Philipp Wyss (51) geht auch mal im Kuhstall vorbei, um zu sehen, woher die feine Naturaplan-Bio-Milch kommt.

«Am Schluss steht der Genuss im Vordergrund»

Philipp Wyss ist Leiter Marketing/Beschaffung und stellvertretender Leiter der Coop-Geschäftsleitung. Er erklärt, warum Coop seit 25 Jahren auf Bio setzt.

Kaufen Sie Bio-Produkte?
Ich bin ein totaler Bio-Fan. Das fängt schon bei den T-Shirts aus Bio-Baumwolle von Naturaline an. Auch bei Obst und Gemüse, wo man immer wieder von Pestizidrückständen hört, ist mir Bio-Qualität extrem wichtig. Bei den Milchprodukten wähle ich solche aus dem Berggebiet oder/und Bio-Produkte. Ebenso bei der Charcuterie. 100 Prozent Bio ist aber schwierig und das ist auch nicht das Ziel.

Coop arbeitet eng mit Bio Suisse zusammen. Weshalb?
Für mich gibt es nur ein Bio und das ist die Knospe-Qualität oder Demeter. Wir setzen seit Anfang auf die Knospe. Auch im Ausland müssen diese Richtlinien eingehalten werden. Die Knospe geht viel weiter als EU-Bio. Und wir sind stolz, dass unsere Produkte sie tragen dürfen. Das gibt Sicherheit, dass wir besser und konsequenter sind als das billige EU-Bio.

Gibt es genügend Bio-Bauern, die nach diesen Richtlinien produzieren?
Alleine im letzten Jahr hat die die Anzahl Bio-Bauern in der Schweiz um 400 zugenommen. Wir brauchen aber noch viel mehr Bio-Bauern. Das Bünderland ist für mich ein Vorbild: Hier produzieren 50 Prozent biologisch. Einzelne Täler wie das Rheinwald sind komplett Bio. Das Val Poschiavo zu fast 100 Prozent. Das zeigt, dass es möglich ist, auf einem hohen Level Bio in der Schweiz anzubauen. Viele weitere Regionen haben noch Potenzial.

Der ehemalige Migros-Chef Herbert Bolliger hat Bio jüngst als «nicht ressourceneffizient» bezeichnet. Ist Coop naiv?
Ich kann diese Aussagen von Herrn Bolliger nicht teilen. Es ist erwiesen, dass ein biologisch bewirtschafteter Boden langfristig bessere Erträge abwirft als ein konventionell bewirtschafteter, der irgendwann überdüngt ist und aufgrund fehlender Fruchtfolge immer weniger gibt. Ausserdem sind zwei Drittel der Welt kleinbäuerlich organisiert. Und die produzieren mehr oder weniger natürlich, wie wir das vor hundert Jahren auch getan haben.

Coop ist nicht naiv. Wir sind überzeugt, dass man mit biologischem Landbau die Welt zwar nicht retten, aber mindestens erhalten kann.

Bio-Produkte sind meist teurer als konventionell produzierte. Kann man Bio nicht günstiger machen?
Wir haben mit Naturaplan und den Bio-Bauern gezeigt, dass man die Preise auch im Bio-Bereich langfristig senken kann. Aber wir werden in der Bio-Produktion und im Bio-Handel immer mehr Aufwand haben. Deshalb kann Bio nicht gleich günstig sein wie andere Produkte.

Ich finde, dass wir in der Schweiz eher zu wenig unseres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben (unter 7 Prozent, Anm. d. Red). Daher glaube ich, dass sich ein Grossteil der Schweizer Bio leisten kann, und seien es nur einzelne Produkte.

Was bringt die Zukunft für den Bio-Bereich?
Es gibt immer wieder neue Trends, etwa den ganzen veganen Bereich. Vegan, Vegetarisch, Bio – das passt gut zusammen. Lifestyle ist extrem wichtig. Wir wollen modern sein und auch für unterwegs Produkte in Bio-Qualität anbieten können: Trockenfrüchte, Fertiggerichte oder einen Eistee.

Aber: Es hat keinen Platz mehr für Produkte, die einfach nur Bio sind. Es muss auch gut sein, kulinarisch. Der Genuss steht schlussendlich im Vordergrund.

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Noëmi Kern

Redaktorin

Foto:
Yannick Andrea
Veröffentlicht:
Montag 29.01.2018, 09:00 Uhr

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