Roland Sum muss sich an den pinken Ankern festhalten, weil seine sechs Huskys (zwei sind verdeckt!) ganz schön Gas geben.

«Los, feine Mäuse!»

Wie ein Bergmann nach Freiheit suchte und sie im Schnee fand: eine Begegnung mit dem Hundeschlittensportler Roland Sum im tief verschneiten Lenk.

Der Husky mit dem dämonischen Blick: Roland Sum knuddelt Leithund Orca.

Der Husky mit dem dämonischen Blick: Roland Sum knuddelt Leithund Orca.
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Es schneit in Lenk BE unaufhörlich. Kein Wunder, ist die Landschaft mittlerweile unter einer dicken Schneeschicht begraben, die alle Geräusche verschluckt. Nur ein lang gezogener Ausruf hallt über den Talboden. «Ooooookay, los, feine Mäuse!», ruft Roland Sum (43) seinen sechs Huskys zu, die ihn mit 30 Kilometern pro Stunde über die Piste ziehen. Tief geduckt auf dem Schlitten feuert er die Hunde an.

Im Zielbereich der Schweizer Meisterschaft der Hundesportler ist es mit der Stille endgültig vorbei. Hunde bellen, Fans jubeln, die Musher – so nennt man die Lenker der Hundeschlitten – rufen und sorgen für ein wildes akustisches Spektakel. Als Sum ins Ziel einfährt, freut sich auch seine Partnerin Babs Caduff (40) aus dem Berner Seeland. 23 Minuten benötigten die Hunde für die 12-Kilometer-Strecke.

Petits Beurres als Sportlernahrung

Im Ziel wirken sie erschöpft. Sie suchen die Nähe des Hundeschlitten-Paares, wollen knuddeln, schmusen. Vor dem Wagen des Rennteams erhalten die Hunde Petits Beurres mit Honig als Belohnung. Während Caduffs Hände von zwei Huskys abgeleckt werden, ist Sum damit beschäftigt, seine Hunde zu streicheln. «Auf meine Hunde bin ich immer stolz, egal, ob wir Erste oder Letzte werden. Hauptsache, alle kommen gesund im Ziel an.» Power-Maschinen nennt der gebürtige Deutsche seine Zughunde. Lahmt einer der vierbeinigen Sportler, hält Sum auch schon mal mitten im Rennen an und verfrachtet ihn nach hinten in den Schlitten.

Roland Sum wollte schon als Junge Rennen fahren, jedoch noch nicht im Schnee auf einem Schlitten, sondern im Schlamm auf dem Motorrad. Schon bald wechselte er auf die vierrädrigen Quads und feierte schöne Erfolge, die er erst auf Nachfrage nennt – Sum ist sehr ehrgeizig, aber keiner, der angibt. Als Highlight seiner ersten Karriere errang er den Europameister-Titel.

Seine Erfolge waren allerdings mit einem hohen Preis verbunden: Er erlitt einige schwere Unfälle. Umso erfreuter war seine Familie, als er sich aus dem Motorsport zurückzog. Damit war der Weg frei für sein zweites Sportler-Leben: Zuerst betrieb er Skijöring – dabei  lässt sich ein Langläufer von einem Vierbeiner ziehen.

Die Hunde gehören zur Familie

Sum kam immer mehr auf den Hund, sein Rudel wuchs stetig. Heute muss er über seinen Wechsel lachen: «Wenn mir früher im Motorsport jemand gesagt hätte, dass ich irgendwann zehn Hunde besitzen werde, hätte ich ihm mit Sicherheit den Vogel gezeigt.» Heute gehören die neun Huskys sowie ein Greyster fest zu seinem Leben. Das Hundeschlittenfahren wurde schnell zu seiner Passion, er trainierte hart und hatte auch in dieser Disziplin Erfolg: Im Vierergespann wurde er Deutscher Meister, an der Schweizer Meisterschaft holte er im vergangenen Jahr die Silbermedaille.

Tumult in der Schneewiese

Zehn Hunde sind genug, mehr möchte er nicht: «Sie alle brauchen viel Zuneigung.» Wie zur Bestätigung schmiegt sich die älteste Hündin an sein Bein. «Das ist Rypa. Mit ihr fing alles an», sagt Sum und schaut zu Babs Caduff hinüber, die gerade mit Chip und Hope im Schnee sitzt. Plötzlich kommt Unruhe auf. Von einem anderen Team sind laute Rufe zu hören. Sum und Caduff rennen los und mit ihnen weitere Musher. Gemeinsam fangen sie den entflohenen Vierpfoter wieder ein, der mit seinem Ausflug in die Schneewiese den Tumult verursacht hatte.

Vor und nach dem Lauf sind die Hunde genauso nervös wie jeder andere Spitzensportler: Trotz Leine und Zuggeschirr springen sie bis zu einem Meter hoch in die Luft. Am Start sind aber alle schlagartig ruhig. Musher und Hunde warten gespannt auf den Countdown. «3, 2, 1, los», ruft der Starter – und Sum «Okay!», während das Gespann schon aus der Startbox schiesst. «Hundeschlittenfahren ist ein Teamsport», wird er später im Ziel sagen. Wenn etwa die Sicht schlecht ist, können die Hunde kaum ausmachen, wie der Weg verläuft. Dann muss Sum sie wirklich leiten – und sie auf ihn hören.

Wie gut das Teamwork funktioniert, beweisen die sieben auf den zwölf Kilometern in Lenk: Am Ende resultiert der dritte Platz. Wirklich zufrieden ist er damit nicht, er will nicht nur dabei sein: «Nein, ich will gewinnen. Nicht mehr und nicht weniger.»

Vielleicht das nächste Mal, an einem anderen Rennen. Im Alltag arbeitet Roland Sum als Bergmann, verbringt damit viel Zeit unter der Erde. Da sind die Hunde, die frische Luft und die Geschwindigkeit die perfekte Abwechslung für ihn. «Sie sind meine Familie und Babs ist das Hunde-Mami.»

Roland Sums Kommandos

Los gehts: Okay!
Links: Ho!
Rechts: Chi!
Anhalten: Stopp, steh!

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