freizeit&unterhaltung 

Perle 5: Des Nachts, auf dem bösen Weg

Text: Franz Bamert, Fotos: Yannick Andrea
Drucken Versenden
Auch als frommer Pilger führt Erwin Dirnberger durch die Schlucht.

Über Jahrtausende forderte die Viamala bei Thusis ihre Opfer. Heute ist die Schlucht nicht mehr jener «böse Weg», sondern schön. Schaurig schön. Besonders im Zwielicht.

Nur ja nicht hinaufschauen. Und hinunter auch nicht. Weit, weit oben scheinen die hohen Felswände im Nachthimmel über der Viamala zu wanken, unendlich tief unten in der dunklen Schlucht faucht der Rhein. Und dazwischen bewegen sich seit Jahrtausenden kleine Menschlein. Huren und Heilige, Pilger und Krieger, Händler und Dichter sind durch diese Schlucht bei Thusis GR gezogen und haben sich vor den Naturgewalten gefürchtet.

Viamala Notte

1 / 9

Die Viamala-Notte beginnt mit einer Postautofahrt ins Herz der Schlucht.

viamala-notte03_YAN2852.JPG viamala-notte03_YAN2852.JPG

Viamala Notte

2 / 9

Dort taucht aus dem Nichts der Chronist Erwin Dirnberger auf.

viamala-notte06_YAN2865.JPG viamala-notte06_YAN2865.JPG

Viamala Notte

3 / 9

Der Einheimische nimmt die Zuschauer gefangen und auf eine Reise durch die Jahrtausende mit.

viamala-notte13_YAH9537.JPG viamala-notte13_YAH9537.JPG

Viamala Notte

4 / 9

Einmal macht er Halt bei den Römern, dann wieder – wie hier – in den Anfangszeiten des Tourismus.

viamala-notte19_YAN2972.JPG viamala-notte19_YAN2972.JPG

Viamala Notte

5 / 9

Hier macht die Viamala – der Schlechte Weg – ihrem Namen alle Ehre.

viamala-notte20_YAN2980.JPG viamala-notte20_YAN2980.JPG

Viamala Notte

6 / 9

Bei der Reise durch die Zeit riskiert nur der Guide seinen Hals - die Zuschauer sind immer auf der sicheren Seite.

viamala-notte24_YAH9621.JPG viamala-notte24_YAH9621.JPG

Viamala Notte

7 / 9

Im 2. Weltkrieg war die Viamala ein vermintes Bollwerk gegen die italienischen Faschisten.

viamala-notte34_YAH9711.JPG viamala-notte34_YAH9711.JPG

Viamala Notte

8 / 9

Durch die Viamla kamen Huren und Händler, Militär und auch Heilige.

viamala-notte43_YAN3064 Kopie.JPG viamala-notte43_YAN3064 Kopie.JPG

Viamala Notte

9 / 9

Um gegen den Lärm des Wassers anzureden, sind manchmal unkonventionelle Mittel nötig, wie etwa ein Megafon. Fotos: Yannick Andrea

viamala-notte46_YAH9715.JPG viamala-notte46_YAH9715.JPG

 

Auch in dieser warmen Sommernacht sind einige Menschen in diesem Nadelöhr zwischen Nord- und Südeuropa unterwegs. Aber freiwillig und ohne Angst. Der Ein-heimische Erwin Dirnberger führt sie durch die Geschichte des «Schlechten Wegs» und lässt die Geschichten wieder auferstehen, die sich hier abgespielt haben. Als Postillon und Forscher, als Soldat und Bauer, als Dichter oder Tourismusdirektor begleitet er seine Gäste in zwei Stunden durch Jahrtausende. Er zitiert Nietzsche und einen einheimischen Bauernbub, lässt den Mord eines Pfarrers an seiner Geliebten nochmals geschehen oder zeichnet das Bild des römischen Feldherrn Stilicho, der seine Männer durch die Schlucht trieb. Dirnberger hat nicht nur die entsprechenden Kostüme und das Wissen über die Schlucht, er hat vor allem Herzblut für «seine» Schlucht. Und auf einmal meint man tatsächlich die wiehernden Saumpferde abstürzen zu sehen. Plötzlich hört man das Horn des Postillons, langsam wird Vergangenheit gegenwärtig. Wenn dann noch die Sterne über dem Tal einer nach dem anderen zu leuchten beginnen, ein einsamer Pilger mit der Laterne auftaucht und gegen die Furcht anbetet, dann läuft es den meisten Teilnehmern kalt über den Rücken. Dagegen hilft heisser Tee, der mit hausgemachten «Totenbeinli», einem Nussgebäck, kredenzt wird.
Die Ängste früherer Generationen sind heute nicht mehr angebracht. Die Wege sind sicher und Dirnberger führt seine Gäste nicht in gefährliches Gelände. Man kann die Erzählungen des Einheimischen natürlich als längst vergangene Geschichten abtun. Doch manchmal hört man seltsame Geräusche: Einige sagen, das seien das Wasser und der Wind. Andere hingegen sind überzeugt, dass die klagenden Laute von den Geistern jener stammen, die in der Viamala abgestürzt sind. Wenn der Mond die hohen Felswände in ein fahles Licht hüllt und die verwitterten Tannen unheimliche Schatten werfen, sind selbst nüchtern denkende Menschen nicht mehr ganz sicher, was jetzt stimmt.


Viamala Notte

  
Das müssen Sie wissen
Die Nachtführung unter dem Titel Viamala Notte beginnt um 19.45 Uhr mit einer Postautofahrt beim Bahnhof Thusis und dauert rund zwei Stunden. Kosten: 39 Franken pro Person. Anmeldung erforderlich, da die Anzahl der Plätze beschränkt ist. Individuelle Sonderaufführungen sind für Gruppen auf Voranmeldung möglich.
Durchführungsdaten und weitere Informationen: info@viamala.ch, Tel. 081 651 11 34 oder unter: www.viamala.ch

 

Kommentar verfassen
* Pflichtfelder

Bitte übertragen Sie den Code in das Feld:
Bitte übertragen Sie den Code in das Feld

Sparen Sie bares Geld!
Die neuen Wochen-Aktionen:

Linard Bardill

Jede Woche eine neue Kolumne von Linard Bardill. Jetzt mitreden

Multimedia Beilage 2009

Hier finden Sie alles rund ums Thema Handy, TV, Musik, Digitalfoto und E-Books.
Zum ePaper

 

Symbol für den Aufstieg

Junge Menschen, von denen man hören und reden wird.
Mehr
 
© 2009 Coopzeitung