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Bettina Ullmann
schreibt am 03.02.2012


Weihrauch in der Wüste

Die Übernachtung in der Wüste war eine echte Sensation! Wir sind mit acht grossen, kräftigen Range Rovers im Hotel in Salalah abgeholt worden und wurden früh morgens von unseren omanischen Fahrern zu unserem Wüstencamp gefahren. Unser Fahrer heisst Abdulaziz, er schien zu den erfahrenen Wüstenkennern zu gehören ...

... denn wir fuhren in seinem Wagen am Schluss unserer Autokolonne und er hat immer Acht gegeben, dass kein Fahrzeug verloren geht. Auf dem Weg in die Wüste haben wir einen Stopp bei Weihrauchbäumen gemacht. Unser Guide, Vasneem und auch der uns beleitende Auslandskorrespondent, Michael Wrase, wissen viel Interessantes über den Weihrauch zu berichten. 

Wissenswertes über Weihrauch:
Das Wort «Weihrauch» bedeutet wörtlich übersetzt «heiliges Feuerwerk», es stimuliert und beruhigt das Gehirn, viele schreiben ihm seit Jahrtausenden eine positive, medizinische und antiseptische Wirkung zu, zum Beispiel für den Magen und die Verdauung oder auch für die Atemwege.

Weihrauch ist uns natürlich seit den heiligen drei Königen ein Begriff, die das neugeborene Jesuskind mit Gold, Myrrhe und Weihrauch beschenkt hatten. Zu uns ist das Baumharz, das mit ganz besonderen Ernte- und Schnitttechniken gewonnen wird, die lange geheim gehalten wurden, mit dem Volk der Nabatäer gekommen. Das war lange vor Christi Geburt. Der Transport des Weihrauchs, der zunehmend ganz neue Dimensionen erreichte, bedingte eine Erfindung: einen Sattel für die Kamele, auf dem Mensch und Lasten genügend Platz hatten!

Ungefähr 1300-1000 v. Chr. wurde eine Sattelform für Kamel und Dromedar erfunden, die bis heute so gut wie unverändert blieb. 250 kg Last konnte ein Kamel tragen. In der Antike dauerte ein Transport rund vier Monate, wobei – einmal unterwegs – natürlich noch sehr viel mehr als nur Weihrauch seinen Weg über Land nach Europa fand. Der Seeweg kam nicht in Frage, denn dieser war sehr klippenreich und überall lauerten die Piraten auf eine heisse Beute. Es gibt sehr verschiedene Weihrauchqualitäten, die weiss bis hellgrüne Sorte ist die beste und teuerste und kann auch für medizinische Zwecke in Massen eingenommen werden.

Im Wüstencamp
Gegen die Mittagszeit kamen wir in unserem Camp an. Auf einer eingezäunten Fläche standen etwa 15 Zelte, in denen je zwei bis drei, mit Decken, Kissen und Matratzen ausgestattete Betten standen. Sonst nichts, der Boden war sandiger Wüstenboden. Es war drinnen wir vor den Zelten so richtig schön warm, nämlich so warm, dass man sich nur noch setzen oder hinlegen wollte um einfach abzuwarten, bis die Hitze vorbei geht.

Ein Miniteam von zwei Männern aus Bangladesh (25 Prozent der Bevölkerung sind Ausländer, viele von ihnen kommen aus Pakistan, Indien und Bangladesh, zwei unserer Guides kommen aus Sri Lanka) hatte uns eine gute Mahlzeit aus Reis, Poulet, Gemüse und Salat zubereitet. Michael Wrasen hat uns mit seinem Referat fundiert über das kostbare Harz informiert. Zwischen 15 und 16 Uhr etwa sind wir zu einem Ausflug in die Wüste ausgeschwärmt. Die Fahrer haben sich eine Gaudi daraus gemacht, auf dieser unendlichen Fläche während der Fahrt einfach mal zur Seite zu schauen um sich mit uns zu unterhalten, währenddessen sie mit Volldampf durch die Wüste rasten.

