Jürg Peritz, Leiter Marketing / Beschaffung und Mitglied der Geschäftsleitung |
Frank M. Rinderknecht, Gründer und CEO der Rinspeed AG |
Boom bei E-Bikes |
Entspannt per Bahn reisen und vor Ort unabhängig mobil sein – mit dem «Urban Commuter» wäre dies möglich. Noch dazu ganz abgasfrei.
Wer mit dem Auto im Stau steht, würde gern im Zug sitzen. Wer abgehetzt vom Umsteigen zwischen Bus, Bahn und Tram ankommt, wäre lieber im Auto gefahren. Ein Verkehrsmodell, das die Vorteile von Auto und Bahn vereint, hat die Schweizer Ideenschmiede Rinspeed in Zumikon ZH mit der Unterstützung von Coop entwickelt.
Der Rinspeed «UC?» wird in zwei Wochen am Genfer Autosalon zu sehen sein: Ein knapp 2,60 Meter kurzer Zweisitzer, der Sie mit seinem abgasfreien Elektroantrieb umweltschonend von zu Hause zum nächsten grossen Bahnhof bringt. Dort fahren Sie direkt in einen Intercity-Spezialwaggon; den Platz haben Sie zuvor via Internet reserviert. Während der Fahrt werden die Akkus des Autos geladen, mit dem Sie danach sauber und leise vom Bahnhof ans Ziel fahren. «UC?» ist die Abkürzung für den englischen Begriff «Urban Commuter», was sinngemäss als «Stadt-Pendler» zu übersetzen ist. Wenn man es ausspricht, klingt es aber auch wie «You see?» – «Sehen Sie?»
Was da zu sehen ist, wirkt schon ein wenig utopisch. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Transportkapazität des Schweizer Schienennetzes bereits jetzt am Limit ist. Doch Frank M. Rinderknecht, geistiger Vater des «UC?», lässt sich nicht beirren: «Ohne verrückte Visionen kommen wir auf dem Weg zu nachhaltiger Mobilität nicht voran», sagt er. «Und in den USA beispielsweise sind die Rahmenbedingungen völlig anders. Dort wird aktuell sehr viel Geld in den Ausbau des Schienenverkehrs investiert.»
In seinem Büro hoch über dem Zürichsee erklärt der Rinspeed-Chef, wie er sich die Zukunft der E-Mobilität vorstellt. Der Energieverbrauch wird intelligent gesteuert – nicht nur im Fahrzeug selbst, sondern auch im Austausch mit dem Stromnetz. Die Akkus der Elektroautos können mehr Energie zwischenspeichern, als für die nächste Fahrt gebraucht wird. Den Überschuss stellen sie bei Bedarf wieder dem Stromnetz zur Verfügung.Unrealistisch sind diese Ideen nicht. «Elektromobile werden übermorgen den Verkehr beherrschen» – diese Prognose von Verkehrsminister Moritz Leuenberger war vor drei Wochen am 1. Schweizer Forum Elektromobilität in Luzern zu hören. Mehrere Autokonzerne haben bereits Modelle mit Elektroantrieb zur Marktreife entwickelt.
Ein «Stromer» ist auch das derzeitige Lieblingsspielzeug umweltbewegter Hollywood-Stars: der 130 000 Franken teure Tesla Roadster. Von solchen Exoten hält Rinderknecht allerdings nicht viel. Er hat sein Konzept «UC?» für den Massenmarkt entwickelt; als Basis diente der Fiat 500. Eine Reichweite von maximal 105 Kilometern und bis zu 120 km/h Geschwindigkeit – mehr braucht es nicht für die täglichen Fahrten im Agglomerationsverkehr, und das reicht auch für die Fahrt zum Einkaufszentrum. Somit wäre auch klar, warum Coop das Konzept Rinspeed «UC?» unterstützt (s. Interview unten).
Rinderknecht betrachtet dies als Innovationspartnerschaft: «Das Engagement von Coop für biologische und nachhaltige Produktion ist vorbildlich. Und Coop-Einkaufszentren könnten eine wichtige Rolle spielen beim Aufbau der Infrastruktur für die Elektromobilität.» Ladestationen auf dem Parkplatz wären eine attraktive Dienstleistung für Kunden mit Elektroautos. Und so würde die Idee des «Urban Commuter» auch Sinn machen, wenn der Schienenverkehr nicht eingebunden werden kann. In jedem Fall wäre es ein Gewinn für die Umwelt.
Coop setzt Zeichen
Bio-Äpfel und Öko-Waschmittel kennt jeder. Doch Coop fördert auch Windkraft und Biogas. Ziel ist die CO2-Neutralität bis 2023.
Coopzeitung: Warum fördert Coop ein Mobilitätskonzept?
Jürg Peritz, Leiter Marketing/Beschaffung und Mitglied der Geschäftsleitung: Schon 1993 hat Coop das Bedürfnis der Kundschaft nach Bioprodukten aufgegriffen und «Naturaplan» lanciert. Heute sind wir Marktführer im Schweizer Biomarkt. Beim Klimaschutz ist Coop ebenfalls Pionier- und Schrittmacher: Bis 2023 wollen wir CO2-neutral sein. Verkehr und Transport sind dabei wichtige Themen.
Was kann Coop konkret für den Klimaschutz tun?
Wir haben die energetische Sanierung von Verkaufsstellen und die Erneuerung des Fahrzeug-parks beschleunigt. Wir beziehen den gesamten Strom nur noch aus Wasserkraft. In Schönenwerd SO haben wir erstmals eine Coop-Verkaufsstelle nach Minergie-Standard gebaut. Alle weiteren Neu- und Umbauten entsprechen diesen Kriterien. Unsere Logistik setzt Biogas ein, macht weniger Leerfahrten und verlagert Transporte von der Strasse auf die Schiene und vom Flugzeug aufs Schiff.
Und welche Rolle hat das E-Mobil von Rinspeed?
Coop fördert gezielt nachhaltige Projekte wie etwa den Windenergie-Park am Grimselpass. Das Konzept «UC?» von Rinspeed ist ein weiterer Schritt auf diesem Weg. Und Coop ist davon überzeugt, dass sich dieses Engagement lohnt – für alle!
Mit Rückenwind: Boom bei E-Bikes
Bequem unterwegs mit günstiger Energie aus der Steckdose – so macht Velo fahren Freude!
Bei den Zweirädern mit elektrischem Hilfsmotor ist von einer Wirtschaftskrise nichts zu spüren: Während in den Jahren zuvor 1000 bis 2000 Stück pro Jahr einen Käufer fanden, stiegen die Verkäufe 2008 auf 13 000 an. Im vergangenen Jahr hat sich die Zahl mehr als verdoppelt: 27 000 E-Bikes wurden 2009 in der Schweiz abgesetzt. Bei Coop Bau + Hobby wird aus diesem Grund nun das E-Velo-Sortiment weiter ausgebaut: Rechtzeitig zur kommenden Zweiradsaison sind drei Modelle erhältlich.










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