Die Pipa ähnelt der Laute und hat vier Saiten. Jing Yang kann darauf so virtuos spielen wie kaum eine andere. |
Die chinesische Laute Pipa tönt so, wie man sich chinesische Musik vorstellt. Jing Yang, eine der besten Pipa-Spielerinnen der Welt, wohnt in Luzern.
Coopzeitung: Wie fühlen Sie sich in der Schweiz?
Jing Yang: Sehr gut, wirklich. In der traditionellen chinesischen Kultur ist die Beziehung zwischen Mensch und Natur etwasvom Wichtigsten. Für mich ist die Schweiz deshalb wunderbar – um meine Musik zu machen, in mich zu gehen und neue Energien zu tanken.
Wohnen Sie schon lange in der Schweiz?
Seit 18 Jahren. Inzwischen bin ich sogar Schweizerin mit Heimatort Glarus!
Sie leben in Luzern. Was schätzen Sie an der Stadt?
Als ich das erste Mal nach Luzern kam, war ich von der Landschaft hin und weg – das war wie ein Gemälde! Die Schönheit und die Kraft der Natur haben mich überwältigt.
Aus welcher Gegend Chinas stammen Sie?
Ich bin in Zentralchina geboren, in Henan am südlichen Lauf des Gelben Flusses, der Wiege der chinesischen Zivilisation.
Kehren Sie noch nach China zurück?
Jedes Jahr gehe ich mit einer Gruppe von Schweizer Musikern auf Tournee.
Und erkennen Sie «Ihr» China jeweils wieder?
Alles verändert sich so schnell. Jeden Tag werden neue Gebäude hochgezogen, grössere, das eine schöner als das andere. Nicht einfach, da den Überblick zu bewahren ...
Wie sehen Chinesen die Schweiz?
Für die Chinesen ist die Schweiz das glücklichste Land der Welt. Die Chinesen bewundern die Harmonie, haben diesen Zustand selbst aber nicht erreicht: Ständig gibt es Streit und Kriege ...
Und in den Augen der Chinesen hat die Schweiz dieses Ideal erreicht?
Ja, die Schweiz führt keine Kriege. Das Land findet immer einen Weg, sie zu verhindern. Wir bewundern Organisationen wie das Rote Kreuz, die allen helfen, ungeachtet des Status, der Religion, der politischen Ausrichtung. Hier ist eine humanitäre Grundüberzeugung zu spüren, welche die Chinesen sehr schätzen.
Sie spielen Pipa. Was ist das für ein Musikinstrument?
Die Pipa ist ein Zupfinstrument der klassischen chinesischen Musik. Sie erscheint leicht, ist aber aus Massivholz und ziemlich schwer, was einen klaren und kräftigen Ton ermöglicht. Anfänglich wurde mit einem Holzplättchen gespielt. Beim Pí wird der Zeigefinger der rechten Hand von rechts nach links über die Saiten geschoben, beim Pá der Daumen in umgekehrter Richtung. Daher auch der Name Pipa.
Was kann uns die Musik geben?
Das Leben hat mich, besonders in den schwierigen Momenten, gelehrt, dass die Musik meine beste Freundin ist. Die Musik ist auch eine Heimat, ein Ort der Ruhe. Plötzlich spielt jemand einen Ton, eine Melodie, und wir fühlen uns wie zu Hause.








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