Atelier Oculus: Das Zeichnerteam

Neugierige Menschen ab neun Jahren finden in der Coopzeitung jede Woche eine neue Folge von «Hesch gwüsst?». In einfachen Worten und aussagekräftigen Bildern erklärt sie die Welt. Sibylle Heusser und Marcus Moser vom Atelier Oculus zeigen, wie die Illustrationen entsehen.

Giftgrün – ganz schön eklig – wird der Schleim unter Sibylle Heussers Pinselstrich. Zufrieden blickt die Illustratorin auf die Zeichnung, die sie mit Aquarellfarben koloriert. Das Bild ist ein Teil der Antwort auf die Frage: «Was genau ist Schnupfen?» Diese Frage wurde in der Kalenderwoche 49 aus dem Jahr 2009 erklärt. Sibylle Heusser und ihr Kollege Marcus Moser zeichnen und malen die Bilder zu der Rubrik „Hesch gwüsst“ in der Coopzeitung in ihrem Atelier Oculus im Herzen der Stadt Zürich. Während Sibylle bereits am Kolorieren ist, zeichnet Marcus mit Tuschestift die Umrisse eines Virus, das den Schnupfen auslöst.

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Die Fragen, die «Hesch gwüsst?» beantwortet, werden von Leserinnen und Lesern eingesandt. Sobald der Text von der Coopzeitung-Redaktion geliefert wurde, beginnen Sibylle und Marcus mit der Recherche. Sie suchen in Büchern und im Internet nach Informationen und Bildmaterial, arbeiten sich in das Thema ein und überlegen sich, wie sie die Seite gestalten könnten. Eine spannende Bildidee ist fast das Wichtigste an einer Illustration. Jetzt beginnen sie mit dem Skizzieren der einzelnen Bilder. Die Bleistiftskizzen werden überarbeitet und am Leuchtpult reingezeichnet. «Wir verwenden dafür einen schwarzen Tuschestift und abstrahieren das Ganze noch mal. Schatten stellen wir zum Beispiel mit einer Schraffur dar», erklärt Marcus. Die Tuschezeichnungen werden mit Aquarellfarbe koloriert und anschliessend eingescannt. Den letzten Schliff bekommt die Illustration am Computer, bevor sie dann an die Coopzeitung-Redaktion gesandt wird.

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Die Rubrik «Hesch gwüsst?» nimmt alltägliche Geräte und Phänomene unter die Lupe und erklärt, wie sie funktionieren. Solche Illustrationen sind nichts Neues für Sibylle Heusser und Marcus Moser. Die beiden haben Wissenschaftliche Illustration an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich studiert. Seit 1996 arbeiten sie in ihrem Atelier Oculus für Zeitungen, Zeitschriften und Bücher. Für Greenpeace etwa haben sie ein Handbuch illustriert, das 2013 erschienen ist. Durch die Illustrationen werden ökologische Zusammenhänge veranschaulicht. Auch für Museen sind sie häufig tätig. «Für das Kindermuseum in Baden haben wir Schautafeln gestaltet, auf denen die 5 Sinne des Menschen erklärt werden, in einer Ausstellung im Industrieensemble Neuthal im Zürcher Oberland, zeigen unsere Illustrationen, wie im 19. Jahrhundert im Verlauf von knapp 100 Jahren aus einer kleinen Mühle eine grosse Industrieanlage mit Fabrik und Wasserkraftsystem wurde», erzählt Sibylle Heusser.

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Mit einer Illustration kann man längst vergangene Zeiten wieder aufleben lassen. So hat das Atelier Oculus zum Beispiel das römische Dorf Vitudurum bildhaft dargestellt, anhand der Fundamente, die da ausgegraben wurden, wo heute Oberwinterthur liegt. «Das ist mitunter der Sinn einer Illustration. Fotografieren kann man das ja nicht mehr», erklärt Sibylle. Auch Szenarien, die der Fantasie entspringen, hat das Atelier Oculus schon realisiert, etwa in einer Illustration mit dem Titel «Was wäre, wenn die Neandertaler überlebt hätten?» Eine wissenschaftliche Illustration hat gegenüber einer Fotografie noch andere Vorteile: Man kann Unwichtiges vereinfachen oder gar weglassen und Wichtiges hervorheben. Das ist etwa für Lehrmittel wesentlich. «Auch bei medizinischen Themen – etwa wenn man ins Innere des Menschen sehen soll – sind Fotos oft ungeeignet. Vor lauter Blut sieht man auf den Fotos kaum etwas, eine Zeichnung hingegen kann einen ganzen Operationsablauf verständlich erklären», sagt Sibylle Heusser.

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Dennoch wirken manche Illustrationen des Ateliers Oculus auf den ersten Blick so, als wären sie eine Fotografie – so naturalistisch sind sie. Die Bilder für «Hesch gwüsst?» sind bewusst etwas abstrahiert. Manches ist durchaus realistisch dargestellt, wo es Sinn macht, wird aber vereinfacht. Wichtig sind auch die kleinen, witzigen Details. Beim aktuellen Thema verwandeln sich zum Beispiel Taschentücher in kleine Gespenster. «Wenn ich lange genug gehirnt habe, komme ich manchmal auf solche Ideen, sozusagen zur Mitternachtsstunde», schmunzelt Marcus Moser. Und wer ganz genau hinschaut, entdeckt auf jeder «Hesch gwüsst?»-Seite zwei kleine Figuren: ein dünner und ein dicker Professor. Marcus und Sibylle haben ihnen noch keine Namen gegeben: «Wer weiss, vielleicht haben die Leserinnen und Leser ja eine Idee?»

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