Weniger Wasser für mehr Reis

Die Bauern im indischen Bundesstaat Uttarakhand leben vom Reisanbau. Dazu braucht es viel Wasser. Jetzt lernen die Bauern, dieses besser einzuteilen und dadurch ihre Erträge zu steigern. Das schont auch die Umwelt.

Das Bild könnte nicht romantischer sein: eine saftig-grüne Landschaft, Frauen in wundervoll bunten Gewändern, Sonne von früh bis spät. Die Region um die Stadt Ramnagar ist eine der Reiskammern Indiens. Doch auch dieses scheinbar so fruchtbare Land hat ein Problem: ein Wasserproblem. Zu viel Wasser wird für zu wenig Reisernte verbraucht. Das schmälert die Ernte und das Einkommen der Bauern. Weil man Wasser nicht vermehren kann, muss man es besser einteilen, also verwalten, damit alle Bauern profitieren können.

Uttarakhand ist nicht ganz zufällig zum Gebiet des Engagements von Coop und der Reismühle Brunnen geworden. Sie konzentrieren sich bei ihren Nachhaltigkeitsanstrengungen auf die Wertschöpfungskette des Bio- und Fairtrade-Basmatireises, der aus Uttarakhand kommt.

Continued flooding: Die Felder stehen ständig unter Wasser
AWD (Alternative wetting and drying): Alternierendes Fluten und Trocknen. Reisfelder müssen nur im Blütestadium ständig geflutet sein. Beim AWD wird das Feld weniger tief unter Wasser gesetzt als normal (3–5 cm statt bis zu 10 cm).
SRI (System of Rice Intensification): Die jungen Reispflanzen werden in ca. 30 cm Abstand gesetzt. Soyadhan: Mischkultur von Soja und Reis abwechselnd in Reihen nebeneinander.

Es braucht alle

2015 startete die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit des Bundes (Deza) ein Projekt zum sparsameren Umgang mit Wasser, das Water Productivity Project (Wapro). Mit im Boot sind auch Coop und die zur Coop-Gruppe gehörende Reismühle Brunnen, Helvetas sowie die Intercooperation Social Development India (ICSD). «Für globale Herausforderungen wie zum Beispiel Wasserknappheit ist das koordinierte Engagement von Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Staat zentral», betont Co-Projektleiterin Stefanie Kägi von Helvetas.

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Ein effizienter Herd, …

… eine solarbetriebene Taschenlampe …

… und eine Bio-Gasanlage als alltagstaugliche Innovationen. 

Vorteile der Fruchtfolge

Die ICSD ist es, deren Experten den Bauern die neuen Anbaumethoden näherbringen. Auf einem kleinen Demonstrationsfeld wachsen Kichererbsen: Anhand des praktischen Beispiels sollen sie mit eigenen Augen sehen, welche positiven Auswirkungen es haben kann, wenn sie die Fruchtfolge systematisch angehen. Pflanzen sie nämlich abwechselnd Getreide und Hülsenfrüchte an, schont das langfristig den Boden, steigert den Ertrag und spart Wasser. Gute Erfahrungen machen sie auch mit einer ganz neuen Form von Anbau: Mischkulturen. Eine Reihe Reis, eine Reihe Soja, dann wieder Reis. Maschinen würden ab solcher Pflanzungen wohl bald den Geist aufgeben. Aber die indischen Reisbauern ernten von Hand.

Kommt eine zweite erfolgreiche Anbaumethode hinzu, können die Bauern ihren Ernteerfolg noch mehr steigern: Sie setzen die einzelnen, noch ganz jungen Reispflanzen im Abstand von 30 Zentimetern zur nächsten Pflanze. Damit erzielen sie rund 25 Prozent mehr Ertrag und eine bessere Qualität, erklärt Anja Wolff, verantwortliche Projektmanagerin der Reismühle Brunnen. Und schliesslich verzichten sie auf das permanente Wässern der Felder. Durch das abwechselnde Bewässern und Trockenlegen wird ebenfalls weniger Wasser verbraucht: Dank reduzierter Bewässerungsintervalle und besserer Wasserspeicherfähigkeit der Böden kommen die Bauern mit 24 Prozent weniger Wasser aus. Ashish Srivastava, Projektleiter bei Intercooperation India, freut sich: «Die Bauern sind wirklich interessiert. Sie hören zu, lernen und geben Feedback, das ist toll.»


