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Jennifer (l.) trifft sich mit Silvia und Nic im «Drago Rosso» zum Spielen, etwa das Kartenspiel Dixit.

Spielen in guter Gesellschaft.

Zu Tisch! Es wird gespielt

Gesellschaftsspiele Auch in Zeiten der digitalen Spiele gehen die klassischen Gesellschaftsspiele nicht verloren, wie ein Besuch in Spieltreffs zeigt. Doch warum spielen wir überhaupt?

Die digitalen Spiele sind der klassischen Gesellschaftsspiele Tod. Wer dies behauptet, irrt. Und zwar gewaltig. Klar, die digitalen Spiele sind überall präsent und die Umsatzzahlen der klassischen Gesellschaftsspiele sinken leicht, sie sind aber nach wie vor beliebt. Und zwar bei Menschen aller Altersklassen. So auch bei der 13-jährigen Jennifer aus Locarno. Fürs Leben gern trifft sie sich mit Freunden und zum gemeinsamen Spielen. Etwa im «Drago Rosso», einem Spielklub mit Sitz in Locarno. «Es macht Spass, gegen andere zu spielen. Dabei lernt man auch, Zusammenhänge herzustellen und zu reflektieren», findet der Teenager. Spielclubs und -treffs wie den «Drago Rosso» gibt es in der ganzen Schweiz. Hier treffen sich Gleichgesinnte regelmässig. «Ich komme ausserhalb des Spieltreffs nur wenig zum Spielen», sagt etwa der 66-jährige Urs Eckert. Seit fast 25 Jahren kommt der pensionierte Informatiker in den Spieltreff Basel. Jeden Mittwoch treffen sich etwa zehn Leute in den Räumlichkeiten des Restaurants Flügelrad, um gemeinsam zu spielen. Gespielt wird das, wozu man gerade Lust hat. Beliebt sind beispielsweise Dog, Tichu, Dominion, die Siedler von Catan und Cluedo. Auch Neuerscheinungen probieren die Spieler immer wieder aus.

Ausgleich zum Alltag
«Für mich ist das Erholung», sagt Marianne Jäggli (57). Die Krankenschwester fährt jeweils per Velo zusammen mit ihrem Partner Urs Zimmermann (53) von Oberwil BL ins Flügelrad. Dort haben sich die beiden im Rahmen eines Spielabends auch kennengelernt und wurden ein Paar. Seither spielen sie nicht nur am Mittwoch, sondern auch an den Wochenenden zu Hause – zu zweit oder mit Freunden. Auch für Nawal Marx ist das Spielen im Treff eine willkommene Abwechslung zu ihrem Berufsalltag. Dort kommt die Kleinkinder-Erzieherin zwar auch regelmässig zum Spielen, jedoch auf eine andere Art und Weise als im Spieltreff. «Hier kann ich richtig spielen, das geniesse ich.» Richtig, das heisst, komplexere Spiele. Ob es dabei mehr um Glück geht oder ob Strategie gefragt ist, sei nicht entscheidend. «Viel wichtiger ist die Geselligkeit», so die 30-Jährige. «Der Mensch hat das Bedürfnis nach gesellschaftlichem Leben», sagt Ulrich Schädler, Direktor des Schweizer Spielmuseums in La Tour-de-Peilz VD. Spiele seien ideal, um mit anderen Leuten zusammenzukommen. Gerade in der heutigen Gesellschaft seien Beziehungen oft sehr individualistisch. «Man kommuniziert nicht direkt, sondern via ein Medium wie Internet oder Telefon.» Beim Spielen von Gesellschaftsspielen ist der Kontakt der Teilnehmer untereinander hingegen unmittelbar. «Und man erlebt die Emotionen der andern mit», sagt Urs Zimmermann. Er spielt zwar auch hin und wieder digital am Computer, das werde aber schnell langweilig, «weil man nicht schwatzen kann», findet der IT-Spezialist. Spielfachmann Schädler bestätigt diese Beobachtung: «Sich um einen Tisch herum zu versammeln, hat eine Qualität, die kein Videospiel bieten kann.»

