«Buli» statt Bullerbü

Sie:  Wir haben mit dem Schwung der Frühlingssonne unseren Garten herausgeputzt – und neu Licht und Strom vor dem Gartenhäuschen installiert. Damit wir auch spätabends in aller Ruhe draussen sitzen und lesen können. So zumindest habe ich mir das vorgestellt. Doch jetzt ist erst Nachmittag, unser Bullerbü-Garten sieht mit den vielen Gänseblümchen und dem blühenden Flieder richtig romantisch aus.

 
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Die Kinder sind mit Freundinnen unterwegs und Schneider arbeitet in der Werkstatt. Ein Samstagnachmittag, wie ich ihn liebe! Diese Ruhe! Und eine Gelegenheit, um im Liegestuhl zu lesen und Cappuccino zu trinken. Ich könnte jetzt sogar den Kaffee im Gartenhäuschen kochen. Aber das wäre übertrieben.

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Und schon ist es aus mit der Idylle. Fussball!»

Als ich zehn Minuten später mit meiner dampfenden Tasse aus der Küche ins Grüne trete, ist es auf einmal aus mit der Idylle. Eine Stimme kreischt: «Alaba auf Robben und der auf Müller, der dribbelt in den Elfmeterraum, ein Haken, er schiesst, und Tooooooooooor!» Schneider steht vor dem Gartenhaus, streicht Bretter rot an und an der Steckdose hängt ein altes Radio, die Lautstärke voll aufgedreht. Er sieht mich, winkt und schreit: «Bundesliga! Endlich ist mein Gartenglück perfekt!»

Er: Die ganze Woche hocke ich vor dem Computer, alles, was sich bewegt, sind meine Finger. Ich will mich nicht beklagen. Ich ruiniere meine Gesundheit weder mit harter körperlicher Arbeit noch mit dem Einatmen gefährlicher Dämpfe, ich stehe auch nicht bei Wind und Kälte draussen. Aber wir Menschen sind doch nicht dafür gemacht, ständig nur zu sitzen und eine Tastatur zu betätigen, oder? Wir sind doch vielmehr für Bewegung konstruiert. Und genau dafür sind Samstage da. Ich liebe nämlich Samstage, an denen ich entspannt von morgens bis abends rund ums Haus werkeln kann.

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Fussball im Radio ist grossartig.»

Und dies jeweils ab 15.30 Uhr mit ganz besonderer Anregung: denn dann läuft im Radio Bundesliga. Und jetzt, da wir endlich auch im Garten Strom haben, kann ich überall das Radio einstecken, nicht nur in der Werkstatt. Fussball im Radio ist grossartig! Ich streiche Bretter an und bin schlicht glücklich. Ehrlich: Samstagnachmittage mit Buli aus dem Radio sind die Zeit, in der ein Mann Mann sein kann und sich bis zum Schlusspfiff mit bestem Gewissen ein Bierchen verdienen kann. Wäre da nur nicht Schreiber, die Kaffee schlürfend im Liegestuhl rumsitzt und dauernd sehr genervt zu mir herüberschaut.

Das Buch mit den besten Coop-Kolumnen der letzten Jahre, «Spesen einer Ehe», bei www.schreiber-schneider.ch erhältlich.

 (Coopzeitung Nr. 20/2015) 

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 11.05.2015, 08:59 Uhr

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