Auch das neue Jahr verspricht dem Weinliebhaber reichen Genuss

Weintrends 2016

Wahrsagerinnen studieren den Kaffeesatz, wir schauen ganz tief ins Weinglas. Und verraten Ihnen, welche Tropfen gross im Kommen sind.

Vier Experten haben für uns Orakel und Tippgeber in Sachen Wein gespielt. Wir wollten wissen: Was kommt bei Kennern 2016 ins Glas? Was ist angesagt, was passé? Welcher Hype wird überschätzt, welche Tropfen sollte man unbedingt probieren?

In einem sind sich die Profis einig: Wer ganz nah am Trend sein will, hats im neuen Jahr nicht weit. «Lokal ist in», sagt Weinpublizistin Chandra Kurt. «In der Schweiz sind das Trauben wie Petite Arvine oder Heida, aber auch unsere Flaggschiffsorte, der Chasselas. Jedes Land hat seinen eigenen Fundus solcher Signaturtrauben.» Ihre Stärke? Peter Keller, Weinredaktor der «NZZ am Sonntag», Weinakademiker und Experte der Coop-Weinwelt Mondovino, bringt es auf den Punkt: «Sie heben sich ab vom globalen Einerlei.» Seine aktuellen Lieblinge: Cornalin aus dem Wallis, die Mencía-Traube aus der spanischen Region Bierzo sowie der süditalienische Aglianico. Chandra Kurt verrät gleich noch, wie diese Tropfen am meisten Spass machen: «Wein ist ein Kulturgut, das Geschichten seiner Herkunft erzählt. Am besten schmeckt er für mich zum Essen – bei Tisch, in guter Gesellschaft,  zu den Spezialitäten seiner Region.»

Süss kommt an

Ein weiterer Megatrend: die Lust auf Süss. «Die Tendenz zu Weinen mit viel Frucht und Restzucker wird sich weiter verstärken», prophezeit Thomas Vaterlaus, Chefredaktor von «Vinum – Europas Weinmagazin». Sylvia Berger, Category Managerin Weine und Schaumweine bei Coop, beobachtet Ähnliches: «Auf dem Markt sind Tropfen wie Amarone oder Ripasso sehr gefragt. Sie werden aus angetrockneten Trauben gekeltert. Durch diese Methode bekommt der Wein eine gewisse Restsüsse, die ihm Schmelz und Fülle verleiht.» Die Fachleute sehen die süsse Mode mit gemischten Gefühlen. «Dicke Rote mit süsslichem Extrakt sind überflüssig», findet Thomas Vaterlaus. Ehrlich und unkompliziert darfs hingegen gerne sein. So sagt Chandra Kurt: «Süditalienische Trauben wie Nero d’Avola, Negro Amaro oder Uva di Troia werden weiter Aufwind haben. Sie sind dunkel in der Farbe, intensiv im Geschmack und bereiten grosse Trinkfreude. Es sind keine komplizierten Weine – Freunde einladen, Pasta kochen, entkorken und geniessen lautet die Devise.»

«

Die Experten sind sich einig: Lokal ist im Trend.»

Nischentrend Naturwein

Nicht immer ist Trend übrigens gleich Mainstream. Thomas Vaterlaus beschreibt ein spannendes Phänomen: «Es gibt heutzutage immer mehr ‹Nischengeniesser›. Sie bevorzugen Weine, die konträr zum Massengeschmack liegen. Ein aktuelles Beispiel für einen solchen Mikro-trend sind Naturweine.» Darunter versteht man Gewächse, die ohne Zusätze – also nur mit traubeneigenen Hefen und ohne Kellerhelfer wie haltbar machenden Schwefel – hergestellt werden. Wie sehen Experten die Naturweinströmung? Differenziert. Thomas Vaterlaus sagt: «Naturweine sind interessant, wenn der Null-Zusatz nicht als Entschuldigung für Weinfehler dienen muss. Leider ist das heute noch häufig der Fall.» Und Peter Keller meint: «Der Hype ist ein wenig überbewertet. Oft bleibt der Genuss an einem kleinen Ort. Doch man kann durchaus auch Qualität finden.»

Die Tipps der Experten

Jokerfrage: Was, wenn sich unsere Wein-Orakel für das Jahr 2016 selber etwas wünschen dürften? «Dann müsste der viel geschmähte Beaujolais ein Revival erleben», sagt Peter Keller ohne Zögern. «Keine Region wird derzeit so unter ihrem Wert gehandelt.» Ausserdem würde er liebend gerne den Riesling aus seiner Nische hervorholen: «Er zählt für mich zu den grössten Weissen der Welt. Riesling rockt!» Sylvia Berger bricht eine Lanze für knackig-frische Tropfen aus kühlen Regionen, «Schweizer Bergweine wie der Heida, Sauvignon Blanc von der Loire, Grüner Veltliner aus Österreich, aber auch italienische Weisse, die neben den Roten oft untergehen.» Thomas Vaterlaus hat es der Chardonnay angetan: «Einst niedergemacht, ist er unter Kennern wieder top, und zwar in seiner reintönigen, mineralischen Form, ob aus dem kalifornischen Sonoma oder dem Jura.» Chandra Kurt schliesslich möchte ihre Begeisterung für den Rebensaft mit der nächsten Generation teilen: «Ich würde mir wünschen, dass junge Menschen neben Cocktails und Spirituosen immer mehr auch die Welt des Weins entdecken.»

Kommentare (0)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Text:
Britta Wiegelmann
Foto:
Keystone
Veröffentlicht:
Montag 11.01.2016, 14:59 Uhr

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?