Wem gehört vor einer Party das Badezimmer?

Sie:

Ich weiss, Schneider beklagt sich, am wenigsten Raum im Haus zu haben. Das stimmt auch. Aber sind wir ehrlich: Er braucht ja auch nicht viel Platz. Am liebsten würde er immer in denselben Kleidern herumlaufen. Und irgendwie scheint es ihm sowieso dort am wohlsten zu sein, wo es eng ist, zum Beispiel in unserem Bad. Ich zähle die Stunden nicht, die er dort lesend verbringt. Ist auch völlig in Ordnung – nur muss er wissen, wann er das Feld räumen muss. Schliesslich lebt er in einem Frauenhaushalt. Und dort gibt es ganz selbstverständliche Regeln, die in der westlichen Welt alle kennen. Auch er – obschon er so tut, als wüsste er das nicht.

Er:

Von allen Türen in unserem Haus gibt es nur eine, in deren Schloss ein Schlüssel steckt, nämlich an der Badezimmertür. Das hat Symbolcharakter, auch wenn ich den Schlüssel gar nie umdrehe. Der Schlüssel zeigt nämlich an: Wer immer hier drin ist, will nicht gestört werden. Und es gibt Momente, in denen Männer nicht gestört werden wollen, vor allem, wenn sie nur mit Frauen zusammenleben. Ein Fachmagazin kann man nicht am Küchentisch lesen, wenn sich mehrere Frauen miteinander unterhalten. Das leuchtet ja wohl ein, oder? Die Frage ist also nicht, wem das Bad vor einer Party gehört, sondern wo ein Mann sich in Sicherheit bringen kann. Und in Sicherheit bleiben will!

 

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Er:

Von welchen Regeln, die der ganzen westlichen Welt bekannt sein sollen, ist hier die Rede? Dass Frauen ein Recht auf Schminke haben? Dass es vor einer Party zuhause wie in einem Hühnerstall zu und her gehen darf, während der Hahn sich gefälligst auf eine Stange verkriechen soll? Abgesehen davon ist es nicht so, dass ein Mann sich dort wohlfühlt, wo es eng ist, in einer Besenkammer oder unter der Treppe oder eben in einem winzigen Bad. Nein, ich könnte auch in einer riesigen Fabrikhalle glücklich sein. Sofern dort eine Schüssel steht, die ganz allein für mich da ist.

Sie:

Schneider muss sich nie in Sicherheit bringen, so ein Quatsch! Es würde reichen, wenn er nicht die ganze Zeit im Weg stehen würde. Das tut er nämlich, und zwar immer dann, wenn es hektisch wird. Dass er sich ausgerechnet dann an einem Ort verstecken will, der im Zentrum des Interesses steht, ist mir vollkommen schleierhaft. Und der Schlüssel an der Badezimmertür ist kein Symbol für einen Isolationsraum, sondern bietet Sicherheit für unseren Besuch, wenn der mal muss. Sein sogenanntes Fachmagazin, eine Autorennsport-Postille, kann er irgendwo lesen, das braucht weder Abgeschiedenheit, noch intellektuelle Fähigkeiten. Ein sauberer Lidstrich hingegen verlangt nach dem besten Licht! Und das ist bei uns nun mal im Bad!

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