Ed Sheeran ist zurück, nachdem er eine Pause einlegte: «Ich musste mich erst wieder in die Musik verlieben.»

«Ich will die Welt entdecken»

Ed Sheeran ist im Musikgeschäft der Mann der Stunde. Im Interview spricht er über seine Auszeit und Skifahren mit James Blunt.

Ed Sheeran stürmt seit einigen Wochen mit seinem Hit «Shape of You» die Charts der Schweiz und weltweit. Der 26-jährige Brite hat es ausserdem geschafft, mit dem Song sowie mit «Castle on The Hill» in mehreren Ländern gleichzeitig den ersten und den zweiten Platz der Charts zu belegen, während er weitere Rekorde auf Spotify bricht. Sein drittes Album «÷» findet ebenfalls reissenden Absatz. Es enthält ein halbes Dutzend Balladen und ebenso viele Titel unterschiedlicher Stilarten.

Der hochtalentierte Singer-Songwriter fühlt sich mit Gesang und Akustikgitarre genauso wohl wie mit Rap und verbindet in seiner Musik Genres wie Folk und Funk, Blues und Pop. Zudem schreibt er Hits für Justin Bieber, Taylor Swift und The Weeknd. Sheeran ist ein Arbeitstier und investiert viel Zeit in seine Promotour. «Sie sind heute bereits der neunzehnte Journalist, der mich interviewen möchte.» Er findet das ein bisschen viel, will sich aber nicht beklagen: «Ich denke, dass man in diesem Metier alles geben und alle Chancen wahrnehmen muss, um erfolgreich zu werden.»

Mit diesen Worten empfängt er uns in der Suite eines Londoner Hotels.

Ed Sheeran, Sie haben sich 2016 eine einjährige Auszeit genommen. Warum?
Aus verschiedenen Gründen: Einerseits musste ich dringend mein Privatleben pflegen. Andererseits hatte ich nie Zeit, die Länder, in denen ich normalerweise auf Tournee gehe, richtig kennenzulernen. Es war sehr wichtig für mich, die Welt auf diese Weise zu entdecken und nicht nur Hotelzimmer und Bars zu sehen. Aber vor allem musste ich mich erst wieder in die Musik verlieben, denn sie war ja vom
Hobby zum Beruf geworden.

Sie komponieren nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere. Haben Sie es schon bereut, dass Sie einen Hit nicht für sich selbst behalten haben?
Nein, denn ich bin ja nicht der Einzige, der Hits komponiert. Ich gönne den anderen, wenn sie erfolgreich sind. Stevie Wonder hat etwas sehr Wahres gesagt. Als man ihn fragte, welches sein bester Song sei, antwortete er: «Der, den ich noch nicht geschrieben habe.» Wenn du in deinem Leben diese Maxime verfolgst, wirst du weiterhin Lieder komponieren wollen, und es wird dir nichts ausmachen, wenn sie von anderen Künstlern gesungen werden.

«

Alles, was ich tun kann, ist den Leuten zu sagen: Geht aufeinander zu!»

«Supermarket Flowers» ist die Ballade auf dem neuen Album, welche die meisten Emotionen ausdrückt. Worum geht es in dem Song?
Um meine Grossmutter. Sie war sehr krank, als ich dieses Album aufgenommen habe. Das Spital, in dem sie lag, war bei mir ganz in der Nähe. Ich habe sie oft besucht, als ich das Album produzierte. Als sie starb, war ich im Studio. Ich habe sofort einen Song geschrieben. Das ist meine Art, mit den Unwägbarkeiten des Lebens, den Schicksalsschlägen, aber auch den schönen Ereignissen, umzugehen. Ich greife zu meiner Gitarre, egal, was mir passiert, egal, ob es gut oder schlecht ist.

Kann man sagen, dass «What Do I Know» ein engagierter Song ist?
Ja, denn im Text heisst es: «Ich habe kein Rednerpult, das ich besteigen kann, aber Gott hat mir eine Bühne, eine Gitarre und einen Song gegeben. Mein Vater hat mir beigebracht: ‹Mein Sohn, misch dich nicht in die Politik, die Religion und in die Dinge der anderen ein!›» Ich finde trotzdem, dass es richtig ist, wenn man erklärt, dass es mehr Liebe geben und wir keine Barrieren zwischen uns errichten sollten. Denn nur eine vereinte Welt ist eine stärkere Welt. Man kann so viel Gutes bewirken, wenn man diesen Gedanken verfolgt.

