«Baustelle Familie»

Als Vater von fünf Kindern weiss er, wovon er spricht: Laurent Wehrli, Präsident von Pro Familia, fordert eine familienfreundlichere Schweiz.

Mal-Wettbewerb: Das sind die Gewinner!

Laurent Wehrli (49) ist Stadtpräsident von Montreux und Mitglied des Grossen Rates des Kantons Waadt (FDP). Er ist verheiratet, Vater von fünf Kindern und engagiert sich als Präsident von Pro Familia stark für Familienanliegen. Pro Familie Schweiz ist der Dachverband der Familienorganisationen. 

Stellen Sie sich vor, Sie wären 20 und möchten eine Familie gründen. In welchem Land würden Sie heute am liebsten leben?
Ich würde die Schweiz wählen, weil wir hier eine sehr hohe Lebensqualität und ein ausgezeichnetes Ausbildungssystem haben, das die Entfaltungsmöglichkeiten der Kinder fördert.

Dann steht es nicht so schlecht um die Familienfreundlichkeit in der Schweiz?
Ich habe von der Lebensqualität gesprochen, die ist nicht zwingend mit der Familienfreundlichkeit identisch. Nach wie vor haben wir einige Baustellen, um den Eltern einerseits Zeit für ihre anspruchsvolle Arbeit zu geben und ihnen gleichzeitig die Erwerbstätigkeit zu ermöglichen. Das Stichwort Vereinbarkeit ist mittlerweile in aller Munde, aber es braucht noch viele Taten, nicht nur Worte.

Welche denn besonders?
Familien stehen vor unterschiedlichen Herausforderungen. Leider haben wir nach wie vor eine grössere Anzahl Kinder, die in Familien mit tiefen Einkommen leben. Familienarmut ist für uns eine Sorge. Die grosse Mehrheit aller Familien ist auf zwei Erwerbseinkommen angewiesen. Diese Eltern wünschen sich, dass ihre Kinder während ihrer Abwesenheit eine qualitativ gute Betreuung haben. Noch fehlen aber vielerorts die erforderlichen Infrastrukturen: Kindertagesstätten, Tagesschulen.

Die Zahl der Scheidungen nimmt stetig zu, jene der Heiraten sinkt. Wohin führt uns diese Entwicklung?
Dass die Menschen immer älter werden, hat Folgen. Die Paare leben viel länger zusammen als früher. Es können dadurch Spannungen entstehen, die zur Trennung oder Scheidung führen. Was mich besonders nachdenklich stimmt, ist die wachsende Zahl von Scheidungen im höheren Alter.

Sollen junge Menschen noch heiraten?
Ich stelle fest, dass ganz viele junge Menschen heiraten. Sie sehen darin eine Verbindlichkeit und eine rechtliche Absicherung. Verbindlichkeit hat einen sehr hohen Stellenwert. Was heute anders ist, ist die Form der Heirat, aber geheiratet wird nach wie vor.

«

Ich wünsche mir, dass es in 20 Jahren keine Familienarmut mehr gibt.»

Welche Massnahme würde den Familien am meisten helfen?
Familienpolitik spielt sich auf kommunaler, kantonaler und auf Bundesebene ab, daher gibt es nicht eine Massnahme, sondern einen bunten Strauss von Massnahmen, die nötig sind. Auf kommunaler Ebene steht die Schaffung von familienergänzenden Strukturen im Vordergrund: Tagesstätten, Mittagsbetreuung und so weiter. Ferner gilt es, vermehrt familienfreundlichen und preisgünstigen Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Auf kantonaler Ebene müssen wir den Fokus auf die Kaufkraftsteigerung und auf die Schulstrukturen legen. Das Thema Tagesschulen sollte vorangetrieben werden. Und auf Bundesebene müssen wir die Rahmenbedingungen festlegen. Der Fokus muss sowohl auf die Steuerpolitik als auch auf die Sozialpolitik gelegt werden.

Geniessen die Familie und ihre Anliegen genug Aufmerksamkeit?
Die Familienpolitik ist in den letzten Jahren vermehrt ein öffentliches Thema. Endlich, bin ich geneigt zu sagen! Dennoch stellen wir fest, dass viele Politiker und Politikerinnen ihre Entscheide im Bereich der Familienpolitik nicht aufgrund von Fakten und Zahlen treffen. Ein Beispiel: Immer wieder wird auf die Kosten der familienergänzenden Kinderbetreuung hingewiesen, sehr selten aber auf die höheren Steuereinnahmen, die durch die Erhöhung der Erwerbstätigkeit der Eltern entstehen. Diese sind höher als die Kosten! Hier fehlt oft die ganzheitliche Betrachtung. Wir alle sollten eigentlich ein Interesse daran haben, dass die Familien ihre Erziehungs- und Betreuungsleistungen erfüllen können. Daher braucht es ein Zusammenspiel von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft, deshalb fordern wir eine kohärente Familienpolitik.

