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Ringelblumen-Samen

Ringelblumen-Samen

Feuerbohnen

Schlafmohn

Stockrosen-Samen

Ochsenherz-Tomaten

Cherrytomaten

Ying-Yang-Bohnen

Wenn die Bohnen lachen

Sabine Reber räumt schon mal ein bisschen auf in ihrem Garten… und sammelt reifes Saatgut und schneidet Stecklinge, um ihre liebsten Pflanzen zu vermehren.

Die Stockrosen, die Königskerzen, die Ringelblumen und die Jungfern im Grünen, sie sind nun alle verblüht. Ihre trockenen Samenstände stehen ver- lockend bereit. Letztes Wochenende haben sich die Kinder darüber hergemacht. Besonders fasziniert waren sie vom Schlafmohn. Zum Selbersäen ist der natürlich etwas vom besten. Die Kinder ziehen mit den Mohnkapseln durch den Garten, schütteln sie wie Pfefferstreuer über meinen Blumenbeeten aus. Als es mir zu bunt wird, drücke ich jedem eine Zellophantüte in die Hand, damit sie so viele Samen sammeln können, wie sie wollen. «Aber bitte bei euch zu Hause aussäen!», sage ich, «ich habe hier nicht so viel Platz. Und Schlafmohn liebe ich zwar sehr, aber bitte nicht grad überall». Die Kinder füllen ihre Tüten und wollen dann gleich losziehen und alles hinter dem Hochhaus aussäen. Das klappt für die Stockrosen, die Königskerzen, Eselsdisteln, Karden und so weiter. Alles, was sich leicht von selber versamt, ist auch prima geeignet zum Guerillagärtnern. Schliesslich fallen die Samen auch in der Natur einfach zu Boden, und keimen dann, wenn die Temperatur richtig ist.


Sabine Reber

Sabine Reber
Sabine Reber

Die Kinder wollen jetzt am liebsten den ganzen Garten mitnehmen, sie machen sich über die Sonnenblumen der Nachbarin her, klauben Kerne heraus, sie sammeln die Kapseln der Jungfern im Grünen ein und so viele Ringelblumen, wie in den Tüten noch Platz haben. Aber als sie anfangen, reife Cherrytomaten in ihre Zellophantüten zu mantschen, muss ich doch eingreifen. Ich hatte zwar auch schon Tomaten, die von selber im Garten gewachsen sind. Aber meistens klappt das nicht. Tomatensamen sollte man sorgfältig trocknen und sie dann im März in kleinen Töpfen auf dem Fenstersims aussäen. Auch Tagetes und Sonnenblumen sät man besser erst im Frühling. Kosmeen samen oft selber ab, aber sie kommen dann natürlich nicht dort, wo man sie gerne möchte. Und ausserdem sind die selber versamten Kosmeen meistens von einem blassen Rosarot. Die weissen und die dunkleren Farben setzen sich in der zweiten Generation selten durch. Also kaufe ich davon lieber jedes Jahr neue Samen. Die Kinder zeigen auf meine schwarzen Petunien. Ich schüttle den Kopf, das sind Hybriden. Alle Pflanzen, die F1 oder F2 im Namen haben, lassen sich im Prinzip nicht selber vermehren. Um sie zu gewinnen, müssen die Kreuzungen jedes Mal neu durchgeführt werden, weshalb dieses Saatgut auch viel teurer ist als die einfachen Samen, die man gut selber ziehen kann.

Die Kinder fragen mir Löcher in den Bauch. Gut so, das bin ich ja gewohnt. Und wenn wir schon beim Pflanzenvermehren sind, dann kann ich auch gleich noch die zu dicht stehenden Frauenmänteli ausbuddeln und sie in mehrere Stücke schneiden und wieder einpflanzen. Sie müssen sowieso zurückgeschnitten werden, weil sie schon ziemlich braun geworden sind. Und dann wollen die Kinder wissen, ob man auch Rosen säen kann. Die Älteste zeigt auf eine dicke Hagebutte: «Da sind doch Samen drin, oder?» – «Ja klar», sage ich, «Rosen säen ist aber nicht ganz so einfach». Und ich zeige ihr stattdessen, wie man Stecklinge schneidet von den Rosen. Das klappt am besten bei alten Rosen wie beispielsweise den Gallicas, die ganz leicht neue Wurzeln bilden. Aber Stecklinge finden die Kinder nicht so spannend, das ist zu abstrakt, das dauert zu lange. Also machen wir uns hinter die Bohnen. Die Kinder helfen mir, die reifen Feuerbohnen zu ernten und die Kerne aus den verdorrten Schalen zu pulen. Und am Schluss – etwas Dramaturgie muss auch im Garten sein! – zeige ich ihnen die Yin-Yang-Bohnen. Grosses Ah und Oh! Einige der Bohnen tragen tatsächlich das Yin-Yang-Zeichen, manche aber haben lustige Gesichter, sie lachen, sie schneiden Fratzen, und eine Bohne scheint sogar die Zunge herauszustrecken!