Sind Sie besorgt über die Welt von heute?
Natürlich. Da bin ich ja auch nicht der Einzige, der das findet. Aber: Alles, was ich tun kann, ist, den Leuten zu sagen, dass sie unbedingt aufeinander zugehen sollen. Mehr steht leider nicht in meiner Macht. Ich kann nur Lieder komponieren, damit die Menschen sich besser und vereint fühlen.

Ihr erklärtes Ziel ist es, der grösste Künstler der Welt zu werden. Wollen Sie Adele, den anderen Superstar unserer Zeit, wirklich übertreffen?
Hmmm. Das ist tatsächlich ein zweischneidiges Schwert. Ich glaube nämlich nicht, dass ich in der Lage wäre, mich nach einem Erfolg wie dem ihren nochmals zu beweisen und noch einen draufzusetzen. Adele aber hat gerade das geschafft. Sie hat 30 Millionen Exemplare ihres Albums «21» verkauft und jetzt fast genauso viele von ihrem letzten Album. Ich fände es toll, wenn «÷» oder «Divide» noch besser laufen würde als sein Vorgänger «Multiply». Und wenn sich «Divide» genauso gut verkaufen würde wie das Album von Adele – das wäre natürlich genial.

«Die beste Revanche ist, Erfolg zu haben.»

«Die beste Revanche ist, Erfolg zu haben.»
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Sie haben in einem Interview gesagt: Erfolg ist die beste Revanche, die es gibt. Warum sind Sie denn auf Revanche aus?
Lassen Sie mich erklären, welche Absicht hinter dieser Aussage steckt. Nicht dass es noch Missverständnisse gibt. Ich meine damit: Konzentriere dich nicht auf diejenigen, die fies zu dir sind oder dich schlecht machen. Schau einfach, dass du erfolgreich bist, das ist alles! Dieser Erfolg macht die Arbeit ganz allein für dich. Denn wenn der Rivale Erfolg hat, dann macht das dem anderen ganz schön zu schaffen. Also: Anstatt deine Gegner zu kritisieren, gib dich damit zufrieden, Erfolg zu haben, sei freundlich und sag nichts. Das ist mit Sicherheit die beste Revanche, die es gibt.

Sie waren in der Schule nicht sehr beliebt. Ist das auch ein Grund, warum Sie so ehrgeizig sind und unbedingt Erfolg haben möchten?
Ja, ich denke schon. Solche Erfahrungen sind für viele Menschen der Antrieb dafür, dass sie unbedingt erfolgreich werden wollen. Ich bin sicher, Bill Gates wäre nicht der erfolgreiche Bill Gates von heute geworden, wenn er in der Schule der Mädchenschwarm gewesen wäre. Dieses Bedürfnis, sich zu beweisen, spielt eine grosse Rolle bei vielen grossen Persönlichkeiten, die erfolgreich sind.

Sie sind mit James Blunt befreundet und gehen mit ihm Ski fahren. Erzählen Sie uns mehr von Ihrer Freundschaft mit ihm!
Es war tatsächlich er, der mir das Skifahren beigebracht hat. Cool, oder nicht? Ich finde es eine verrückte Sache, denn ich bin ein grosser Anhänger von ihm. Ich bin mit seinen Liedern und Konzerten aufgewachsen. Ich habe seine T-Shirts gekauft und alle Alben von ihm. Ich habe seine Musik gehört, wenn ich mit meinen Eltern im Auto unterwegs war. Und plötzlich war er bei mir, um mit mir einen Song für sein Album aufzunehmen. Das hat mir doch sehr geschmeichelt.

Sind Sie zum Skifahren bei ihm in Verbier gewesen?
Ja. Verbier ist wirklich ein wunderbarer Ort. Ich könnte es mir allerdings nicht leisten, dort ein Haus zu kaufen. Es ist doch ein sehr, sehr teurer Ort!

Ed Sheeran, 1991 geboren, wuchs in der Grafschaft Suffolk auf. Mit 16 Jahren versuchte der Sänger und Gitarrist sein Glück in London. Schon bald machte er auf YouTube auf sich aufmerksam. Sein erstes Album «+» kam 2011 heraus und offenbarte seine Talente
als Sänger und Songwriter. Der Ausnahmekünstler produzierte einen Hit nach dem anderen und feierte drei Jahre später mit seinem Album «×» weltweit mit
10 Millionen verkauften Exemplaren einen Riesenerfolg. Im März erschien nun «÷», das ebenfalls reissenden Absatz findet. Derzeit befindet sich Sheeran auf Welttournee.

Zur Homepage von Ed Sheeran

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