Neue Geräte erleichtern die Arbeit, hier zum Beispiel lockert eine Bäuerin den Boden und sät gleichzeitig die neue Kultur.

Im Interesse der Bauern

Dank der verbesserten Anbaumethoden konnten die Bauern den Wasserverbrauch pro Kilo Reis bereits deutlich reduzieren (siehe auch die Grafik auf Seite 74). Geholfen hat zudem, dass die Bauern die Infrastruktur gemeinsam wieder repariert haben, denn ein Grossteil des Wassers ging nicht auf den Reisfeldern verloren, sondern in der in die Jahre gekommenen Wasserinfrastruktur. Dadurch geht nun nicht mehr nur kein Wasser verloren; Bauern, die weiter von den Kanälen weg wohnen, sind nicht mehr von der Wasserversorgung abgeschnitten.

Coop und Helvetas unterstützen die Reisbauern bereits seit 2011 dabei, ihren Anbau nachhaltiger auszurichten. Dazu gehört die Umstellung der Reisfelder auf biologische Produktion. Die Bauern wurden zum Beispiel dabei unterstützt, die Verwendung von Gründüngung zu testen, um die Produktivität zu steigern und gleichzeitig die Umwelt zu entlasten. Eng verknüpft mit der biologischen Reisproduktion ist das Bio-Gasprojekt, das Coop gemeinsam mit dem WWF und «myclimate» entwickelt hat: Die Bauern verarbeiten Kuhmist durch eine Bio-Gasanlage zu Methangas, das direkt in die Küchen geleitet und zum Kochen genutzt wird. Es ersetzt so das Brennholz, das die Frauen früher in mühseliger Kleinarbeit sammeln mussten. Kein Brennholz bedeutet für die Bäuerinnen auch kein Rauch beim Kochen und keine tränenden Augen. Ausserdem verringert das Projekt die Treibhausgasemissionen. Gleichzeitig entsteht ein qualitativ guter Dünger für ihre Felder.

Ein Projekt mit Zukunft

Namaste! Reto Conrad wird von Einheimischen begrüsst.

Namaste! Reto Conrad wird von Einheimischen begrüsst.
http://www.coopzeitung.ch/Weniger+Wasser+fuer+mehr+Reis Namaste! Reto Conrad wird von Einheimischen begrüsst.

«Der Besuch hier beeindruckt mich sehr», sagt Reto Conrad, Mitglied der Coop-Geschäftsleitung. Er reiste gemeinsam mit Deza-Direktor Manuel Sager nach Indien, weil er sich persönlich ein Bild der Ergebnisse der Projekte machen wollte. Sein Fazit: «Mit dem Wapro-Projekt bündeln die Deza, Coop und Helvetas ihre Kräfte. Davon profitieren die Reisbauern und ihre Familien, die Umwelt sowie unsere Kunden, die ein rundum nachhaltiges Produkt erhalten.»

Und Anja Wolff von der Reismühle Brunnen erklärt, die 2011 gesteckten Produktionsziele seien nur teilweise erreicht worden. «Es gibt eben Unterschiede zwischen Plänen und der Realität. Ich glaube aber, wir können trotzdem stolz sein auf das Erreichte, besonders auf den Aufbau einer engen Beziehung zwischen den Reisbauern, den Partnern vor Ort und Coop.»

Beim abschliessenden Gespräch zwischen allen Beteiligten fragt ein Bauer schüchtern: «Geht denn das Bio-Gasprojekt in Zukunft noch weiter?» Als Reto Conrad bejaht, gibt es einen herzlichen Applaus der indischen Bauern und sehr viele freudige Gesichter.

Hier finden Sie die Tat Nr. 13
Hier finden Sie alle Taten auf einen Blick

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Noëmi Kern

Redaktorin

Text:
Coopzeitung
Foto:
Prakash Singh, Franke Eyhorn
Veröffentlicht:
Montag 02.04.2018, 16:49 Uhr

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