Ich gebe jedem ein paar Yin-Yang-Bohnen mit. «Aber die müsst ihr wirklich aufbewahren bis im Frühling», sage ich. Bohnen können keinesfalls draussen überwintern! Ich erkläre ihnen, dass sie die Bohnen sorgfältig trocknen und aufbewahren sollen. Am besten in eine Papiertüte und auch anschreiben, und sie dann an einem trockenen, dunklen, kühlen Ort aufbewahren. Im Mai werden sie dann in Töpfchen gesät. Selber gesammelte Samen sollte man nicht allzu lange aufbewahren, am besten braucht man sie dann gleich im nächsten Frühjahr. Und was zu viel ist, lieber verschenken. Selber gebastelte Tüten mit Samen aus dem eigenen Garten sind auch ganz hübsche Geschenke. Und dann erzähle ich ihnen von den Engelsbohnen. Auf die warte ich selber noch. Man darf sie erst öffnen, wenn sie vollkommen verdorrt sind. Ich hatte sie spät gesät, und hoffe sehr, sie reifen noch vor dem Herbst. Sie sind selten zu finden, ich hatte einige Bohnen von einer Frau geschenkt bekommen, die ich am Wildpflanzenmarkt auf Schloss Wildegg kennengelernt hatte. Und nun warte ich selber gespannt wie ein Kind, ob sich dann auch wirklich auf jeder Bohne ein kleiner Engel abzeichnet.

Ja, und wenn die Samen geerntet sind, dann kann man die Pflanzen auch gleich wegräumen, dann haben ja die Vögel auch nichts mehr davon. Der Garten sieht gleich viel besser aus, wenn die ganzen Stockrosen und Königskerzen und die vom Wind zerzausten Kosmeen weggeschnitten sind. Und ausserdem gibt es dann Platz und Übersicht, um in den nächsten Wochen die Zwiebeln der Frühlingsblumen zu verbuddeln.

Für den September

  • Blumenzwiebeln besorgen, und sie «nadisna» pflanzen. Die grössten Zwiebeln wie Kaiserkronen und Narzissen kommen zuerst in den Boden, dann die Tulpen, und am Schluss die kleinen Zwiebeln wie Krokusse oder Blausternchen.
  • Zweijährige Frühlingsblumen wie Stiefmütterchen, Hornveilchen und Vergissmeinnicht säen, oder Ende Monat gekaufte Setzlinge auspflanzen.
  • Hecken und Beerenobst schneiden.
  • Rosen bestellen, falls grössere Pflanzungen geplant sind. Jetzt ist die Auswahl noch gross. Sie werden dann im November oder im Frühling gepflanzt.
  • Beetstauden pflanzen, zu dichte Stauden können im Herbst auch gut geteilt und neu eingepflanzt werden.
  • Winterquartier für Kübelpflanzen vorbereiten.
  • Jetzt nicht mehr düngen!
  • Clematis pflanzen.
  • Immergrüne Laub- und Nadelgehölze schneiden und pflanzen. Achtung, bei Thujas nicht ins alte Holz schneiden, sie treiben dann nicht mehr aus. Bei Buchs und Eiben hingegen klappt das ganz gut, und sie können nach Belieben geformt werden.
  • Auf abgeernteten Gemüsebeeten Gründünger säen, damit die Beete möglichst nicht brach liegen.

Mit Sabine Reber

Ab sofort kann man sich anmelden für die neuen Gartenkurse in Dotzigen BE und in Arisdorf BL. Die Kurse finden über die ganze Saison verteilt jeweils an einem Samstagnachmittag in zwei spannenden Privatgärten statt. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Alle Infos dazu finden Sie auf Sabine Rebers Homepage: blumenundworte

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Sabine Reber

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Foto:
Stöh Grünig
Veröffentlicht:
Donnerstag 08.09.2011, 02:00 Uhr

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