Jeder nach seinem Gusto, oder anders gesagt: Ohne zu probieren findet man nie heraus, welche Schoggi zu welchem Wein passt.

Wein und Schokolade: Ein Fest für die Sinne

Zu einem Glas Wein knabbert man gern etwas Käse oder Oliven. Es geht aber auch anders. In Kombination mit Schokolade wird Wein zum Sinne anregenden Erlebnis.

Genuss hat viele Gesichter. Mal ist er zartschmelzend wie Schokolade, mal vollmundig wie Wein. Aber beides zusammen? Klingt vielleicht nicht für jeden nach einer gelungenen Kombination. «Jeder Mensch kombiniert, was ihm beliebt und was ihm schmeckt», sagt Annette Bongartz, Leiterin der Fachstelle Sensorik an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften. «Und das kann sehr unterschiedlich sein.» Klar ist für sie jedoch: «Aus Sicht eines Sensorikers kann es eigentlich nicht ausgefallen genug zu- und hergehen.» Na dann. Erlaubt ist also, was gefällt. Das betont auch Kulinarik-Experte Patrick Zbinden, wenn er nach Tipps und Tricks bei der Kombination von Wein und Schokoladen gefragt wird. Damit genussvolle Aroma-Erlebnisse möglich sind, rät er zu einem methodischen Vorgehen. Das heisst: Zunächst ein briefmarkengrosses Stück Schokolade leicht zerkauen, damit sich die Aromen und der Geschmack der Schokolade im Mund entfalten können. «Dann erst sollte man einen kleinen Schluck Wein nehmen.» Auf diese Art, erklärt er, vermischten sich die Aromen der beiden Lebensmittel optimal im Mund. Beide Lebensmittel sollten möglichst lange gleichberechtigt wahrgenommen werden, sagt er. «Das Ziel des entstehenden Aromawettstreits ist die Harmonie der Aromen.»

Obwohl abgerundete, gefällige Weine sich besser mit Schokolade einlassen, findet Zbinden es weitaus interessanter, mit eher kantigen Weinen zu experimentieren – also lieber Cornalin als Merlot. «Die Erfahrungen sind viel spannender.» Ausserdem ist es möglich, dass einem passiert, was selbst Profi Zbinden erst ein einziges Mal erlebt hat: Jenen grossen Moment, wenn im Mund plötzlich ein komplett neues Aroma entsteht – obwohl dieses weder in der Schokolade noch im Wein vorkommt. «Das ist schon überwältigend.» Konkrete Kombi-Tipps gibt Patrick Zbinden eher ungern. «Ausprobieren», rät er. «Nehmen Sie einen nicht zu gefälligen Wein, beispielsweise einen Comandaria aus Zypern, dazu vier bis fünf unterschiedliche Schokoladensorten – und freuen Sie sich über die Erlebnisse.»

Kalorienzählen verboten: Hier geht es um den Genuss.

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Für die Kombination mit Schokolade eignen sich nach Ansicht von Weinautorin Chandra Kurt Spätlesen oder Weine im Amarone-Stil sehr gut. «Was immer geht, ist Portwein», sagt sie. «Da kann man auch ganz wunderbar mit verschiedensten Schoggistilen spielen.» Sie nennt auch ein paar allgemeine Leitplanken für jene, die ihre ersten Schritte im Gebiet Wein/Schokolade wagen: «Je höher der Kakaoanteil der Schokolade, desto trockener darf der Wein sein», findet sie. So schlägt sie beispielsweise als Begleiter einer Schoggi mit 80-prozentigem Kakaoanteil einen Pinot Noir vor. «Weine mit viel Tanninen – etwa ein Syrah, Cabernet Sauvignon oder Cabernet Franc – paaren sich am besten mit einer milden Schokolade.» Also mit Schokolade, deren Kakaoanteil nicht allzu hoch ist, oder auch Milchschokolade. Auch weisse Schokolade lasse sich mit Wein kombinieren, Chandra Kurt empfiehlt dazu edelsüsse oder halbtrockene Weissweine, beispielsweise einen Petite Arvine aus dem Wallis.

Ein absolutes No-Go ist für die Weinkennerin jedoch die Kombination von Champagner und Schoggi. «So toll Bilder aussehen, die Truffes neben einem Glas Champagner zeigen: Diese Kombination wird bitter.» Wie Patrick Zbinden hat Chandra Kurt vor allem einen Tipp: lustvoll pröbeln, Misserfolge in Kauf nehmen und sich über geglückte umso mehr freuen. «Machen Sie ein Spiel draus: Nehmen Sie drei, vier Weine und drei Tafeln gute Schokolade und degustieren Sie mit ein paar Freunden die verschiedenen Kombinationen. Ein unterhaltsamer Abend ist garantiert.» Oder, das wäre dann die zum Valentinstag passende Variante: Man macht sich einen schönen, sinnlichen Abend zu zweit. 

Arneis: Weisse Trendsorte aus dem Piemont

Jan Schwarzenbach, Önologe

Jan Schwarzenbach, Önologe
Jan Schwarzenbach, Önologe

Arneis ist heute eine bekannte Traubensorte. Die Weissweinrebe hat ihren Ursprung im Piemont, genauer im Roero-Gebiet nördlich von Alba. Die Sorte wurde ursprünglich mit den kernigen Rotweinen aus Nebbiolo assembliert, um diese etwas zu mildern. In den 1970er-Jahren war Arneis jedoch fast ausgestorben. Dann stieg die Nachfrage und im Jahr 2000 waren im Piemont über 600 Hektaren mit Arneis bepflanzt. Die Sorte ist also traditionell und gleichzeitig relativ neu. Heute hat Arneis DOCG–Status (Denominazione di Origine Controllata et Garantita) im Roero und DOC-Status (Denominazione di Origine Controllata) in der Langhe. Die Weine werden meist ohne Fassausbau gekeltert, sind trocken und werden jung getrunken. Das Aroma ist recht neutral und die Säure ist tief. Der Wein erinnert etwas an Chasselas. Vielleicht ist die Sorte in der Schweiz daher so beliebt.

Frisch aus der Traube

Britta Wiegelmann, Weinjournalistin

Britta Wiegelmann, Weinjournalistin
Britta Wiegelmann, Weinjournalistin

Falls Sie sich schon einmal gefragt haben, was gemeint ist, wenn man beim Wein von Primäraromen spricht: In diesem Tropfen können Sie sie riechen. Primäraromen sind jene Duftstoffe, die direkt aus der Traube stammen, im Gegensatz zu Sekundäraromen, die bei der Weinbereitung entstehen, und Tertiäraromen, welche sich während der Flaschenreifung bilden. Von den Primäraromen besitzt die Rebsorte Muscat ganz besonders viele. Die Weine duften überschwänglich nach frischer Traube und Blüten, in diesem Fall begleitet von reifen Pfirsichnoten. Kein Wunder, spricht man von einer sogenannten Aromasorte. Am Gaumen zeigt dieser leicht restsüsse Walliser eine lebhafte Säure, viel Körper und Schmelz sowie ein herb-mineralisches Finale. Tipp: Probieren Sie ihn zu asiatischer Küche. 

Valais AOC Muscat Terrasses du Rhône Bibacchus, 2012

Herkunft: Schweiz
Region: Muscat
Rebsorte: Primitivo
Genussreife: 2–4 Jahre ab Ernte
Erhältlich: in grösseren Coop-Verkaufsstellen oder auf Coop@Home

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Regula Bättig

Redaktorin

Foto:
Heiner H. Schmitt, ZVG  
Veröffentlicht:
Montag 10.02.2014, 11:14 Uhr

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