Weisser als der Hai

ER: Schreibers Bruder, der als Modefotograf Südafrika schon seit über 25 Jahren bereist, hat mich beschworen, es nicht zu tun. Es sei ökologisch höchst bedenklich. Die Rede ist vom Tauchen mit den Weissen Haien. Das kann man nämlich in Gansbaai. Dort gibt es grosse Kolonien, die von Booten mit Futter angelockt werden. Touristen können dann mit Neoprenanzug und Taucherbrille ausgerüstet in einen Käfig klettern und dem Hai unter Wasser in die Augen blicken.

«

Die Kinder und ich sind begeistert. 3:1 also. »

Die Kinder und ich sind begeistert. Schreiber nicht. Sie findet, ihr Bruder habe recht. Aber es steht drei zu eins. «Das macht man nur ein Mal im Leben», sage ich. «Und es verändert für den Rest des Lebens die Wahrnehmung. Weisse Haie sind keine Killer und Filmmonster, sondern faszinierende Meeresbewohner. Zudem sind sie vom Aussterben bedroht.» «Genau. Deshalb würden wir das Geld klüger dem WWF spenden, denn die kümmern sich bestimmt besser um die Haie als diese Bootsunternehmen», kontert Schreiber. «Sehr gut. Bleib du an Land, und das, was dein Ticket gekostet hätte, spenden wir dem WWF.» «Bevor ich die Weissen Haie rette, rette ich meine Kinder. Buche für mich mit, ich lass meine Kinder doch nicht allein mit dir zu den Haien!»

SIE: Die Wellen sind beängstigend, es stürmt und regnet. Wir sind zwanzig Minuten von der Küste entfernt, das Ufer verschwindet alle paar Atemzüge hinter den Wasserwogen. Das Boot schlingert rauf und runter, ich halte mich an den Gitterstäben des Tauchkäfigs fest, der an der Seite ins Wasser gelassen wurde.Durch den Neoprenanzug spüre ich die Kälte, das Wasser stinkt nach Fischöl. Meine beiden Mädchen sind bereits untergetaucht, so mutig, die beiden. Ich hole Luft, unter Wasser geben sie mir Zeichen. Dort, ein Hai, ganz nah. Es ist atemberaubend, wortwörtlich. So gross, so stark, so elegant. Meine beiden Töchter sind furchtlos und wollen gar nicht raus aus dem Käfig.

«

Die Kinder können ihm dann erzählen, wie es war. »

Vielleicht hat Schneider doch recht gehabt damit, dass uns diese Begegnung die Augen öffnen würde. Schade nur, dass ausgerechnet er die Weissen Haie nicht sehen kann. Als ich ihn das letzte Mal zu Gesicht bekam, klammerte er sich mit Italienern und Japanern an der Reling fest. Seine Hautfarbe wechselt von Grün auf ein Kalkweiss. Er blickte starr und flüsterte abwesend: «Ich muss mich konzentrieren, mir ist grottenschlecht.» Nun, die Kinder und ich können ihm ja dann erzählen, wie fantastisch es war.

 (Coopzeitung Nr. 09/2015) 

Ist es vertretbar, Weisse Haie als Touristenattraktion «vorzuführen»?

Ist es eine Chance, das wohl gefährlichste Tier hautnah zu erleben? Oder ist die es Lust an der Sensation, die so gestillt wird?

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 23.02.2015, 15:04 Uhr

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