So isst Alex Frei: Der Captain der Schweizer Nati hat der Coopzeitung verraten, wie er sich vor einem Spiel ernährt.
Coopzeitung: Ein Fussballspiel ist ganz schön kräftezehrend. Wie
sorgen Sie dafür, dass Sie 90 Minuten lang Energie haben?
Alex
Frei: Bei uns im FCB ist es so, dass wir immer vier Stunden vor dem
Match etwas essen. Wenn wir um 16 Uhr spielen, dann essen wir um 12
Uhr. Es gibt ein Buffet mit Salat, Teigwaren, Reis, Kartoffeln, oft
Poulet, manchmal Rind oder Kalb. Schweinefleisch gibt es selten, weil es
in jeder Mannschaft mittlerweile ein oder zwei Muslime hat. Als Dessert
gibt es einen Fruchtsalat.
Teigwaren, der Tipp für gute Leistungen?
Ja, aber mit Bedacht. Die Leute meinen immer, Kohlenhydrate seien
gesund. Aber man muss sie auch verbrennen.
Und wie ist es in der Nationalmannschaft?
In der Nationalmannschaft spielen wir meistens um 20 Uhr. Davor essen
wir zwei Mahlzeiten: Am Mittag um zwölf oder halb eins gibt es
Teigwaren, Bouillonsuppe, Poulet und Ähnliches. Um 16 Uhr, vier Stunden
vor dem Match, gibt es noch einmal eine Mahlzeit mit Teigwaren und
Fruchtsalat.
Die Mahlzeit gibt es vier Stunden vor dem Match – essen Sie
nichts mehr, bis Sie auf dem Rasen stehen?
In der Garderobe vor dem Spiel esse ich meistens noch eine
Banane. Dazu trinke ich Wasser mit Magnesiumpulver; aber nicht so viel.
Vor dem Match trinke ich immer einen Kaffee. So eine halbe Tasse oder
einen halben Becher. Für mich ist das das Richtige. Vom
ernährungswissenschaftlichen Standpunkt her ist das vielleicht nicht so
gut, aber das ist mein Ding. Klar trinke ich Wasser oder ein
isotonisches Getränk, zum Beispiel Gatorade. Aber nicht so viel wie die
anderen Spieler. Ich habe lieber einen halben Becher Kaffee.
Und während des Spiels?
Während des Spiels können wir in Spielpausenmanchmal zu
einem Bidon greifen. Zur Verfügung stehen immer Wasser oder isotonische
Getränke. Mir hinterlassen die isotonischen Getränke aber immer einen
klebrigen Geschmack im Mund, deshalb trinke ich lieber nur Wasser.
Während eines Spiels trinke ich aber fast nie etwas. Ausnahmen waren die
WM 2004 oder die EM 2006, als es 30, 35 Grad auf dem Platz hatte. Ich
bin kein guter Trinker. Ich nehme nach dem Match auch keinen der
Regenerationsdrinks. Das hat mir nie geschmeckt und ich bin dann noch so
in einer Anspannung, dass ich das auch nie ertragen habe.
Holen Sie das nach dem Spiel nach?
Nach dem Match, auch erst im Hotel, muss ich mich zwingen, etwas zu
essen. Ich brauche da schon zwei, drei Stunden. Ich bin kein guter Esser
nach dem Spiel.
Wie sieht es zwischen den Spielen aus? Ernähren Sie sich immer
so gesund?
Am Tag vor dem Match und am Matchtag ist mir die
Ernährung schon sehr wichtig. Mir liegt aber daran, dass es nicht
einfach Ernährung ist, sondern Essen. Ich lege enorm Wert auf gutes
Essen. Das können auch mal Pommes frites sein, aber nicht am Matchtag.
Meine Mitspieler schöpfen sich immer alles auf einen Teller. Ich esse
immer zuerst einen Teller Teigwaren, dann einen Teller Salat und erst
dann einen Teller Kartoffelstock oder so. Ich habe gerne einen schönen
Teller und nehme es in Portionen.
