David gegen Goliath: Eine Schlupfwespe (Nützling) ist ungefähr zehnmal kleiner... |
als eine Motte (Schädling). |
An ökologischen Lösungen inte-ressiert: Katrin Oswald, Leiterin Coop Fonds für Nachhaltigkeit. |
Jedes Jahr fressen sich Schädlinge durch Tonnen von Vorratsgetreide. Die Forschung hat für das Problem nun eine biologische Lösung gefunden.
Eine Plage, diese gefrässigen Insekten. Schädlinge, die zu Hunderttausenden unsere Getreidesilos, Lagerräume und Mühlen bevölkern - um nicht zu sagen: befallen. Denn gerade jetzt, da es wieder wärmer wird, fangen sie an zu wachsen. Und wer wachsen will, muss fressen. Also stürzen sie sich auf den Weizen, den Reis, die Gerste, den Mais und schlagen sich die Bäuche voll. Die Rede ist von der Dörrobstmotte, dem Brotkäfer, dem Kornkäfer und anderen Tieren, die unseren Getreidevorräten jedes Jahr Schäden zufügen. Wie diesem Problem am natürlichsten begegnet werden kann, damit hat sich unter anderem Gabriela Wyss vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) befasst. «Wir wollten eine nachhaltige Alternative zu den chemischen Insektiziden, die konventionell eingesetzt, in absehbarer Zeit aber verboten werden», sagt sie. «Zudem wollten wir die strengen Richtlinien der Bio Suisse erfüllen.» Die Lösung: Nützlinge - die natürlichen Feinde der Schädlinge.
Zusammen mit den zwei Schweizer Unternehmen Andermatt Biocontrol und Desinfecta startete das FiBL 2006 sein Forschungsprojekt - ein absolutes Novum. Zwar gab es schon seit Längerem sehr positive Erfahrungen und wissenschaftliche Untersuchungen zum Einsatz von Nützlingen bei Pflanzen in Treibhäusern oder auf freiem Feld. Leider aber nichts zu Getreide in Grosssilos, Mühlen oder Lagerhallen. Die Projektpartner mussten also praktisch bei Null anfangen und entsprechend gross waren die Herausforderungen.
Unterstützung gabs dabei von Coop. Unter anderem stellte die Detailhändlerin für die Tests ihre Mühlen und Bäckereien als Versuchsfelder zur Verfügung.
Besonders wichtig in der biologischen Schädlingsbekämpfung ist das Timing: «Die Nützlinge müssen präventiv zum Einsatz kommen, also bevor die Schädlinge aktiv werden», erklärt Gabriela Wyss. «Und zwar aufgrund einer Risikoeinschätzung im Vorjahr.» Ist die Art des Schädlings und der Grund für sein Auftreten im Betrieb bekannt, kann gezielt gehandelt werden.
Ein natürlicher Feind der Dörrobstmotte ist zum Beispiel die Trichogramma-Schlupfwespe. Der Grund: Sie legt ihre Eier in jene des Parasiten und verhindert so deren Weiterentwicklung. Doch das Zeitfenster ist mit ein paar wenigen Tagen relativ klein. «Keine einfache Sache», erklärt Gabriela Wyss. «Sowohl für die Mitarbeiter der Mühlen, die das Getreide kontrollieren, als auch für die Andermatt Biocontrol, deren Nützlinge punktgenau ‹startbereit› sein müssen.»
In punkto Grössenverhältnisse gleicht der Einsatz der Nützlinge dem Kampf Davids gegen Go-liath. «Die Trichogramma-Schlupfwespe», erklärt Iris Kraaz von Andermatt Biocontrol, «ist nur 0,3 Millimeter gross. 100 Stück wiegen gerade mal 0,002 Gramm! Die Dörrobstmotte dagegen misst etwa 1,5 Zentimeter.» Doch wie bei David gegen Goliath, gewinnt am Ende der Kleinere.
Vier Nützlinge hat das Forschungsprojekt, das heute abgeschlossen ist, hervorgebracht. Sie alle wären einsatzbereit. Für die Anwendung der Trichogramma-Schlupfwespe hat das Bundesamt für Landwirtschaft - zuständig für die Registrierung von Pflanzenschutzmitteln - die Bewilligung bereits erteilt.
Coop unterstützt die Bio-Forschung
Über zehn Millionen Franken investiert Coop aus ihrem Fonds für Nachhaltigkeit jedes Jahr in zukunftsweisende Projekte.
Nützlinge, die auf natürliche Weise Getreide vor Fressfeinden schützen: Davon profitieren alle. Deshalb erstaunt es auch nicht, dass Coop Projekte wie jenes des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) fördert: «Wir sind Schweizer Marktführerin im Verkauf von Bio-Produkten», erklärt Katrin Oswald, Leiterin Coop Fonds für Nachhaltigkeit. «Da ist es logisch, dass wir an der Erforschung von umweltfreundlichen Lösungen in der Lebensmittelproduktion interessiert sind.»
So auch an der biologischen Präventivbekämpfung von Getreideschädlingen in Silos oder Mühlen wie der zu Coop gehörenden Swissmill in Zürich.
Derzeit unterstützt Coop über 30 Projekte im Bereich Nachhaltigkeit (ökologisch/sozial) und investiert dafür pro Jahr über zehn Millionen Franken. Dass dieses Geld gut angelegt ist, zeigt der Erfolg des FiBL-Projekts: «Coop möchte die Nützlinge nun vermehrt einsetzen», so Oswald. «Sicher bei Swissmill und bei sechs Coop-Bäckereien.» Weitere Betriebe sollen folgen.
http://www.coop.ch/fonds
Coop Bau + Hobby
Marienkäfer per Post
Probleme mit lästigen Blattläusen oder Spinnmilben? Wer die Pflanzen in seinem Garten möglichst schonend und biologisch pflegen möchte, setzt auf natürliche Feinde. Ein Marienkäfer etwa kann in seinem Leben bis zu 3000 dieser Schädlinge vertilgen.
Ebenfalls nützlich sind Nematoden gegen Dickmaulrüssler oder gegen Trauermücken. Diese und weitere Tierchen aus dem Hause Andermatt Biocontrol können Sie in jedem Coop Bau + Hobby-Markt unter dem Label Coop Oecoplan beziehen. Lassen Sie sich von den Fachleuten im Gartencenter beraten. Danach nur noch die Bestellkarte beim Kundendienst abstempeln. Die Nützlinge kommen per Post.







