Klaus Sparer, Geschäftsleiter der Kellerei Bozen, zwischen grossen Weintanks.

Weinbau: Grosse Kunst aus Südtirol

Im Südtirol finden die Trauben beste Bedingungen – und Winzer, die vom Weinbau viel verstehen.

Trauben habens im Südtirol gut: Aufnahme aus dem Weingut Steinerhof in der Nähe von Bozen.

Trauben habens im Südtirol gut: Aufnahme aus dem Weingut Steinerhof in der Nähe von Bozen.
Trauben habens im Südtirol gut: Aufnahme aus dem Weingut Steinerhof in der Nähe von Bozen.

Es liegt ein Zauber über dem Land Südtirol. Zuoberst die Dolomiten, gemäss Le Corbusier das schönste Bauwerk der Natur. An den höheren Hängen wachsen Weissweine wie der Sauvignon oder der Traminer, in der Mitte der St. Magdalener,  in den tieferen warmen Lagen Cabernet und Merlot und in der Talsohle schliesslich, auf den sandigen Böden in Gries, der Lagrein (siehe Reiter Lagrein).

Blick von Terlan bei Bozen Richtung Medelpass.

Blick von Terlan bei Bozen Richtung Medelpass.
Blick von Terlan bei Bozen Richtung Medelpass.

Aber vor allem sind da Menschen, die einen mit einem herzlichen «Griass di» empfangen und mit «Pfiat di», in etwa «Gott behüte dich», gehen lassen. Es sind Menschen wie Klaus Sparer, die stolz sind auf ihr Land. Sparer ist Geschäftsleiter der «Kellerei Bozen» und zum Glück hat die Kellerei einen kühlen Keller. Denn durch Bozens Strassen wabert die Hitze.  «Bozen ist im Sommer offiziell die heisseste Stadt Italiens», sagt Sparer. Aber nur bis etwa 16 Uhr. Dann setzt der kühlende Wind Ora ein. Die Temperaturunterschiede von bis zu 15, 20 Grad sorgen dafür, dass die Trauben Geschmack und Säure entwickeln.

Die Angst im Nacken

Bozen und seine Kellerei sind so etwas wie der Nabel der Südtiroler Weinwelt, der Keller, in den uns Sparer führt, stammt aus dem Jahr 1870. Zwischen kleinen Barrique- und riesigen 5000-Liter-Fässern erzählt er die Geschichte des Weinbaus im Südtirol. Sie ist auch die Geschichte seiner Familie. Die Menschen hier waren früher bitterarm. 

Noch Sparers Grossvater verkaufte die Traubenernte an Händler. Diese drückten die Preise und einer sagte damals Sparers Vorfahr kurz vor der Ernte: «Anton, ich brauch deine Trauben heuer nicht.» Mit dieser Angst im Nacken wollten die Südtiroler Weinbauern nicht länger leben. Sie gründeten Genossenschaften und nahmen ihr Schicksal selber in die Hand. Unter anderem ist die ehemals private Weinkellerei Bozen daraus hervorgegangen. Lange gings danach den Weinbauern mehr oder weniger gut. Sie produzierten Unmengen billigen Wein,  auch für die Schweiz, und ältere Semester erinnern sich noch gut an den Kichelberger, den St. Magdalener, den Kalterersee. Dann kam der Knick.

Klaus Sparer, Geschäftsleiter der Kellerei Bozen.

Klaus Sparer, Geschäftsleiter der Kellerei Bozen.
Klaus Sparer, Geschäftsleiter der Kellerei Bozen.

«Zunächst unmerklich, in den 80er-Jahren aber rasant, gings bergab», erinnert sich Sparer. «Zunächst bei den Kunden, dann zwangsläufig auch bei uns selber, fand ein Umdenken statt. Qualität ersetzte Quantität.» Anstatt wie früher 10 000 Liter wachsen heute noch 6000 bis 7000 Liter pro Hektar.  Ausserdem wuchs eine neue Generation Weinbauern heran, die offen ist für Neues.

«Maschinen können keine Kunst» 

Christian Graf Huyn im Rebberg bei Bozen.

Christian Graf Huyn im Rebberg bei Bozen.
Christian Graf Huyn im Rebberg bei Bozen.

