Das gleiche Glas für Rot- und Weisswein? Kein Fauxpas, sondern durchaus eine Möglichkeit von Trinkkultur.

Der Wein ist der Star, nicht das Glas  

Natürlich kann man Wein auch aus Plastikbechern oder Wassergläsern trinken – stilvoll ist dies aber nicht: Und zu sehr leidet die Qualität. Die Wahl des richtigen Weinglases ist jedoch gar nicht so kompliziert.

Grossvater hat seinen Schoppen beim Mittagessen immer aus einem Mostglas getrunken, und das mit grossem Genuss. Dennoch werden viele jetzt denken: «Aus dem Mostglas! Das kann man doch nicht machen.» Eigentlich nicht. Nur, wie sieht es aus, das richtige Weinglas? «Generell sagen kann man das nicht», sagt Zita Langenstein. Sie ist Leiterin Weiterbildung bei Gastro Suisse, dem Verband für Hotellerie und Restauration in der Schweiz. Im Servicelehrbuch – der Branchenbibel sozusagen – wird eine klare Sprache gesprochen: «Jeder Weinstil wird im entsprechenden Glas serviert», heisst es da. «In der Praxis kann das jedoch kaum noch in diesem Ausmass umgesetzt werden», so Langenstein. Schliesslich würde das bedeuten, dass nebst den «normalen» Rot- und Weissweingläsern ein knappes Dutzend weitere Gläser gekauft und aufbewahrt werden müssten – vom fusslosen Gobelet für den Westschweizer Weisswein bis hin zur weiten Astischale für den Spumante. In der Regel komme daher ein Allroundglas für rote und ein etwas kleineres für weisse Weine auf den Tisch, «dafür ein qualitativ sehr gutes». Betriebe mit einem hochwertigen Weinangebot kennen zudem meist noch ein drittes Glas: jenes für die «grossen» Weine. 

Dass ein einziges Glas reicht, um rote, weisse und sogar Schaumweine zu trinken, sei eine Frage der Philosophie, findet Langenstein. «In unserer Ausbildung zum Sommelier empfehlen auch wir vermehrt die Ein- beziehungsweise Zwei-Glas-Kultur.»

So gesehen ist klar,was sie für den heimischen Haushalt empfiehlt: «Die Investition in ein qualitativ hochwertiges Weiss- und Rotweinglas lohnt sich», findet die Expertin. «Besonders in einem Kristallglas, das angenehm in der Hand liegt und sehr gut klingt, lässt sich Wein hervorragend präsentieren.» Zusätzlich noch einen Satz gute Champagner-Flûtes im Schrank stehen zu haben ist sicher nicht falsch – auch wenn diese nach Meinung vieler Weinexperten ihre Schwächen haben. Der Genuss des Duftes komme dabei zu kurz, wird bemängelt. Sommeliers empfehlen daher, Champagner und Sekt im Weissweinglas zu geniessen. Wenig empfehlenswert sind hingegen Sektschalen: Diese sehen zwar neckisch aus, doch wird der Champagner darin zügiger warm, als man ihn trinken kann. Ausserdem ist schnell mal Schluss mit den Perlen. Wer ein Faible für schwere Weine hat und regelmässig solche Tropfen trinkt, der kann die Anschaffung eines Schwenkers (Burgunderglas) sicher ins Auge fassen. Wer jedoch nur selten einen Burgunder kredenzt, kann dies jedoch ebenso gut aus dem Rotweinglas machen – zumal die Weinglasfrage sehr oft auch zu einer Platzfrage wird.

Den Liebhabern spezieller Gegenstände legt Langenstein in Sachen Weingläsern etwas Zurückhaltung ans Herz: «Das ideale Weinglas hat weder Farbe noch Dekoration, sonst kann man die Farbe des Weins nicht richtig erkennen», stellt sie klar. Zudem ist es dünnwandig (so übertragen sich die Feinheiten des Weines besser auf die Geschmacksnerven) und es hat einen Stiel (so wird der Wein nicht durch die Hand erwärmt). «Wer beim Gedeck dennoch Farbe ins Spiel bringen möchte, kann das Gedeck mit einem farbigen Wasserglas ergänzen.» Echten Weinliebhabern rät Zita Langenstein, etwas Geld in die Gläser zu investieren: «Und lassen Sie sich im Geschäft beraten», findet sie. «Schliesslich wirkt sich die Qualität eines Glases eins zu eins auf die Qualität des daraus getrunkenen Weines aus.»

Coop City führt die qualitativ hochwertigen Kristallgläser der Marke Spiegelau im Sortiment. Mondovino-Neumitglieder profitieren bis Ende 2014 von einem 33-Prozent-Gutschein (im Bonheft) auf das Coop-Weinglas-Sortiment.

So muss es sein

Glasklar: Ein Weinglas ist weder eingefärbt noch dekoriert. Sonst erkennt man Farbe und Charakter des Weins schlecht.
Mit Stiel: Lange Stiele verhindern, dass die Hand den Wein erwärmt. Stiele sollten aber auch nicht zu lang sein: Kippgefahr!
Standfest: Ein gutes Glas hat einen soliden Fuss.
Verletzlich: Ein zu dickwandiges Glas beeinträchtigt den Weingenuss.
Handlich: Ein Weinglas muss handlich sein, Pokale gibts bei Wettkämpfen.
Massvoll: Ein Weinglas wird nicht bis oben gefüllt. Zwei bis drei Fingerbreit (maximal bis zum weitesten Durchmesser) reichen.

Jan Schwarzenbach, Önologe

Jan Schwarzenbach, Önologe
Jan Schwarzenbach, Önologe

Oft wird maschinelle Lese von Trauben mit minderwertigen Weinen in Verbindung gebracht. Die Handlese wird hingegen als Qualitätsmerkmal vieler Weine auf der Rücketikette speziell erwähnt. Diese Vorurteile lassen sich durch seriöse Degustationen jedoch nicht bestätigen.

Die Erntemethode hat im Vergleich zu Klima, Rebschnitt, Pflege des Rebbergs unter dem Jahr und dem Ausbau vom Wein im Keller einen recht kleinen Effekt auf die Qualität des Weins. Oft wird ja nur von Hand gelesen, weil eine maschinelle Lese aufgrund der Topografie nicht möglich ist oder weil die Maschinen zu teuer sind. Wichtiger für die Qualität des Traubenguts ist der Zeitpunkt der Lese. Grosse Rebberge werden zeitgenauer mit Maschinen gelesen, da grössere Flächen in kurzer Zeit gelesen werden können. Nicht jeder von Hand gelesene Wein muss also zwangsläufig gut schmecken.

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Regula Bättig

Redaktorin

Foto:
Getty Images, Heiner H. Schmitt, zVg
Veröffentlicht:
Montag 19.05.2014, 17:25 Uhr

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