Lust am Lustigen: Yonni Meyer in ihrer Schreibstube, mitten im Zürcher «Kreis Chaib».

Yonni Meyer: «Ich schreibe über das, was mir wichtig ist.»

Als Bloggerin «Pony M.» erreicht sie mit ihren Kolumnen eine grosse Internet-Fangemeinde. Nun ist sie als Stand-up-Comedienne unterwegs.

Es fing mit Facebook an. Dort schrieb sie, erst unter eigenem Namen, dann als «Pony M.», meist lustige Episoden aus ihrem Leben. Der Blog wurde so erfolgreich, dass Yonni Meyer (34) heute vom Schreiben lebt. Offenbar schreibt sie den Menschen aus der Seele. Kein Wunder – dort kennt sie sich aus.

Sie haben einen ungewöhnlichen Vornamen – woher kommt der?
Aus Südamerika. Mein Vater war Ende der 1970er-Jahre zur Zeit der Militärdiktatur für das Internationale Rote Kreuz in Argentinien und arbeitete als Arzt in Gefängnissen. Dabei begegnete er einer engagierten Krankenschwester aus Uruguay, die Yonni hiess. Und wegen ihr ga-ben meine Eltern mir diesen Namen.

Sie machen Stand-up-Comedy, aber das Lachen spielte schon im Studium eine Rolle. Woher kommt dieses Interesse?
Im Rahmen des Psychologiestudiums in Fribourg habe ich mich wissenschaftlich mit Humor beschäftigt. Im Unterschied zu den Krankheiten ist die Beschäftigung mit positiven Emotionen – und dazu gehört der Humor – relativ neu. Daher kann man dort noch mehr Grundlagenforschung betreiben.

In Ihrer Masterarbeit ging es dann um die Schadenfreude. Lachen Sie auch, wenn jemand stolpert und stürzt?
Nein, ich bin selber eher kein schadenfroher Typ. Eher gehe ich hin und frage, ob alles in Ordnung ist. Solche Situationen können peinlich sein – da bin ich mitfühlend und lache nicht darüber.

Fördert die Anonymität des Internets die Schadenfreude? Und wie gehen Sie in Ihrem Blog damit um?
Wenn ich mich in meinen Texten über etwas lustig mache, dann meistens über die Gruppen, bei denen ich selber dazugehöre. Oder ich versuche es wenigstens liebevoll zu tun. Natürlich bekomme ich manchmal auch hässige Kommentare zurück. Aber ich denke, solange man niemanden fertigmacht, ist Kritik etwas sehr Wichtiges.

Ein Lieblingsbuch – Dürrenmatts Blick in die Abgründe der Seele.

Ein Lieblingsbuch – Dürrenmatts Blick in die Abgründe der Seele.
Ein Lieblingsbuch – Dürrenmatts Blick in die Abgründe der Seele.

Wie wurden Sie von der Humorforscherin zur Bloggerin «Pony M.»?
Ich war immer schon kreativ, und der Pausenclown, das Lustige – das bin schon ich. Geplant war dieser Weg aber nicht. Nach dem Studium arbeitete ich bei einer total lässigen Firma im Personalmanagement, als ich mit dem Bloggen begann. Innert Kürze kamen derart viele Anfragen, dass ich den Eindruck hatte, das sei kein Himmelfahrtskommando. Also kündigte ich zweieinhalb Monate später meinen Job, um mich ganz aufs Schreiben zu konzentrieren.

Können Sie Ihr Publikum damit verändern, gar zu besseren Menschen machen?
Ha, das sind grosse Worte! Nein, ich würde auch nie behaupten, dass ich ein besserer Mensch bin, niemals! Aber ich schreibe über die Dinge, die mir wichtig sind. Und ich denke, genau das ist auch der Grund dafür, dass «Pony M.» so gut funktioniert. Ich manipuliere dort niemanden. Ich schreibe alles freiwillig, die Leute lesen es gratis, und mit Ausnahme der Texte für «watson» bekomme ich dafür auch kein Entgelt. Wenn die Rückmeldung kommt, dass ich jemanden zum Nachdenken angeregt habe, finde ich das schön, aber es ist nicht mein Ziel.

Kindheitserinnerung – mit dem Vater gemeinsam gebastelt.

Kindheitserinnerung – mit dem Vater gemeinsam gebastelt.
Kindheitserinnerung – mit dem Vater gemeinsam gebastelt.

Wenn Sie überwiegend gratis schreiben – wovon leben Sie dann?
Neben der «watson»-Kolumne gibt es da ja noch meine Bücher – eine Art Rückerstattung für die Gratis-Kolumnen. Dazu kommen Lesungen und Aufträge aus der Privatwirtschaft. Mittlerweile kann ich ganz gut vom Schreiben leben.

Wie passt das zusammen: Blog und Buch? Sie sind doch wohl ein «digital native»?
Nicht so ganz. Bei mir kam das mit dem Internet erst fliessend, und das erste eigene Handy hatte ich erst mit 19. Meine Eltern sind beide sehr belesen, und die Liebe zu Büchern haben sie auch weitergegeben. Ich habe als Kind sehr viel gelesen …

… und weniger «Super Mario» gespielt?
Ja, definitiv! Wir hatten auch ganz lange nur so etwa drei TV-Programme, und mein Bruder und ich durften nur sehr eingeschränkt fernsehen. Da wir auf dem Land aufgewachsen sind, waren wir viel draussen.

Ihr erstes Buch – schon ausverkauft – heisst «Vill Liebi», das neue «Meh Liebi». Kommt als Nächstes «Ewigi Liebi»?
Dann würde ich verklagt! Im November wird es wieder ein Buch geben, aber das hat dann den Titel «1982». Liebe – da sagt man schnell einmal, der Begriff sei abgedroschen. Dabei ist das eigentlich die Grundlage von allem. Ich merke oft, wie die Leute alles verkomplizieren: «Ah weisch, es isch so anstrengend, bla bla». Ich sage dann dazu: «Hebed enand doch eifach chli gern.» So!

1986 Sie bekommt einen Walkman und ein Emil-Kassettli. Bis heute ist er ein Idol für sie geblieben.
2013 Am 27. Juli kommt «Pony M.» auf die digitale Welt. Yonni kündigt ihren Job und lebt vom Schreiben.
2014 Am 18. November hält sie die gedruckte Ausgabe ihrer Kolumnen «Vill Liebi» zum ersten Mal in Händen.

Zum Blog von Pony M.

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Martin Winkel

Redaktor

Foto:
Markus Lamprecht
Veröffentlicht:
Montag 06.06.2016, 16:00 Uhr

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