Und wie sieht das Menü von Alex Frei unter der Woche aus?
Unter der Woche achte ich einfach auf eine ausgewogene
Ernährung, nicht fettreich oder so. Es ist wichtig, dass der Körper
qualitativ gute Ernährung bekommt. Aber mein Körper weiss auch, dass es
noch andere Dinge gibt ausser Teigwaren und Poulet. Es kann auch mal
eine Bratwurst, eine Blutwurst oder so sein. Ich esse also alles, bis
einen Tag vor dem Match, dann konzentriere ich mich auf die richtige
Ernährung. Wenn du eine Blutwurst isst vor dem Spiel, dann kannst du
nicht mehr rennen.
Was essen Sie zum Frühstück? Gibt es ein Alex-Frei-Müesli?
(lacht) Nein, nein. Zu Hause gibts zum Zmorge ein Stück Brot mit Butter
und Konfi und eine kalte Schoggi. Kaffee gibt’s erst in der Kabine. Ich
esse aber auch viele Früchte. Aber saisongerecht: Im Dezember esse ich
keine Erdbeeren. Ich esse zu Hause schon Zmorge, aber im Hotel mit der
Nati oder mit dem FCB geniesse ich das Frühstück mehr. Vielleicht auch
deshalb, weil ich es dann nicht selbst machen muss und das gemeinsame
Frühstück auch Spass macht.
Bei Dortmund konnten wir immer auf dem Trainingsgelände Zmorge essen.
Die Frau des Abwarts hat uns da das Frühstück vorbereitet. Wenn die
ganze Mannschaft zusammen richtig isst, dann steigt auch die Qualität
des Trainings. Es gibt Spieler, die essen nie richtig. Das ist
vielleicht ihr Ding, auf die Länge ist es aber wohl nicht wirklich klug.
Sind Sie für die jungen Spieler ein Vorbild? Oder geben Sie
ihnen Tipps?
Den Jungen muss ich nichts sagen. Die wissen das sehr genau.
Ich würde vielleicht etwas sagen, wenn einer vor einem Spiel eine Glace
essen würde ... aber die Jungen essen heute nicht mehr falsch. Die sind
so gut geschult aus den Jugendmannschaften.
War das noch nicht so, als Sie noch Junior waren?
Ich selbst bin schon vom Elternhaus her verwöhnt worden.
Mein Vater, meine Eltern generell haben beim Essen nie gespart. Nicht
dass es immer Rindsfilet gegeben hätte. Aber das Gemüse war frisch und
kam vom Bauern. Wir hatten die Möglichkeit, uns sehr gesund zu ernähren.
Unsere Eltern haben uns immer gelehrt, dass wir uns nicht ernähren:
sondern wir essen.
Steckbrief: Alex Frei
Geboren: 15. Juli 1979 in Basel
Beruf: Fussballer (Stürmer), abgeschlossene Lehre als
Kaufmann
Wohnort: Binningen BL
Zivilstand: in festen Händen
Grösse: 180 cm
Gewicht:
75 kg
Aktueller Verein: FC Basel
Karriere: 1987–88
FC Begnins (Junioren); 88–95 FC Aesch (Junioren); 97–98 FC Basel; 98–99
FC Thun; 99–00 FC Luzern; 00–03 Servette; 03–06 Stade Rennais (F);
06–09 Borussia Dortmund (D).
Erfolge: 2000 Rookie of the Year;
2001 Cupsieg mit Servette Genf; 2002 Halbfinal U21-EM in der Schweiz;
2004 Teilnahme an der EM in Portugal, Credit Suisse Player of the Year
(bester Schweizer Spieler im Ausland); 2005 Torschützenkönig in
Frankreich mit 20 Treffern, Credit Suisse Player of the Year.
Nationalmannschaft:
Debüt am 24. März 2001 (gegen Jugoslawien in Belgrad, 1:1) , bis heute
73 Spiele, 40 Tore www.alexfrei.ch







