Vollgas für Bio: Moderatorin Eva Camenzind, Motorrad-As Tom Lüthi, Ständerätin Anita Fetz, Künstler Heinz Julen und Komiker Beat Schlatter haben eines gemeinsam: Alle setzen bei der Ernährung auf Bio-Produkte.
Eva Camenzinds Vater ist Arzt und hat die Familie schon früh für mehr Umweltbewusstsein sensibilisiert. «Während meiner Schulzeit, ich war vielleicht 16, 17 Jahre alt, habe ich mit einem Kollegen Unterschriften für den Einsatz von Solarstrom auf unserer Schule gesammelt.» Ihr Anliegen fand bei der Schulleitung tatsächlich Gehör. Auf 56 Quadratmetern wurden die Panels auf dem Schuldach des Gymnasiums Kirschgarten in Basel installiert. 47 000 Kilowattstunden Strom haben sie seither produziert. Einiges ist der 29-jährigen TV- und Radiomoderatorin aus dieser Zeit geblieben. Auch heute entscheidet sie sich für Alternativstrom. «Klar, wenn man die Wahl hat!»
Für Eva Camenzind besteht nicht das ganze Leben aus Bio, aber vieles. «An erster Stelle steht für mich die Ernährung.» Bio-Jogurt, Freilandeier sind Standard im Haushalt Camenzind. «Einige Bio-Produkte sind für mich eine Frage der Ethik, wenn es etwa um die Tierhaltung geht.» Sie legt Wert darauf, dass Fleisch und andere landwirtschaftliche Produkte Saison haben und möglichst aus der Region kommen. Bei anderen überwiegt das Bedürfnis nach dem guten Geschmack. «Haben Sie schon mal eine Bio-Tomate und eine konventionelle miteinander verglichen?»
Bei anderen Ökothemen fühlt sich Eva Camenzind nicht konsequent genug und möchte sich besser informieren. «Mich beschäftigt, welchen Fisch ich noch ohne schlechtes Gewissen essen kann. Und auch Bio-Baumwolle ist ein wichtiges Thema.» Sie denkt auch an die Zukunft. «Man überlegt schon, welchen Trümmerhaufen man auf der Erde hinterlässt, wenn man einen Kinderwunsch hat.»
Jamie Oliver
TV-Koch in England
«Bio-Produkte schmecken einfach besser. Vor allem, wenn es um Fleisch, Früchte oder Gemüse geht. Deswegen esse ich fast nur Bio-Produkte, und mein Gemüse kommt aus meinem eigenen Garten. Er ist 100 Prozent biologisch. Dass Bio-Fleisch in der Regel teurer ist als konventionelles, sehe ich ein. Bio-Fleisch von Tieren, die artgerecht aufgezogen wurden, gutes Futter bekommen haben und sich frei bewegen konnten, entwickeln ein ganz anderes Muskelfleisch. Es ist wichtig, dass die Konsumenten gut informiert sind, damit sie eine bewusste Entscheidung treffen können, ob sie Bio-Produkte einkaufen wollen oder nicht.»
Simone Niggli-Luder
14-fache OL-Weltmeisterin
«Als Spitzensportlerin und Mutter will ich mich und meine Familie natürlich gesund ernähren. Und das geht nun mal am besten mit Bio-Produkten. Beim Einkaufen schaue ich zusätzlich darauf, dass die Lebensmittel wann immer möglich aus der Region stammen und frisch sind. Das Gute an Bio-Produkten ist zudem, dass sie einfach besser schmecken.»Beat Schlatter
Schauspieler
«Ich koche jeden Tag selber und achte beim Essen auf Bio-Produkte, andere kaufe ich nicht. Gibt es überhaupt noch Produkte, die nicht bio sind? (lacht) Bei den Kleidern aber nicht, da kaufe ich vor allem Schweizer Designer.»
Nubya
Sängerin
«Wenn es Bio-Produkte gibt, die genauso gut sind wie herkömmliche, dann entscheide ich mich grundsätzlich für Bio. Beim Essen achte ich zudem darauf, dass die Lebensmittel nicht von weither kommen und dass ich saisonale Produkte verwende - zum Beispiel verzichte ich im Februar auf Spargeln aus Peru.
David Degen
Profifussballer
«Mein Körper ist mein Kapital als Spitzensportler, deswegen achte ich auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung, die viele Früchte, viel Gemüse und Fisch beinhaltet. In den meisten Fällen kaufe ich Nahrungsmittel, die das Bio-Label tragen. Manchmal frage ich mich allerdings, ob die Verpackungen für Bio-Produkte nicht einWiderspruch zum Öko-gedanken sind.»
