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DJ Antoine Konrad: «Glaube hat mit Gefühl zu tun»

Der Sissacher DJ Antoine Konrad (37), der mit «Ma Chérie» den internationalen Durchbruch schaffte, zeigt für einmal seine leisere Seite. Ein Treffen in der Klosterkirche Mariastein.

Coopzeitung: Was führt einen DJ, der sonst rauschende Partys feiert, in die Klosterkirche Mariastein?

DJ Antoine: Kontraste gehören zu meinem Leben. Ich mag das «Bling-Bling», aber ebenso das Einkaufen auf dem Wochenmarkt, wenn ich in meinem Ferienhaus im Burgund bin, und ich mag die Stille hier, um mich in meine Gedanken zu vertiefen.

Woran glauben Sie?
Ich bin überzeugter Christ, aber ich finde nicht, dass man versuchen sollte, andere von seiner Religion zu überzeugen. Das endet meist im Streit. Glaube hat auch nichts mit Wissen zu tun, sondern mit Gefühl. Wenn ich in der Kapelle im Kellergewölbe von Mariastein sitze, fühle ich mich geborgen und berührt.

Wer hat Ihnen diese Werte vermittelt?
Meine Mutter hat sie mir vorgelebt, nicht gepredigt. So nahm ich keine Abwehrhaltung ein, sondern habe den Glauben später mit Freunden gelebt und versuche, ihn nun meinem Sohn weiterzuvermitteln – auch, indem ich ihn oft an diesen besonderen Ort mitnehme.

Wie passt das zur Oberflächlichkeit Ihrer Videoclips, die sich nur um Schönheit und Luxus drehen?
Junge Menschen, die an Partys gehen, an denen ich auflege, wollen nicht Leid und Tragik sehen, sondern von einem Leben in dieser Glamourwelt träumen. Wer «Gala» und «Schweizer Illustrierte» liest, weiss, dass auch Reiche und Prominente Probleme haben.

Ist das Zurschaustellen Ihres Besitzes in den Medien Teil der Marke DJ Antoine oder entspricht es Ihrer Persönlichkeit?
Es hat mir immer Freude gemacht zu zeigen, was ich mir mit 800 Franken Startkapital erarbeitet habe. Rund um die CD «2011» habe ich aber über meine soziale Verantwortung nachzudenken begonnen. So entstanden das Lied «Gägewart» und die in Gründung befindliche Stiftung «AK Fondation», mit der ich notleidenden Kindern auf dieser Welt helfen will.

«

Es macht mir Freude zu zeigen, was ich mit 800 Franken erarbeitet habe.»

Wie haben Sie den internationalen Durchbruch geschafft?
Ich habe mich 2010 von vielen Mitarbeitern getrennt, um neue Wege einschlagen zu können – in der Schweiz gab es nach 33 Gold- und Platin-Auszeichnungen eigentlich keine Steigerung mehr. Tatsächlich hat «Ma Chérie» dann aber Dreifach-Platin erreicht und kürzlich Baschis «Bring en hei» als erfolgreichste Schweizer Single in der Hitparade abgelöst. Vor allem aber hat sie mich auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern bekannt gemacht. Heute habe ich erfahren, dass die CD «2013 – Sky Is The Limit» sogar in Japan, Indien und Australien veröffentlicht wird!

Wofür sind Sie bei der Produktion der Platten zuständig?
Ich bin der Typ, der die Melodien und Harmonien vorzwitschert, die er im Kopf hat. Für die musikalische Umsetzung ist mein Partner Mad Mark zuständig. Er ist der Technikfreak, der am PC sitzt und an den Knöpfen dreht, während ich meinen Kommentar dazu abgebe. Wir sind seit zwölf Jahren ein perfektes Team.

Wie sieht der Auftritt eines House-DJ heute aus?
Vor zwei Jahren hat es in den Clubs nahezu nahtlose Wechsel am DJ-Pult gegeben. Heute wird das wie an einem Rockfestival zelebriert: Zwischen den Sets läuft einige Minuten keine Musik, dann geht das Licht aus, ein Intro ertönt, der Spot ist auf dich gerichtet und du legst los.

Ihre aktuelle Single heisst «Bella Vita». Ist das DJ-Leben wirklich so schön?
Die Nachtarbeit und die langen Reisen bringen mich manchmal körperlich an meine Grenzen. Einmal bin ich innert zehn Tagen in Moskau, Kasachstan, Bangkok, Abu Dhabi, Frankfurt, Genf und Los Angeles aufgetreten. Wenn du da ein Burnout vermeiden willst, musst du Business und First Class fliegen oder auch mal einen Privatjet mieten, damit dir genügend Erholungszeit bleibt.

Wie kam die Zusammen arbeit mit dem russischen Rapper Timati auf «Welcome To St. Tropez» zustande?
Ich habe viele Produktionen für russische Auftraggeber gemacht, unter anderen «Volna», das hohe Wellen schlug, weil es dort zum meistverkauften Klingelton wurde. Die Idee zu «Welcome To St. Tropez» kam Timati und mir, als wir uns an der Côte d’Azur eines Nachmittags beim Champagnertrinken am Pool begegneten.

Welches ist Ihr nächstes Highlight?
Ich lege am 14. Februar in Schladming bei der offiziellen After-Party der Ski-WM auf. Da können es auch die Sportler nach Abschluss der Wettkämpfe richtig krachen lassen.

DJ Antoine

Bürgerlicher Name: Antoine Konrad
Beruf: House-DJ, Produzent und Plattenlabelchef
Geburtsdatum: 23. Juni 1975 in Sissach
Wohnort: Sissach
Zivilstand: liiert mit Stephanie, Sohn Sebastian (12) aus einer früheren Beziehung
Laufbahn: 1998 «DJ Antoine – The Pumpin’ House Mix»: Die erste von inzwischen über 50 CDs, die sich total 3 Millionen Mal verkauften. Bereits «Houseworks 1» (1999) erreichte Gold-Status. Im gleichen Jahr gründete Konrad die Plattenfirma Houseworks.
Grösste Hits: «All We Need», «This Time», «Welcome To St. Tropez» und «Ma Chérie». Zuletzt gewann er dreimal den Swiss Music Award für das beste Dance Album National.
Aktuell: Doppel-CD «2013 – Sky Is The Limit».
Auftritte in der Schweiz: 23. Februar Lausanne, 2. März Tuggen und Erstfeld.

www.djantoine.ch
www.facebook.com/DJAntoine

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Christoph Kaminski
Veröffentlicht:
Freitag 01.02.2013, 07:00 Uhr

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