Einer davon ist Christian Graf Huyn – uralter Adel. Der Graf wohnt in einem 1000-jährigen Gebäude und viel wichtiger als sein Titel ist ihm die Qualität seiner Reben. Die Maschine, die ihm das Laub ausbrach, hat er darum wieder verkauft. «Die Reben richtig auslichten, das ist eine Kunst. Maschinen können keine Kunst.» Die Traubenernte erfolgt sowieso von Hand. Huyn pflanzt Merlot und Traminer, doch das erfolgreichste Gewächs ist der Sauvignon Blanc. «Davon macht die Kellerei Bozen etwa 35 000 Flaschen pro Jahr – und diese landen ausschliesslich bei euch in der Schweiz, bei Coop.» 

In den Trockensteinmauern um seine Reben hausen Echsen und Schlangen, mit den Rehen vom nahen Wald teilt der Graf die Ernte. Und unweit des Gutes liegt der Legende nach ein böser Riese begraben. «Den haben die Zwerge betrunken gemacht, begraben und dann die Linden über ihm gepflanzt», lacht Anna, des Grafen Tochter. Dann öffnet der Graf eine Flasche Sauvignon. Er duftet nach Brennnessel, nach Zitrone, nach dem Feuerstein, auf dem er wächst, nach Minze, nach ... Südtirol. Und ja, sogar Annas Lachen über den Riesen vermeint man im Sauvignon nachzuschmecken. 

Südtirols edle Traube

Bis ins Jahr 1379 lässt sich der Lagrein, die Traubensorte, aus der Südtirols beste Weine gekeltert werden, zurückverfolgen. Doch eigentlich wussten unsere Nachbarn gar nicht, was für ein Schatz da auf ihren sandigen Talböden wuchs: «Bis vor ein paar Jahrzehnten machten unsere Vorfahren aus dem Lagrein oft den leichten Kretzer, eine Art Rosé», erklärt Klaus Sparer von der Weinkellerei Bozen. Der Begriff Kretzer stammt übrigens nicht von kratzen, sondern vom Abziehen des Mostes durch ein Sieb aus Weiden – die Kretze.

Der Aufstieg des Lagrein begann, als Südtirol den Massenweinen abschwörte. «Wir verbesserten das technische Know-how bei uns selber, führten Schulungen mit unseren Winzern durch und setzten zu 100 Prozent auf Qualität», sagt Sparer. «Hätten wir nicht radikal umgestellt, gäbe es uns nicht mehr.» Gott sei Dank gibt es sie noch. Der Lagrein der Kellerei Bozen von heute hat nämlich nichts mehr mit dem Kretzer von früher zu tun. Er wird in Eichenfässern ausgebaut und gehört zu den besten Weinen Italiens. Für einen Quadratmeter Lagreiner-Boden zahlt man gleich viel wie im Barolo-Gebiet. 

Drei Weine aus dem Südtirol

Südtirol DOC Lagrein Grieser Baron C. Eyrl, 2013

Vielschichtiges, edles Bouquet von Holunderaromen, intensiv beerig,  schöne, weiche Fruchtsüsse.

Preis: Fr. 13.95/75 cl. 
Erhältlich: in grösseren Coop-Verkaufsstellen und bei mondovino oder Coop@Home

Südtirol DOC Lagrein Riserva Prestige, 2011

Sehr sorgfältig ausgelesenes Traubengut, 1 Jahr im Barrique gelagert. Ein harmonischer Wein mit weichen Tanninen.

Preis: Fr. 22.50/75 cl.*
Erhältlich: in grösseren Coop-Verkaufsstellen und bei mondovino oder Coop@Home

Südtirol DOC Sauvignon Blanc Graf Huyn, 2013 

Trocken, lebendig, frisch und fruchtig, ausgewogen im Abgang. 

Preis: Fr. 14.95/75 cl. *
Erhältlich:
 in grösseren Coop-Verkaufsstellen und bei mondovino oder Coop@Home

* Preise unter Vorbehalt, solange Vorrat, Stand: 09.09.2014

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Franz Bamert

Redaktor

Foto:
Arno Balzarini, zVg
Veröffentlicht:
Montag 08.09.2014, 14:16 Uhr

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