und stellen Sie sich vor, mein Wuscheli darf mit!» Mir fiel ein grosser Stein vom Herzen. Diese Katze würde sich optimal eignen für solch einen Platz.

Kurz nach diesem Telefonat schrillte es erneut, eine andere Kundin war dran. «Sie haben meinen Sohn angerufen, sie würden eine ältere Katze suchen? Ich muss meine Katze leider abgeben, ich muss in ein Altersheim!».

(Coopzeitung Nr. 26/2013)

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Keystone
Veröffentlicht:
Montag 24.06.2013, 12:50 Uhr

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