Was wünschen Sie sich – aus Sicht der Familien – für die Schweiz in, sagen wir, 20 Jahren?
Ich wünsche mir eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, mehr Familienzeit sowohl für Eltern junger Kinder als auch für erwachsene Kinder, die sich den pflegebedürftigen Familienangehörigen annehmen. Ich wünsche, dass es in 20 Jahren keine Familienarmut mehr gibt. Und ich wünsche mir, wenn ich noch einen weiteren Wunsch äussern darf, dass Familien keine Ausgrenzungserfahrungen machen müssen, denn immer wieder werden Familien gegeneinander ausgespielt, als Beispiel sei hier nur eines erwähnt: Einverdienerfamilie versus Zweiverdienerfamilien. Beide erfüllen wertvolle Leistungen, ein Auseindanderdividieren bringt niemandem etwas.

Und was glauben Sie, wird in 20 Jahren realistischerweise sein?
Ich hoffe sehr, dass alle drei Wünsche Realität werden.

Das interview wurde schriftlich geführt.

Die schönste Zeichnung gewinnt

Zeichne deine Familie und gewinne mit Glück den Hauptpreis, ein Wochenende im Wert von 10 000 Franken. Ausgewählte Bilder erscheinen auf Produkten im Coop-Sortiment.

Stell dir vor, Tausende von Menschen gehen mit einer Tragtasche nach Hause, und eine Zeichnung von dir ist auf der Tasche zu sehen. Wahnsinn? Vielleicht. Aber ein möglicher Wahnsinn, denn Coop sucht die schönsten Zeichnungen zum Thema «Meine Familie». Diese werden dann auf Tragtaschen und andere Produkte des Coop-Sortiments gedruckt. So werden in der Schweiz schon bald ganz viele Produkte im Umlauf sein, deren Verpackung eine Kinderzeichnung ziert. Vielleicht deine. Alle Kinder, deren Zeichnung als Sujet ausgewählt wird, bekommen einen speziellen Preis. Und das Kind, welches das Siegerbild gemalt hat, darf zusammen mit seiner Familie ein fantastisches Überraschungswochenende im Wert von 10 000 Franken verbringen.

So machst Du mit:

So zeichnet Helena (7) aus Basel ihre Familie.

So zeichnet Helena (7) aus Basel ihre Familie.
http://www.coopzeitung.ch/_Baustelle+Familie_ So zeichnet Helena (7) aus Basel ihre Familie.

Male ein Bild zu «Meine Familie». Das Bild kann dich und deine Familie zeigen oder ein schönes Erlebnis, das ihr als Familie hattet, oder euer Haus oder was auch immer. Deiner Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Wer kann mitmachen?
Kinder zwischen 5 und 14.

Wie macht man mit?
Mit einer Zeichnung zum Thema «Meine Familie» auf einem Malbogen (19 × 19 Zentimeter). Absenderdaten ausfüllen. Malbogen bis zum 2. Februar 2015 einsenden an:

Coopzeitung
Stichwort «Meine Familie»
Postfach
4091 Basel

Wie werden die besten bestimmt?
Eine Fachjury wählt aus allen Zeichnungen jene Sujets aus, die sich am besten für die Tragtaschen und Produktverpackungen eignen. Diese werden in der Zeitung vom 17. Februar vorgestellt. In einem Online-Voting wählen die Leserinnen und Leser der Coopzeitung vom 17. Februar bis 2. März die Sieger-Zeichnung. Unter allen Teilnehmenden des Votings verlosen wir 10 Familienpässe fürs Verkehrshaus Luzern.

Hier gibts das Formular für die Teilnahme am Malwettbewerb als PDF zum downloaden:

Die Teilnahmebedingungen als PDF
Das PDF zur Teilnahme zum downloaden

Frage der Woche

«

Muss die Schweiz familienfreundlicher werden?»

Mehr Kinderbetreuungen und mehr Tagesstrukturen sind gefordert, gleichzeitig weniger Steuern für Familien: Ist das klug oder bloss Zwängerei? Muss in der Schweiz für die Familien mehr getan werden?

Hier gehts zu weiteren Wochenfragen

Kommentare (7)

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Thomas Compagno

Redaktor

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Veröffentlicht:
Montag 05.01.2015, 00:00 Uhr

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