Anita Fetz
Ständerätin SP
«Beim Gemüse und Fleisch schau ich immer auf biologische Produkte. Allerdings müssen sie aus der näheren Region sein. Erstens schmecken sie besser, und zweitens finde ich, die Schweizer Landwirtschaft sollte nur noch biologisch produzieren. Bei den Kleidern ist mir Fair Trade am wichtigsten. Es muss aber auch modisch stimmen. Zum Glück gibt es immer mehr Modedesignerinnen, die beides unter einen Hut bringen.»Heinz Julen
Künstler/Designer
«Ich esse sehr gerne und bewusst Bio. Unsere Familie hat seit Generationen im Sommer auf der Findleralp bei Zermatt eigene Kühe. Diese Tradition wird nun von meiner Schwester Vrony und ihrem Mann Max weitergelebt. Sie servieren das hauseigene Bio-Trockenfleisch, die Bio-Wurst und den Bio-Käse in ihrem Bergrestaurant ‹Chez Vrony›. Dort bin ich mehrmals die Woche - und weiss dann auch, was ich esse. Mein Atelier steht ebenfalls auf der Alp. Dort habe ich für die langen Herbstabende noch einige warme Strümpfe, die meine Mutter aus Schafswolle gestrickt hat.»
Tom Lüthi
Motorradrennfahrer
«Vollgas Bio! Das geht auch bei uns Motorsportlern. Und das hat zwei Gründe: 1. Die Ernährung spielt für mich als Sportler eine zentrale Rolle. 2. Mir ist es wichtig, dass die Produkte umweltverträglich angebaut sind und die Arbeit unter vernünftigen Bedingungen verrichtet wird. Und zwar sowohl für die Natur als auch den Menschen.»
Regula Stämpfli
Politikwissenschafterin
«Ideologien stehe ich natur- oder eben biogemäss skeptisch gegenüber. Ernährung, vor allem gesunde und nachhaltige, ist einfach eine Notwendigkeit. Aus ihr darf keine Religion gemacht werden, aber ein paar Grundsätze helfen. Meine Kinder und ich lieben das Essen. Wir wissen jedoch auch um das Wie, ohne dass wir damit die Umwelt kaputt machen. Das heisst nicht, dass bei uns nie eine Cola getrunken, Frites und Donuts gemampft oder eine Ananas zu Unzeiten gekauft werden. Aber: Das sind Ausnahmen, die die Bio-Regel von ‹Zeit haben, miteinander kochen und nachhaltig essen› bestätigen.»
Urs Heller
Chefredaktor «Gault Millau»
«Wer im ‹Gault Millau› punkten will, muss wissen, woher seine Produkte stammen. Uns imponieren Küchenchefs, die Lieferanten aus der Region gezielt fördern und fordern. Auch privat esse ich Bio; bessere Qualität ist mir den höheren Preis wert. Ich decke mich unter der Woche beim Grossverteiler ein. Am Samstag gehe ich am grossartigen Luzerner Wochenmarkt an der Reuss auf Entdeckungsreise.»
Isabella Schmid
Schauspielerin
«Ich esse sehr viel Bio-Produkte und schaue vor allem beim Fleisch, Gemüse und Obst darauf. Wenn ich wie in den letzten Monaten im Reisebus auf Tournee bin, halte ich auch nach Bio-Fertiggerichten Ausschau. Die kann ich mir im Hotelzimmer dann aufwärmen. Neben biologischen Anbauverfahren ist mir auch die Tierhaltung wichtig. Bei Eiern müssen es mindestens Freilandhühner sein.»
Peter Gomm
Regierungsrat, SP Kanton Solothurn
«Wer gerne isst und kocht, wie ich, der macht das am liebsten auch mit den richtigen Produkten - wenn mein Amt das zeitlich zulässt. Frisch, saisongerecht und wenn möglich regionaler Herkunft sind die Zutaten, die ich verwende. Auch das Auge kauft mit ein. Was mich auf dem Markt oder in den Regalen anlacht, hat grössere Chancen, im Einkaufskorb zu landen. Ich kaufe nicht nur Bio-Produkte. Sie haben, weil sie gesünder sind, aber ihren festen Platz in meiner Küche, wenn sie qualitativ zu überzeugen vermögen. Ich bin bereit, dafür auch etwas mehr auszugeben.»
Sybille Sager
Fernsehköchin
«Beim Nahrungsmittel-Einkauf binich sehr auf Bio. Da bei uns direktneben meiner Altstadtwohnungjeden Samstagmorgen ein Wochenmarkt stattfindet, kaufe ich meinGemüse, Früchte, Eier, Honig etc. beim Bio-Bauern ein. Der Fischhändler, der da ist, verkauft Bio-Forellen, die wir über alles lieben.»








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