Zecken und Zicken

Er: Die Morgenrunde mit dem Hund drehe meistens ich. Bei Sonnenaufgang dem Rhein entlangspazieren ist eine Wonne! Diese Ruhe, diese Freiheit, diese Weite. Ich schätze das, unser Hund auch: Lilla rast durchs Gras ans Ufer, jagt Stöcke und Enten oder wälzt sich, was ich mässig toll finde, in Schwanenkacke.

 
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Als ich zurückkomme, ist Schreiber auch schon auf den Beinen und giesst vor dem Haus die Blumen. Meine Liebste mitten im Blütenmeer, was für ein Bild. «Guten Morgen, Du Schöne», sage ich glücklich. Sie blickt mich an: «Da!», kreischt sie.

«

Diese Ruhe, diese Freiheit, diese Weite. Ich schätze das.»

Ich erschrecke: «Was, da?» «Da krabbelt eine! «Was?» «Na, eine Zecke! Siehst du die nicht?» Ich schaue an mir herunter: «Nein.» «Nicht bei dir, am Hund!» Sie geht in die Knie und fieselt einen dunkelbraunen Punkt aus Lillas hellem Fell. Dann stellt sie sich nah vor mich hin und präsentiert mir auf ihrer Fingerspitze etwas, das ich ohne Lesebrille nur schlecht erkennen kann. «Da. Winzig, aber ein Monster», sagt sie. Ja, jetzt sehe ich es. Um ihr zu zeigen, was ich von dieser Bestie halte, klaube ich sie mit Daumen und Zeigefinger von ihrer Fingerkuppe, lächle, dann schnippe ich das Kleinteil weg. Sie lächelt nicht, sondern brüllt: «Spinnst du?»

Sie: Schneider kontaminiert unseren Garten! Ich hechte der Zecke hinterher und robbe im Kies, während er bloss sagt: «Also, so schlimm ist das jetzt nicht.» «Wie bitte? Du trägst den Feind nach Hause und setzt ihn in unserem Garten aus! Tickst du noch richtig?» «Ich habe die Zecke nicht gesetzt, sondern geschnippt.» «Such mit, Mann!» Ich denke an den Förster, der unserer Tochter am Waldtag gesagt hat, das gefährlichste Tier der Schweiz sei die Zecke. Aber Schneider findet das ja alles übertrieben. Ich blicke zu ihm, er tut so, als würde er die Zecke suchen. Dabei sieht er ohne Brille gar nichts. Da fallen mir seine kurzen Hosen auf. Wie verantwortungslos ist das denn? Seine Waden sind auf meiner Augenhöhe. Tatsächlich kriecht grad ein Brösel durchs haarige Wadenland.

«

Tickt er eigentlich noch richtig?»

«Mannomann, noch eine!» Ich schnappe sie, Schneider sagt: «Stimmt, hat mich gekitzelt.» Dann murmelt er: «Zecken und Zicken im Garten, da zieh’ ich lieber Leine.» «Drinnen ziehst du dich aus», rufe ich. Schneider lächelt: «Gute Idee! So wird aus der Plage ein Plausch.» Ich lächle auch, denn da freut sich der Herr der Zecken zu früh. Ich werde auf ihm nach weiteren Parasiten suchen, nicht nach dem siebten Himmel.

 (Coopzeitung Nr. 30/2015) 

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 20.07.2015, 17:01 Uhr

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