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Es wurde noch nie so viel gespielt wie heute. »

Ulrich Schädler, Direktor des Schweizer Spielmuseums

Dialektkurse sind gefragt

Mozart komponierte spielend
Heute spielt der Mensch – nicht zuletzt dank der allgegenwärtigen digitalen Spiele – so viel wie noch nie. Durch die Spiele auf dem Handy verbringen viele jede freie Minute mit Spielen und verkürzen sich damit etwa die Wartezeit auf den Bus oder den Zug. Und: «Schauen Sie nur mal, wie viele Spielsendungen es im Fernsehen gibt», gibt Ulrich Schädler zu bedenken. Statt digitale Spiele zu verteufeln, sieht der Experte einen Vorteil in der Allgegenwärtigkeit von Spielen: «Die Lust am Spielen entdeckt man zuerst durch die Spiele, die man im Alltag zur Hand hat», weiss er. Man sei danach auch für andere Spiele viel offener. Diese «Spielwut» ist, laut dem Fachmann, vergleichbar mit jener im 18. Jahrhundert. «Spiele waren nebst dem Theater das bevorzugte Freizeitvergnügen der Erwachsenen.» Mozart soll sogar Teile von «Don Giovanni» beim Kegeln komponiert haben.

«Eile mit Weile» ist ein Klassiker: ein Exemplar mit Pferdefiguren aus Frankreich von ca. 1940.

«Eile mit Weile» ist ein Klassiker: ein Exemplar mit Pferdefiguren aus Frankreich von ca. 1940.
http://www.coopzeitung.ch/Zu+Tisch_+Es+wird+gespielt «Eile mit Weile» ist ein Klassiker: ein Exemplar mit Pferdefiguren aus Frankreich von ca. 1940.
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Es macht Spass gegen andere zu spielen»

Jennifer (13)

Spielen liegt in unserer Natur
Die Geschichte des Spielens geht aber noch viel weiter zurück. Schon in der Antike spielten die Leute gerne Gesellschaftsspiele. «Die ältesten von Archäologen in Ägypten entdeckten Brettspiele stammen aus dem 4. Jahrtausend vor Christus», weiss Spielforscher Schädler. Das sei eine Art «Eile mit Weile» gewesen, das mit einem Würfel gespielt wurde und bei dem derjenige gewann, der zuerst das Ziel erreichte. Gut möglich, dass schon früher gespielt wurde. «Es lässt sich jedoch nicht zurückverfolgen, in welchen Zeiten die Menschen verderbliche Materialien zum Spielen benutzten, beispielsweise in Sand gemalte Zeichnungen als Spielbrett und Kiesel als Spielsteine.» Dass die Menschen aller Epochen überhaupt ein solch grosses Interesse am Spielen hatten, führt Schädler auf ihre Natur zurück: «Der Mensch liebt es, das Unbekannte zu erforschen und seine Grenzen auszuloten.» Er löse zudem gerne Probleme. Dies geschehe beim Spielen in einem amüsanten und ungefährlichen Umfeld. Diese Theorie bestätigen die regelmässigen Besucher des Basler Spieltreffs: Praktisch alle spielen lieber Strategie- als Glücksspiele. Man darf annehmen, dass der Mensch auch in Zukunft nicht aufhören wird zu spielen. «An den Internationalen Spieltagen in Essen Mitte Oktober wurden rund 500 Neuheiten vorgestellt», sagt Ulrich Schädler. Jennifer und den Leuten des Spieltreffs Basel werden die Spielmöglichkeiten also bestimmt nicht ausgehen.

Zum «Spiel des Jahres» 2014 wurde das Spiel Camel Up erkoren.

Zum «Spiel des Jahres» 2014 wurde das Spiel Camel Up erkoren.
http://www.coopzeitung.ch/Zu+Tisch_+Es+wird+gespielt Zum «Spiel des Jahres» 2014 wurde das Spiel Camel Up erkoren.

Frage der Woche

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Schummeln Sie beim Spielen?»

Gewinnen macht mehr Spass als Verlieren. Wie sehr darf man Ihrer Meinung nach seinem Glück auf die Sprünge helfen?

Hier gehts zu weiteren Wochenfragen

Am Freitag, 14. November 2014, ist in der ganzen Schweiz wieder «Erzählnacht». Dieser Event wurde 1991 dank der Initiative des Schweizerischen Instituts für Kinder- und Jugendmedien ins Leben gerufen.

Das Konzept ist einfach: erzählen, laut vorlesen – in der ganzen Schweiz, in der gleichen Nacht. Das diesjährige Motto lautet: Ich spiele, du spielst – spiel mit!; Je joue, tu joues – jouons!; Gioco, gioca, giochiamo …; Eu giog, ti giogas – giugain! Die Veranstaltungen finden an verschiedenen Orten statt – darunter Schulen, Bibliotheken, Buchhandlungen und Vereinslokale.

Coopzeitung: Wird heute weniger gespielt als vor einigen Jahren?
Synes Ernst: Im Gegenteil. Es ist nur so, dass nicht mehr alle, die spielen wollen, um einen Tisch sitzen müssen.

