Sehen, plaudern, degustieren. Am Markt in Delémont gibt es vieles zu entdecken.

«Möchten Sie probieren?»

Regional hergestellte Köstlichkeiten wie Gebäck, Käse, Würste, Sirupe oder Liköre gibt es Ende September in Delémont JU zu degustieren. Die allerbesten Regionalprodukte werden zudem mit Medaillen ausgezeichnet.

Die Aussicht aus dem Büro von Olivier Boillat ist nicht von schlechten Eltern: grüne Wiesen und eine malerische Hügelkette, hinter der sich der Berner Jura versteckt. Vom 26. bis 27. September findet hier in Delémont-Courtemelon der 6. Schweizer Wettbewerb der Regionalprodukte statt. Herzstück ist ein grosser Markt, an dem Produzenten von regionalen Spezialitäten aus der ganzen Schweiz ihre Leckerbissen zur Degustation und zum Kauf anbieten. Gastregionen sind die Kantone Basel-Stadt und -Land sowie Baden-Württemberg.

 
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Olivier Boillat (45), Verantwortlicher Kommunikation Concours Suisse des Produits du Terroir

Olivier Boillat (45), Verantwortlicher Kommunikation Concours Suisse des Produits du Terroir
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Der Wettbewerb ist für Regionalprodukte aus der ganzen Schweiz gedacht – machen auch alle mit?
Ja, das Engagement ist sehr gross. Die Produkte kommen aus 24 – also aus fast allen Kantonen. Aus den beiden Gastregionen Basel-Land und Basel-Stadt wurden 36 beziehungsweise 8 Produkte angemeldet.

Seit 2005 wird der Concours Terroir alle zwei Jahre durchgeführt. Wie hat alles angefangen?
Wir von der Fondation Rurale Interjurassienne (www.frij.ch) hatten die Idee, einen schweizweiten Wettbewerb ins Leben zu rufen, um Regionalprodukte besser zu vermarkten. Das Bundesamt für Landwirtschaft hat uns eine Startfinanzierung gewährt, zudem fanden wir Sponsoren aus der AOP, Landwirtschaft, Lebensmittelbranche, Interessensverbänden und der Gastronomie. Wichtig ist für uns auch die Zusammenarbeit mit der IG Regionalprodukte. Dazu gehören alle Regionalmarken: Das Beste der Region, Culinarium, alpinavera und Pays romand–Pays Gourmand.

Was bedeutet eigentlich regional?
Die Rohstoffe sollen zu mindestens 80 Prozent aus der entsprechenden Region stammen. Alle Produkte der Regionalmarken sind automatisch zugelassen. Über die übrigen Produkte entscheidet eine Kommission.

«

Wir sehen uns als Sprachrohr für regionale Produzenten.»

Olivier Boillat

Wie sieht es aus mit dem Tierfutter? Das wird oft von weit her importiert.
Woher das Futter für die Tiere stammt, ist bisher leider noch kein Kriterium, weil dies für uns schwierig nachzuprüfen wäre. Manche Produzenten werben aber damit, dass ihre Fleischprodukte ohne Importfutter hergestellt wurden.

Wo liegen die Grenzen?
Ein Käse, der in einer grossen Molkerei hergestellt wird, die Milch aus der ganzen Schweiz bezieht, kann nicht am Wettbewerb teilnehmen. Man muss genau wissen, woher die Milch kommt. Der Bezug zur Region ist entscheidend.

Und wie kontrolliert man dies?
Wir arbeiten mit Gütesiegeln, Marken und regionalen Verbänden zusammen, die die jeweiligen Produzenten gut kennen. Zudem schauen wir sehr genau hin und machen Stichproben. Einmal hatten wir eine Nusstorte im Wettbewerb, deren Baumnüsse aus der Türkei stammten. Das geht natürlich nicht. Das schönste Beispiel war ein Honig, der sogar eine Medaille gewonnen hat. Da haben uns einige Leute gemeldet, dass mit diesem Honig etwas nicht ganz koscher sei, und dass nicht mehr der gleiche Honig im Laden verkauft werde. Wir haben den Kantonschemiker beauftragt, den effektiv verkauften Honig zu analysieren. Die Untersuchung ergab, dass im Honig überhaupt keine Pollen von heimischen Pflanzen enthalten waren. Dafür zu 100 Prozent solche aus osteuropäischen Ländern. Dieser Produzent hat sofort seine Gütesiegel und Medaillen verloren.

