Nur gesunde Hunde haben Lust aufs Spielen. Mano war diese Lust vergangen.

Zahn um Zahn 

Der Malteser Mano frisst nicht mehr richtig und hat keinen Spass mehr am Spielen: In seinem Mund hat er zu viele Zähne. Doch das ist nicht das Einzige, was Chantal Ritter richten soll.

Der Junghund Mano war gar nicht erfreut, auf meinem Tisch zu stehen. Sein Besitzer versuchte ihm das Maul zu öffnen. Da es nicht gelang, übernahm ich den kleinen Malteser. Ich klemmte ihn mit dem Ellenbogen ein und zog ihn sanft am Bärtchen. Es wurden viele Zähne sichtbar. Zu viele. Dann musste auch ich loslassen, da Mano zubeissen wollte. Beim Zahnwechsel hatte er seine Milchzähne nicht verloren und die richtigen Zähne waren am falschen Ort herausgekommen. Dies bewirkte, dass Mano Mühe kriegte mit Fressen. «Er nimmt immer einen Futterkringel aus dem Napf und zerkaut ihn umständlich in seinem Körbchen. Auch die Seilziehspiele will Mano nicht mehr», berichtete sein Besitzer.

Wir einigten uns, dass Manos überzählige Zähne gezogen werden mussten. Danach sollte der Besitzer immer wieder seine Zähne beobachten und, falls die Fehlstellung blieb, zum Hunde-Zahnarzt gehen. «Könnten Sie bei dieser Gelegenheit Mano gleich kastrieren? Er hat sich sehr ungünstig entwickelt. Und gleich die Knoten in seinem Fell etwas ausbürsten? Auch die Ohren lässt er uns nicht kontrollieren.» Mit Maulkorb und Zwang konnte ich Mano endlich einen Katheter stecken. Mit dem Narkosemittel schlief der Kleine ein und ich konnte ans Werk. Zwölf gezogene Zähne später kamen das Kastrieren und das Auskämmen. Er hatte so viele Knoten, dass er nebst dem Schären von der Operation eine Hochwasserfrisur hatte. Selbst im Halbschlaf versuchte Mano noch zuzubeissen. 

«Es ist gar nicht möglich, dass ich in Manos Maul schaue», meinte ein überforderter Besitzer. «Er lässt mich ja nicht einmal bürsten!» Ich empfahl ihm eine Hundeschule und entliess den knurrenden Mano mit seinem Besitzer. Beim Fädenziehen zeigte mir dieser stolz, dass er bereits Manos Maul aufmachen könne. «Auch darf ich ihn nun überall berühren. Ich habe nicht geglaubt, dass mein Kleiner einmal folgsam würde!»

Die Hundeschule hatte gewirkt! Mano wirkte erzogener als das letzte Mal. Brav setzte er sich hin. Ich wollte seine Schnauze berühren, als ein Schnappen mich daran erinnerte, dass Mano zwar seinem Besitzer gegenüber folgsamer geworden war, doch mir gegenüber immer noch dieselben Gefühle hegte.

 (Coopzeitung Nr. 18/2014)

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Alamy
Veröffentlicht:
Montag 28.04.2014, 17:10 Uhr

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