«Das Angebot für die Kunden ist gross»

Coop setzt auf Nachhaltigkeit und wertet die Entwicklungen jährlich im Fortschrittsbericht aus. Ist das alles nur Marketing? Ein Gespräch mit dem Fachmann Claus-Heinrich Daub.

Was versteht man unter nachhaltiger Unternehmensführung?
Die Grundidee von Nachhaltigkeit ist, dass die nächste Generation auch noch etwas von unserem Planeten haben soll. Man soll mindestens das Niveau an Lebensqualität halten können, das wir heute haben. Ein Unternehmen als ein wichtiger Organisationstyp in der Gesellschaft muss dabei die Verantwortung übernehmen, die ihm zugewiesen wird.

Prof. Dr. Claus-Heinrich Daub (48), Dozent für nachhaltige Unternehmensführung

Prof. Dr. Claus-Heinrich Daub (48), Dozent für nachhaltige Unternehmensführung
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Inwiefern?
Zum einen im Unternehmen selber, zum anderen bei den Produkten und Dienstleistungen, die es anbietet. Dabei soll das Unternehmen möglichst wenig «Flurschaden» anrichten – ökologisch wie sozial. Bei der Produktion zum Beispiel möglichst geringer Energieverbrauch, CO2-Ausstoss und Abfall. Und es soll darauf achten, dass es den Menschen entlang der gesamten Wertschöpfungskette gut geht: Sowohl bei den Zulieferern als auch bei den eigenen Angestellten.

Bringt solches Handeln überhaupt etwas?
Ja. Unternehmen können viel bewirken. Ohne sie liesse sich das, was man spätestens seit 1992 in Rio (an der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung, Anm. d. Red.) unter nachhaltiger Entwicklung versteht, gar nicht umsetzen. So haben zum Beispiel Unternehmen, die viel produzieren, ein erhebliches Einsparungspotenzial an Energie und anderen Ressourcen.
Zudem haben sie Einfluss auf ihre Mitarbeiter: Diese nehmen unter anderem das, was sie im Unternehmen mitbekommen und lernen, in ihr Privatleben mit. Und durch konsequentes Handeln zum Beispiel beim Produktesortiment können Unternehmen ihre Kunden dazu animieren, sich nachhaltiger zu verhalten.

Das Ganze ist aber auch Marketing …
Das stimmt, ist aber nicht per se negativ. Wenn nachhaltige Produkte nicht beworben werden, kaufen die Kunden sie nicht. Wichtig ist jedoch, dass es um wirkliche nachhaltige Mehrwerte geht und nicht um Greenwashing.

Was bringt ein Fortschrittsbericht Nachhhaltigkeit?
Er ist die ehrlichste Form der Berichterstattung in diesem Bereich. Man zeigt damit der Fachöffentlichkeit: Schaut her, das ist authentisch, umfassend und wahr. Er richtet sich an jene, die ihn auch lesen werden, zum Beispiel Umweltschutzorganisationen. Den Konsumenten erreicht man hingegen vielmehr mit guten nachhaltigen Produkten.

Besteht nicht die Gefahr des Beschönigens oder Weglassens?
Im Gegenteil. Leute, die einen solchen Bericht lesen, werden genau hinschauen und ihn kritisch hinterfragen. Wenn jemand Lücken findet, könnte er damit an die Öffentlichkeit gehen. Das wäre der Super-GAU. Darum ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass ein Unternehmen unangenehme Punkte nicht erwähnt.

Coop gilt als nachhaltigste Detailhändlerin der Welt. Was macht sie besser als andere?
Als vor rund 25 Jahren im Detailhandel die Frage im Raum stand, ob und wie sehr man auf Nachhaltigkeit setzen will, hat Coop das sehr konsequent getan – zu einem Zeitpunkt, als noch nicht klar war, ob dies zum Erfolg führen würde. Damit gingen die Verantwortlichen ein Risiko ein, wurden dadurch aber zum «first mover». Diesem nimmt man auch später noch ab, dass er es ernst meint. Das Angebot für den Kunden ist gross und die Werte werden gelebt – auch das erhöht die Glaubwürdigkeit.

Wo gibts noch Nachholbedarf?
Man könnte die Nachhaltigkeit total ins normale Geschäft integrieren und gar nicht mehr separat betonen, weil sie so selbstverständlich ist. Der Nachteil dabei ist, dass von aussen nicht mehr sichtbar ist, wo sie überall gelebt wird. Dies bedingt eine gute Strategie, wie man dem Kunden zeigen kann, dass man nicht einfach behauptet, man sei nachhaltig, sondern dass man das wirklich ehrlich und echt in die Tätigkeiten integriert hat.

Den Fortschrittsbericht finden Sie hier.

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Noëmi Kern

Redaktorin

Foto:
Illustration: Caroline Koella
Veröffentlicht:
Montag 11.06.2018, 10:00 Uhr

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