An einer Stelle schienen sich alle Fahrer miteinander verabredet zu haben. Wie sie das anstellen, sich zwischen diesen abertausenden Sanddünen an einer ganz bestimmten Düne zu verabreden, war mir ein echtes Rätsel, Strassenschilder gibt's ja nicht…

Rasante Wüstensafari
Dann aber ging es erst richtig los, mit 70 Sachen sind sie die Dünen hochgerast, haben am höchsten Punkt eine spektakuläre Wende hingelegt und sind die steilen Hänge wieder runtergesaust. Die Teilnahme an diesem Spass war natürlich freiwillig. In Abdulaziz Wagen sassen ich und eine weitere Mitreisende, wir beide – nicht mehr 25-Jährigen – haben gekreischt wie in der Achterbahn auf der Messe. Es war einmalig! Aber auch unsere – auch nicht mehr 25-jährigen – Fahrer schienen um einige Jahre verjüngt, es packte sie auch manchmal der Ehrgeiz, wenn sie ihre Fahrzeuge hoch oben auf der Düne im Volltempo noch auf den Zentimeter genau nebeneinander parkieren wollten…

Ja, das ist aber doch total gefährlich, werden Sie vielleicht sagen? Ich meine, sie hatten ihre Sache im Griff. Die Fahrtechnik im Sand schien sehr mit dem Fahren in hohem Schnee vergleichbar zu sein. Aber klar, es ist auch mal ein Wagen im Sand stecken geblieben und nicht wieder heraus gekommen. Abdulaziz musste schaufeln und schaufeln, wir alle haben angeschoben und – das Auto wieder befreit!

Nach dieser einmaligen Aktion war die Stimmung in der Gruppe eine andere, die Fahrer hatten ihre Scheu uns gegenüber verloren.

Abends am Lagerfeuer
Am Abend hat uns Michael Wrasen beim Schein des Lagerfeuers (und einer exklusiven Taschenlampe für sein Skript) die wunderbare Geschichte von Scheherazade vorgelesen. Ob Geschichten oder Referat, er beginnt und beendet seine Vorträge jeweils mit "Liebe Mitreisende aus der schönen Schweiz…" - aber nicht nur das wird uns von seinen spannenden Erlebnissen und Erfahrungen als Auslandskorrespondent dieser Region für immer in Erinnerung bleiben.

Und ganz sicher auch unvergesslich war unsere Song-Competion mit den omanischen Fahrern. Abwechselnd haben die Omanis ein Lied aus ihrem arabischen Fundus vorgetragen, einmal die Schweizer. Ich weiss schon gar nicht mehr, wer diesen kleinen, sympathischen Wettkampf am Ende gewonnen hat. Es war auch egal.

Heute früh sind wir gut ausgeruht unseren Wüstenpritschen entstiegen. Den sensationellen Sternenhimmel habe ich verschlafen, aber einige von uns haben sehr begeistert davon erzählt. Ich meinerseits weiss aber sicher, dass ein einfaches Fladenbrot mit Marmelade und ein Nescafé selten so gut geschmeckt hat wie heute Morgen und dort mitten in der Wüste. Liebe Wüste, ich würde Dich gerne einmal wiedersehen. Du bist unbeschreiblich schön und sehr faszinierend.

 

Foto:
Zwei Kameldamen mit einem «Kamel-BH» – ein Schutz vor den Jungtieren, damit sie nicht zu oft trinken und von der guten Kamelmilch nichts mehr übrig bleibt.

Unter der Baumrinde tritt der Weihrauch (in weissen Harztropfen) zum Vorschein.

Unsere Fahrer suchen Schatten unter einem Weihrauchbaum. Es werden Versuche unternommen, Weihrauchbäume zu züchten, aber das ist nur sehr schwer.

Unsere Nachstätte im Wüstenzelt.


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