Welche Spiele werden gerne gespielt?
Immer gerne gespielt werden die klassischen Spiele, die in der Regel innerhalb der Familie von Generation zu Generation weitergegeben werden. Mit diesen Spielen lernt man auch die Grundmuster, die in neueren Spielen immer wieder auftauchen. Beliebt sind Spiele, die einen nachvollziehbaren, logischen und leicht verständlichen Ablauf haben.

Es soll also simpel sein?
Man kann nicht sagen, dass einfache Spiele generell lieber gespielt werden. Das kommt immer auch auf den Spielertyp an: Es gibt Menschen, die sich mit einem schnellen und einfachen Spiel unterhalten, während andere sich dabei eher langweilen. Für diese sind komplexe Spiele mit anspruchsvollen Regeln das Richtige. Wichtig ist ein gutes Spielerlebnis. Gesucht werden vermehrt auch Spiele, die sich für einen grösseren Kreis eignen.

Was bedeutet das für das Angebot an Spielen?
Das Angebot an Gesellschafts-, Brett- und Kartenspielen ist seit Mitte der 1990er-Jahre vielfältiger geworden. Es gibt auch immer mehr Titel, die von ihrer Komplexität her eher für ein Publikum gedacht sind, das beim Spielen eine grössere Herausforderung sucht, als ihm ein durchschnittliches Familienspiel bieten kann. Auch das Angebot bei den Kinderspielen ist viel besser geworden, sowohl in Bezug auf die Qualität als auch auf die Quantität.

Was ist ein gutes Spiel?
Ein gutes Spiel spricht mich von der Aufmachung über das Cover bis hin zur Gestaltung des Spielplans und des Materials an. Es weckt durch seine äussere Erscheinung meine Neugier. Schon die erste Lektüre der Regeln vermittelt mir einen groben Überblick über den Spielverlauf. Und bereits beim ersten Mal spielen spüre ich, wie das Spiel mich hineinzieht. Ich habe ein Spielerlebnis mit Spannung und Überraschungen. Ich persönlich mag Spiele mit einer guten Mischung aus Glück und Taktik. Ein gutes Spiel fordert mich als Person auf verschiedenen Ebenen heraus. Und nicht zuletzt: Ein gutes Spiel macht mir Freude, es vermittelt mir Spass und bietet hervorragende Unterhaltung.

«

Wichtig  für ein gutes Spielerlebnis sind Spannung und Unterhaltung.»

Synes Ernst

Wann wird ein Spiel zum «Spiel des Jahres» gekürt?

Das «Spiel des Jahres» ist nicht, wie viele meinen, das beste Spiel eines Jahrgangs. Es ist vielmehr das Spiel, von dem die Jury überzeugt ist, dass es der beste Botschafter zur Erfüllung des Vereinszwecks von «Spiel des Jahres» ist. Demnach muss der ausgezeichnete Titel möglichst vielen Menschen zeigen, wie schön Spielen an sich ist. Für das «Kinderspiel des Jahres» und das «Kennerspiel des Jahres» gelten je noch ein paar zielgruppenspezifische Kriterien. Für alle drei Kategorien wird eine gewisse Innovation bei der Spielidee und beim Spielmechanismus vorausgesetzt.

qwixx deluxe
  • Einer würfelt, alle können das Ergebnis nutzen. Das ist genauso simpel wie spannend. 
  • Ab 8 Jahren
  • Fr. 19.95
my monopoly** 
  • Seit 80 Jahren ist «Monopoly» erhältlich. Bei «My Monopoly» können Spielbrett, Figuren und Ereignis-karten mit eigenen Bildern und Texten gestaltet werden. 
  • Ab 8 Jahren
  • Fr. 54.95. 
triominos turbo
  • Das Spiel ist ein Wettlauf gegen die Zeit: Es muss schnell gespielt werden und der Timer darf nie ablaufen. 
  • Ab 6 Jahren. 
  • Fr. 24.95.
crazy cups
  • Geschwindigkeit und ein gutes Auge sind gefragt. Der schnellste Stapler gewinnt.
  • Ab 6 Jahren 
  • Fr. 29.95
Junior Labyrinth
  • Den Klassiker gibt es auch in der Version mit den Charakteren des Disney-Films «Planes 2». 
  • Ab 4 Jahren
  • Fr. 29.95
Cranium*
  • In diesem Denk- und Ratespiel müssen die Teams ihr Können in vier unterschiedlichen Kategorien beweisen. 
  • Ab 16 Jahren
  • Fr. 29.95

Alle Spiele sind in Coop-Citx-Warenhäusern und in grösseren Supermärkten erhältlich.
* in Coop-City Warenhäusern erhältlich.
** Fr. 44.95 bis 22. November oder solange Vorrat.

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Nicole Hättenschwiler
Foto:
Sandro Mahler, Heiner H.Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 13.10.2014, 21:50 Uhr

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