Was bedeutet das Motto des Concours «Die Schweiz von morgen ernähren»?
Dabei geht es um den Zugang zum Lebensmittelmarkt für Regionalprodukte. Die Konsumenten verlangen heute Qualität, Geschmack und eine Beziehung zum Produzenten. Regionale Produkte sind auch ein Treiber für die Entwicklung im ländlichen Raum. Qualitativ sind sie oft sehr gut, aber im Vertrieb und in der Vermarktung gibts Lücken.

Hat Regionalität auch Grenzen?
Zu klein darf eine Region nicht sein. So hat es im Jura viele Produzenten, aber wenige Abnehmer. In Basel ist es umgekehrt. Daher ist es sinnvoll, dass Produkte aus dem Jura in Basel verkauft werden. Kürzlich war ich in Amsterdam. Dort haben Gruppen von Bauern ihre eigenen Läden in der Stadt, wo sie ihren Käse verkaufen. Wir versuchen, ähnliche Projekte zu fördern.

Was ist das Ziel des Wettbewerbs für Regionalprodukte?
Unser Ziel ist es, dass das Label des Wettbewerbs in der ganzen Schweiz bekannt wird. Die Leute sollen sich an den Medaillen als Qualitätssiegel orientieren können. Die Produzenten wiederum können damit ihre Produkte bewerben und bekannt machen. Wir sehen uns als Sprachrohr der Produzenten.

Wieso sind regionale Produkte so wichtig?
Der Kauf von Regionalprodukten ist eine Anerkennung für die Arbeit von KMUs, von Bauern, Metzgern, Käsern und anderen. Regionalprodukte sind eine mögliche Antwort auf die Krise in der Landwirtschaft. Damit bleibt die Rendite in der Region. Und wenn die Leute den Produzenten kennen und wissen, wie viel Arbeit hinter einem Produkt steckt, sind sie bereit, höhere Preise zu bezahlen. In Ländern, wo die Landwirtschaft immer mehr industrialisiert wird, zerfallen hingegen die Preise.

Also je kleiner desto besser?
Jein. Eine zu kleine Produktion ist auch schwierig. Gefragt ist der goldene Mittelweg. Die Verbindung zur Region ist wichtig. In der Schweiz geben wir nur etwa 8 Prozent unseres Einkommens für Essen aus. Doch wenn die Qualität stimmt und sie einen Bezug zu den Herstellern haben, sind viele Leute bereit, mehr Geld auszugeben.

Am Markt werden auch zehn Produzenten aus Marokko und Tunesien ihre Produkte anbieten. Wie passt das zusammen?
Im Areal «Terroir du monde» wird es zum Beispiel  Olivenöle, Harissa oder Arganöle zu entdecken geben. Wir haben einen engen Bezug zu Afrika, etwa über Projekte mit UNIDO, einer Organisation der UNO. Die Bauern in Afrika haben ähnliche Probleme wie Bauern hier. So hapert es oft beim Zugang zum Markt, der Kommunikation, Logistik, der Wertschöpfungskette und dem Vertrieb.

Sie versuchen nun also, das Schweizer Modell auf diese Länder zu übertragen?
Ja, die Regierungen möchten auch dort die regionale Produktion stärken. 2014 fand der erste Wettbewerb für Regionalprodukte in Marokko statt. Ziel ist, dass er zum Selbstläufer wird. Marokko war auch Ehrengast am Concours 2011.

Coop unterstützt Regionalität 

Seit diesem Jahr ist Coop Sponsor des Concours Terroir. Im Sortiment von «Miini Region» finden sich schon heute über 150 Produkte, die am Wettbewerb eine Medaille gewonnen haben. Coop macht sich seit vielen Jahren für regionale Produzenten stark. Dank des Labels «Miini Region», das 2014 lanciert wurde, sind alle Regionalprodukte auf einen Blick erkennbar. Die Richtlinie für Miini Region-Produkte sieht vor, dass diese einen möglichst engen Bezug zur definierten Region haben. Dies bezieht sich sowohl auf die Beschaffung der Rohstoffe wie auch auf die Verarbeitung.

Frage der Woche:

«

Wo achten Sie auf regionale Herkunft?»

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Foto:
zVg, Fondation Rurale Interjurassienne
Veröffentlicht:
Montag 17.08.2015, 16:53 Uhr

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