Die Biogas-Anlage wird mit einem Gemisch aus Mist und Wasser gefüllt. |
Der Druck im Tank führt dazu, dass das Restmaterial nach aussen gedrückt wird. Es entsteht ein wertvoller, geruchsneutraler Dünger. |
Das Methangas gelangt über eine Leitung ins Haus und schliesslich zum Kochherd. |
Christian Som, WWF Schweiz |
Mit Biogas-Anlagen wird in Nepal der Ausstoss von Treibhausgasen reduziert. Bezahlt werden die Anlagen mit Mitteln aus den CO2-Kompensationszahlungen.
Familie Sharma steht stolz vor ihrem Haus im nepalesischen Lamahi. Seit Kurzem gehört sie zu den modernen Familien im Dorf, denn sie kocht mit Gas, nicht mehr mit Holz. Das hat viele Vorteile: Die Wände im Haus werden nicht mehr mit Russ geschwärzt, die Frau und die Kinder müssen nicht mehr Holz sammeln gehen und haben Zeit für die Schule oder die Arbeit auf dem Feld, und: Seit die Luft im Haus nicht mehr rauchgeschwängert ist, geht es gesundheitlich allen besser. Möglich macht dies eine neue Biogas-Anlage, die den Mist der beiden Wasserbüffel vergärt und daraus den Betriebsstoff für den Gaskocher liefert. Familie Sharma ist nicht reich. Die zwei Wasserbüffel und das bescheidene Heim sind ihr einziger Besitz. Die Investition von rund 400 Schweizer Franken für die kleine BiogasAnlage konnte sie sich nur leisten, weil sie finanzielle Unterstützung und einen Mikrokredit bekommen hat. Die Biogas-Anlage ist ein sogenanntes CO2-Kompensationsprojekt.
Da Familie Sharma zum Kochen nun kein ökologisch wertvolles Holz mehr verbrennt, werden mit der Biogas-Anlage rund vier Tonnen Kohlendioxid (CO2) pro Jahr weniger ausgestossen. So viel CO2 setzt beispielsweise ein Flug von Zürich nach Australien frei – pro Fluggast wohlgemerkt. «Somit ist die Biogas-Anlage der Familie Sharma quasi von einem Geschäftsreisenden finanziert worden, der beruflich nach Sydney fliegen musste und eine freiwillige Kompensa-tionszahlung geleistet hat», erklärt Christian Som vom WWF Schweiz.
Auch Coop leistet Kompensationszahlungen, etwa für Waren, die eingeflogen werden. Das heisst, jeder Fisch und jedes Gemüse, das auf dem Luftweg in die Schweiz kam, wird CO2-kompensiert. Auf den Produkten wird dies entsprechend vermerkt. Auch für alle Geschäftsreisen und alle coop@home-Transporte bezahlt Coop , damit das auf diese Weise ausgestossene CO2 an einem anderen Ort eingespart werde n kann. Pro Jahr sind das rund drei Millionen Franken, die Coop so ausgibt. Biogas-Anlagen in Nepal, von denen heute etwa 2500 existieren, sind nur eines von mehreren Projekten, an denen sich Coop via WWF beteiligt. WWF ist der Umwelt-Partner von Coop und sorgt dafür, dass das Geld in Projekte fliesst, die einen Gewinn für das Klima und für die lokale Bevölkerung bringen. Alle Projekte erfüllen den sogenannten Gold Standard, den höchsten Standard, der an solche CO2-Projekte gestellt wird, wie Alain Schilli von der Schweizer Stiftung Myclimate betont. Myclimate gehört international zu den führenden Projektentwicklern für freiwillige Kompensationsmassnahmen und unterstützt den WWF beim Zertifizieren seiner Projekte.
Der WWF arbeite mit Coop zusammen, weil Coop viel unternehme, um auch die CO2-Emissionen im eigenen Betrieb zu reduzieren, sagt Som. «Uns ist wichtig, dass CO2 zuerst einmal vermieden und erst als letzte Möglichkeit kompensiert wird.»Kurzfristiges Ziel von Coop ist es, 15 Prozent des heutigen CO2-Ausstosses zu vermeiden. Coop sucht deshalb bei vielen Produkten nach Alternativen. So soll Rindfleisch aus Südamerika in Zukunft per Schiff und nicht mehr per Flugzeug eingeführt werden. Dadurch wird viel weniger Kohlendioxid ausgestossen, nämlich etwa 3500 Tonnen pro Jahr. Bis in 15 Jahren will Coop sogar CO2-neutral sein. «Was wir bis dann nicht reduzieren können, wird kompensiert», verspricht Christian Rüttimann, bei Coop zuständig für Nachhaltigkeit.
Neues Signet für Blumen, die per Flugzeug kommen
By Air. Coop vermeidet nach Möglichkeit Flugtransporte – nur bei Max Havelaar-Blumen macht dies keinen Sinn.
Wo etwas verbrannt wird, entsteht CO2 – beim Heizen, Autofahren und Fliegen. Ein Grossteil des CO2 wird dabei durch Transporte, vor allem durch Flugverkehr verursacht. Um den CO2-Ausstoss zu verringern, versucht Coop deshalb, wenn möglich auf Lufttransporte zu verzichten. Geht das nicht, wird der CO2-Ausstoss kompensiert (siehe Artikel links). Diese Produkte werden entsprechend gekennzeichnet (rotes Signet).
Eine Ausnahme bilden die Max Havelaar-Blumen. Studien belegen, dass Rosen aus Ecuador oder Kenia insgesamt rund viermal weniger CO2 verur-sachen als Schnittblumen aus dem Treibhaus in Holland. «Es macht keinen Sinn, hier auf Lufttransporte zu verzichten und die Produktion nach Nordeuropa zu verlagern», erklärt Christian Rüttimann, bei Coop zuständig für Nachhaltigkeitsthemen. Deshalb haben Coop und der WWF vereinbart, dass die Max Havelaar-zertifizierten Blumen aus den Kompensationsverpflichtungen vorerst ausgenommen sind und deshalb das Logo mit dem Flugzeug nicht mehr tragen. Sie werden mit dem neuen Signet «By Air» (gelbes Signet) gekennzeichnet.
CO2-Emissionen
Das tut Coop für das Klima
Gemüse, das per Flugzeug transportiert wird, belastet das Klima etwa 80-mal mehr als Saisongemüse aus der Schweiz. Deshalb lässt Coop Flugtransporte nur zu, wenn dies aus Qualitätsgründen oder bei extremer Zeitknappheit unvermeidbar ist.
Ziel ist es, durch bessere Logistik Flugtransporte zu vermeiden. So will Coop weisse Spargeln bis 2009 zu 90 Prozent per Schiff transportieren (2007 rund 50 Prozent). Als erstes Unternehmen in der Schweiz hat Coop einen eigenen Klimakompensationsfonds eingerichtet und mit drei Millionen Franken dotiert.
Mit diesem Fonds können über 50 000 Tonnen CO2 kompensiert werden, die entstehen durch:
- Transporte von coop@home
- Flugreisen der Mitarbeiter
- Autofahrten der Mitarbeiter zu Geschäftszwecken
- Flugtransporte von Lebensmit teln und einzelnen Non-Food-Produkten.







