(Vor-)Sorgen

Er: Wieder einmal sitzen Leute von der Versicherung an unserem Küchentisch. Sie malen uns die Zukunft aus: Wie wenig AHV wir kriegen würden und wie sehr wir jetzt schon daran denken sollten, welchen Lebensstandard wir im Alter haben möchten. «Sie werden mehr Zeit, aber unglücklicherweise weniger Geld als heute haben», mahnt der Vorsorgespezialist.

«

Gib einfach weniger aus, als du einnimmst.»

Ich schätze, dass er uns nun eine Rentenversicherung vorschlägt, in die wir jetzt einzahlen und die uns dann einen finanziell sorgenfreien Alltag im Alter ermöglichen soll. Aber das tut er nicht, zumindest nicht gleich, denn zuerst will er wissen, wie unser gegenwärtiges Haushaltsbudget aussehe. Und zwar so detailliert wie möglich. Schreiber und ich sind ratlos. Darüber haben wir uns noch nie Gedanken gemacht. Wir leben nämlich nach dem simplen Prinzip: Gib einfach weniger aus, als du einnimmst. Der Rest wird gespart.

Eine Stunde später, der Vorsorgeberater hat sich unterdessen verabschiedet, sitzen wir immer noch da und tragen Zahlen zusammen. Diese sollen wir ihm nachsenden, damit er unsere finanzielle Zukunft berechnen kann. Und mir wird langsam klar: Was das Morgen betrifft, leben Schreiber und ich wie Menschen von gestern!

Sie: Mann, diese Rechnerei war anstrengend! Als Gegenprogramm beschliesse ich, im Garten einige Setzlinge zu pflanzen. Auch eine Art Vorsorge: So ernten wir gesunde Salate im Sommer. Das macht mehr Spass, als über Geld zu reden.

«Wir sollten häufiger über Geld reden», sagt Schneider in diesem Augenblick. «Was? Das haben wir gerade zwei Stunden getan. Reicht mir für eine Weile!» Schneider sinniert: «Überall wird mehr ausgegeben als eingenommen.»

«

Er will Geld ausgeben, um kein Geld zu verlieren?»

«Bei uns nicht.»

«Eben. Stattdessen sparen wir für die Zukunft. So wie unsere Eltern und Grosseltern, altmodisch und sinnlos, Geld verliert ständig an Wert. Wir könnten uns dafür in der Gegenwart mehr leisten.»
Er will Geld ausgeben, um kein Geld zu verlieren? Wie absurd ist das denn? «Mich beruhigt es, eine Reserve auf dem Konto zu haben», sage ich. «Weiss ich. Aber haben wir übermorgen noch etwas davon?»

«Hast du denn einen Wunsch? So etwas wie ein Motorrad, eine Weltreise, einen Whirlpool?»
Er überlegt. Ich hake nach: «Fehlt dir wirklich etwas?»

Endlich schüttelt er den Kopf: «Rein gar nichts.»

Na, dann hat sich unser Vorsorgegespräch doch richtig gelohnt. Und Geld haben wir auch grad noch gespart. Zum Beispiel für Rosenkohl-Setzlinge.

 (Coopzeitung Nr. 20/2016) 

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 09.05.2016, 00:00 Uhr

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