Auf seiner Vortragstournee wird Vogel das Geheimnis der Sahara ein Stück weit lüften. |
Manchmal tauchten aus dem Nichts Karawanen auf. Nach kurzer Zeit waren sie wie vom Sand verschluckt. |
Die Wüste ist nicht nur weit und einsam, sondern auch unglaublich schön. |
Nach Tagen des Alleinseins trifft man - auf seinen eigenen Schatten. |
Gegen die Hitze hilft am besten die Kleidung der Einheimischen. Oft stieg das Thermometer auf 45 Grad. |
Auf der Trans-Sahara-Tour hat Andrea Vogel zahlreiche Grenzen überschritten - auf der Landkarte und im Kopf.
Heiss? Heiss ist, wenn man auf dem Fussmarsch durch die Wüste den Schatten des einzigen Baums ansteuert, den Allah in seiner allmächtigen Güte mitten im unendlichen Nirgendwo hat wachsen lassen. Schmerzen? Weh tut es, wenn man fast verrückt ist vor Durst, mit dem letzten Tropfen des Trinkwassers aber die blutverkrusteten Socken von den Füssen lösen muss. An-drea Vogel sitzt in seinem Haus in Luzern und erzählt solche Geschichten, als sei es das Normalste der Welt, im Alleingang 500 Kilometer durchs grösste Sandmeer der Welt - den Erg Chech - zu wandern. Durch dieses militärische Sperrgebiet Algeriens, wo sich nur Wüstenfüchse und Al Kaida-Terroristen, Schlangen und Wegelagerer ein Stelldichein geben.
Der 50-Jährige, der vor seiner Reise von Timbuktu nach Marrakesch unter anderem Expeditionen in Afrika, im Himalaya, den Anden und in Russland leitete, hat etwas von einem gros-sen Buben. Erst wenn er lacht, sieht man, dass sich all die Touren und Strapazen in sein Gesicht eingegraben haben. Die Lach- und anderen Falten wirken dann wie eine Landkarte. «Ich bin ein Grenzgänger», nimmt er die Antwort auf die Frage nach dem Warum vorweg. Angefangen hat alles in Grüsch GR. Vogel seilte sich zwar nicht schon als Baby über den Laufgitterrand ab: «Aber die Felsen ringsum, die haben mich immer gelockt und ich kannte den heimatlichen Rätikon bald in- und auswendig», erzählt er.
Zunächst lernte Vogel Kunststofftechniker - und wurde dabei immer unzufriedener: «Das konnte es einfach nicht gewesen sein - ich wäre in einem so eingeengten Leben langsam verkümmert.» Also zog er fremd- und bergwärts. Doch Kletterberge in aller Welt oder auch die «Grenztour Schweiz», welche ihn 1992 zum ersten Mal ins Scheinwerferlicht katapultierte, waren kein Selbstzweck. «Wenn ich zurückkam, dann habe ich meinen Mitmenschen immer von den kulturellen, landschaftlichen und menschlichen Reichtümern berichtet, die ich angetroffen habe. Ich habe immer versucht, Verständnis für das Andere zu wecken.» So auch jetzt nach der Sahara-Tour. Aber Vogel erzählt nicht nur von den Schönheiten, sondern auch davon, wie das Wasser knapp wird, wie der Klimawandel die Wüstenbildung begünstigt, oder von der Salzstadt Taoudenni, dem Sahara-Ort gänzlich ohne Frauen. Hier wird in Höhlen noch immer Salz gebrochen. Sogar die Behausungen sind aus Salzplatten gebaut. Die Männer arbeiten unter unsäglichen Strapazen in den Minen, fast rund um die Uhr, sieben Tage in der Woche. Meistens ernähren sie sich von Reis, und auf einem der Reissäcke hat Vogel die Aufschrift «Hundefutter» entdeckt. Schon auf seinen früheren Touren hat Vogel nicht nur geschrieben, er hat gefilmt und fotografiert.
Seine Berichte sind auch der Unesco aufgefallen und die Kulturorganisa-tion der Uno übernahm das Patronat über die Trans-Sahara-Tour. Im Vorwort zu Vogels Sahara-Buch «uferlos» schreibt die Schweizer Unesco-Generalsekretärin Madeleine Viviani von der «humanistischen Dimension der Expedition, die sich als Brückenschlag zwischen den Gesellschaften von Schwarzafrika, Mahgreb und Europa versteht.»
Jetzt ist Vogel wieder in der Schweiz und geht mit seiner Multi-Media-Schau auf Tournee. Was ist geblieben von der Sahara, den Strapazen und Gefahren? Vogel erzählt von der absoluten Stille, bei der man das Rauschen des eigenen Blutes hört; vom Sternbild Orion, das ihn geleitet hat und seiner Tour den Namen gab; von der Klarheit der Gedanken nach täglich über 50 Kilometern Fussmarsch; von unglaublichen Farben, bizarren Felsformationen, Sandstürmen. Am eindrücklichsten ist Vogel, wenn er von den Menschen der Sahel-Zone und ihren Lebensbedingungen redet. Er unterstützt unter anderem Touareg-Kinder, damit diese eine Schule besuchen können. Folgerichtig lautet der letzte Satz in seinem Buch: «Die Zukunft gehört den Kindern. Schauen wir Erwachsene, dass sie weiterlachen können.»
Auf Tournee
Spektakel in Bild und Ton
Derzeit befindet sich Andrea Vogel mit seinem Orion-Multimedia-Vortrag auf Tournee durch die Schweiz. Das qualitativ hochstehende Film- und Fotomaterial in Grossprojektion steht dabei im Zentrum.
Mit seinem Bühnenpart-ner, dem Musiker und Schauspieler Dänu Brüggemann, holte sich Andrea Vogel aber zusätzlich einen versierten Begleiter mit ins Boot, der die Vortrags-veranstaltung auch zum kulturellen Spektakel werden lässt. Der Multi-instrumentalist Brüggemann spielt live seine eigens für dieses Projekt geschriebenen Songs.
Bildband zum Sonderpreis
«uferlos»: Vogels Sahara-Abenteuer
Zunächst mit einer Karawane, dann auf sich allein gestellt, ging Andrea Vogel 3010 Kilometer über den Hitzepol der Erde von Timbuktu nach Marrakesch. Der Bündner hat sein Abenteuer mit Kamera und Tagebucheinträgen festgehalten. Daraus ist ein faszinierender Bildband entstanden. Der Band «uferlos - mit dem Orion von Timbuktu nach Marrakesch» kostet im Buchhandel 56 Franken. Coopzeitung-Leser erhalten das Buch für 45 Franken. Es kann direkt beim Verlag bestellt werden: Tel. 044 491 21 30, E-mail info@rueggerverlag.ch







