Louis-Philippe Bovard am Ufer des Genfersees. Oft ist der Winzer mit dem Ruder- oder Segelboot unterwegs.

Winzerportrait: Domaine Louis Bovard, Cully

Er ist der Grandseigneur des Chasselas. In zehnter Generation führt Louis-Philippe Bovard das Weingut am Genfersee. Sich auf den Lorbeeren auszuruhen war aber nie seine Sache.

Louis-Philippe Bovard mit einem alten Holzschlegel.

Louis-Philippe Bovard mit einem alten Holzschlegel.
Louis-Philippe Bovard mit einem alten Holzschlegel.

Schon als kleiner Bub hatten die Weinberge über dem Genfersee für den heute 80-jährigen Louis-Philippe Bovard eine ganz spezielle Bedeutung. «Meine Mutter wollte, dass ich Klavier spielen lerne. Doch anstatt zu üben, versteckte ich mich ab und zu zwischen den Rebzeilen», erzählt der Grandseigneur des Chasselas lachend. Und erinnert sich gleich noch an eine andere Episode, die für ihn prägend war: Als 12-Jähriger besuchte er 1946 die Comptoir Suisse in Lausanne. «Mein Vater verhandelte dort mit einem Mann über den Kauf eines grösseren Weinbergs im Lavaux.» Schon nach kurzem Gespräch habe er dem Verkäufer seine Cigarettes-Laurens-Schachtel hingestreckt und gesagt, er solle den Verkaufspreis notieren. «Er schrieb 100 000 Franken auf die Box – und mein Vater sagte sofort zu.» Louis-Philippe Bovard ist ähnlich gestrickt: «Auch ich handle schnell und ohne Umwege, wenn ich etwas erreichen möchte».

Der studierte Jurist und Betriebwirtschafter arbeitete rund 20 Jahre ausserhalb des Weinguts. Erst 1983, als sich sein Vater aus dem aktiven Berufsleben zurückzog, übernahm Louis-Philippe die Domaine Louis Bovard im Maison Rose in Cully. «Immer war ein Louis an der Spitze, zum Beispiel Jean-Louis, Louis-Jean, Louis-Charles oder um 1840 sogar eine Frau mit dem Vornamen Louise», erzählt Bovard. Nebst der Tradition bei den Vornamen wird übrigens auch jene der Weinetiketten gepflegt. Verschiedene Sujets sind weit über 80-jährig. So auch jene des Dézaley Médinette, der seit 1907 auf den Weinkarten vieler Spitzenrestaurants figuriert.

Als «Autodidakt in Sachen Wein» bezeichnet sich Bovard selbst. Er suche immer nach neuen, anderen Wegen, nicht nach Schulbuch und auch nicht traditionell behaftet. Ab 1984 veränderte er auf dem Weingut vieles. Gesprächspartner bei der Suche nach Chasselas-Weinen in höchster Vollendung waren nebst Winzern aus dem Ausland auch die Spitzenköche Fredy Girardet, Hans Stucki, Adolf Blokbergen und Ernesto Schlegel. So entstanden Weine, die zum Essen und nicht in erster Linie zum Aperitif passen. «Weine mit weniger Kohlensäure und weniger Spritzigkeit, dafür mit mehr Säure, vollmundig, geschmeidig und komplex», fasst er zusammen. Auf der ständigen Suche nach Verbesserung macht Bovard auch zahlreiche Vinifikationsversuche mit verschiedenen Rebsorten. Seit rund einem Jahr kann er auf den Winzer und Önologen Caspar Eugster zählen. Er ist sowohl für die Arbeiten in den Rebbergen wie auch im Weinkeller verantwortlich.

Bovards Passion für den Wein erschöpft sich aber nicht in der Arbeit auf dem eigenen Weingut. Er leistete Überzeugungsarbeit bei den Waadtländer Winzern und so entstand vor einigen Jahren, in Zusammenarbeit mit der ETH Lausanne, eine detaillierte Bodenanalyse aller Weinberge des Kantons. Diese vertiefte das Wissen darum, welche Rebsorten wo optimal eingesetzt werden können. Der umtriebige Winzer war zudem 1970 Initiant des Weinmuseums in Aigle und 2010 des Conservatoire Mondial du Chasselas in Rivaz, wo 19 verschiedene Chasselas-Reben angepflanzt sind.

Nebst dem Wein spielt das Wasser eine wichtige Rolle in Bovards Leben. Denn von jedem Weinberg im Lavaux blickt man auf den Lac Léman. Und genau diese Aussicht geniesst auch Bovard jeden Tag. Es sei denn, er ist selbst auf dem See, mit seinem Ruderboot oder am Segeln. «Früher besass ich auch das Berufsfischerbrevet und habe drei Jahre lang der Witwe eines Fischers geholfen. Jeden Morgen bin ich früh aus den Federn gekrochen und auf den See hinausgefahren. Das war eine fantastische Zeit», blickt er zurück. «Der Mix von See und Wein, das ist mein Lebenselixier.»

Wer wagt, gewinnt

Jan Schwarzenbach, Önologe

Jan Schwarzenbach, Önologe
Jan Schwarzenbach, Önologe

Die riesige Auswahl an Weinen ist sehr spannend, kann aber auch einschüchtern. Vor allem, wenn es darum geht, Neues zu entdecken, eine neue Traubensorte oder eine unbekannte Anbauregion. Am sichersten kann der Weinhorizont erweitert werden, indem zu beliebten Weinen eine weniger bekannte Alternative gekauft wird, die ähnlich schmeckt. Wenn Sie gerne Sangiovese und Nebbiolo trinken, dann mögen Sie wahrscheinlich die Traubensorte Aglianico.

Aglianico wird auch der «Nebbiolo des Südens» genannt. Weil sie wie Nebbiolo und Sangiovese eine hohe Säure und viel kerniges Tannin aufweist. Trinken Sie gerne Ripasso und Primitivo, dann mögen Sie wahrscheinlich Weine aus dem Süden Frankreichs und Spaniens. Auch in diesen Weinen finden Sie reife Fruchtaromen und süssliche Fruchtkonzentration. Eine gute Gelegenheit, Neues zu entdecken, sind auch die Coop-Weinfestivals und -messen.

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John Wittwer

Redaktor

Foto:
Charly Rappo / arkive.ch
Veröffentlicht:
Montag 05.05.2014, 00:00 Uhr

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