In den Hügeln oberhalb von Nizza weht ein angenehmer Wind. Hier, in der «Domaine du Prieuré», hat sich die Engländerin Joanna Millar ihr eigenes kleines Paradies eingerichtet. Imposante Kletterrosen, Wildrosen, Iris, Gladiolen und alte Olivenbäume wachsen rund um das 200-jährige Farmhaus. Als Joanna Millar und ihr Ehemann das Grundstück 1969 kauften, war das Haus renovierungsbedürftig und der Garten völlig verwildert. «It was a disaster», sagt die Britin, und erzählt, wie sie die anderthalb Hektar Land in jahrzehntelanger Arbeit zu dem Schmuckstück gemacht haben, das es heute ist.
Während sie durch den Garten führt, weiss sie zu jeder Pflanze, zu jeder Blume eine Geschichte zu erzählen. Ihren schönsten Strauch aus Wildrosen, eine riesige Kletterrose, kann sie aber nicht benennen. Selbst der berühmte Botaniker und Rosenkenner Martyn Rix hätte ihr da nicht weiterhelfen können. Er vermutete aber eine Kreuzung aus Brunonii und Gigantea. Stolz zeigt Joanna Millar dann auf zwei Eukalyptusbäume. Sie sind aus Samen entstanden, die sie einst eigenhändig eingepflanzt hat. Auch zur Geschichte des alten Anwesens weiss die Engländerin einiges zu erzählen. Etwa, wie Anfang der 1940er- Jahre der französische Poet und Drehbuchautor Jacques Prévert einige Zeit in der Prieuré lebte. Ein Teil des Filmes «Les Visiteurs du Soir» wurde gar in diesem Garten gedreht. Die passionierte Gärtnerin arbeitet noch heute täglich mit ihren Pflanzen. An drei Tagen wird sie von Gärtnern unterstützt. Dennoch sagt sie in typisch britischem Understatement: «Es ist ein einfacher Garten. You know, it’s just a hobby!»
Ob Sir Thomas Hanbury seinen botanischen Garten am Cap Mortola auch ein Hobby nannte? Der Engländer hatte im 19. Jahrhundert durch den Handel mit Gewürzen, Tee und Seide in China ein grosses Vermögen gemacht. 1867 erwarb er das Grundstück mit dem verfallenen Palazzo. Die Familie Hanbury interessierte sich sehr für die Heilwirkung von Pflanzen und importierte Exemplare aus allen Teilen der Welt. Verschiedenste Agavenarten, Aloe, Yuccapalmen, Eukalyptusbäume und Akazien säumen die Wege zum Meer hinunter. Zwischendurch leuchtet ein sattviolettes Meer an Mittagsblumen und etwas weiter unten ranken sich Pass-ionsblumen um metallene Bögen.
Heute gehört der botanische Garten auf der italienischen Seite der Côte d’Azur der Universität von Genua. Und heute sind statt der 65 Gärtner zu Zeiten der Hanburys nur noch 10 Gärtner angestellt. Trotzdem fühlt man sich gleichsam in eine andere Welt hineinversetzt, wenn man zwischen all den Pflanzen, vorbei an kleinen Brunnen und Statuen lustwandelt, bis man am Palazzo in der Mitte des Anwesens ankommt. Unten beim Meer geht die Reise sogar noch etwas weiter in die Vergangenheit. Ein Stück eines alten Römerweges führt dort durch den Garten.
Zurück in Frankreich, in Menton, hat sich Major Lawrence Johnston 1924 ein ähnlich imposantes Gartenparadies erstellt. Der in Paris geborene Amerikaner hatte zuvor schon in Südengland einen Garten gestaltet, der als wegweisend in der Gartenarchitektur gilt. Er unternahm unzählige Reisen mit dem einzigen Ziel, neue und exotische Pflanzen zu finden, die er im «Serre de la Madone» pflanzen konnte. Nach seinem Tod 1958 kümmerte sich niemand mehr wirklich um seinen Garten. Seinen Erben fehlte das nötige Kleingeld, um ihn zu unterhalten. 1999 kaufte ihn die Stiftung «Conservatoire du littoral» und diese begann, den verwilderten Garten Stück für Stück in seinen ursprünglichen Zustand zu bringen. Doch genau diese überwucherten Teile des Gartens, die verwitterten Steinskulpturen, die knorrigen Bäume und das nostalgisch anmutende Treibhaus machen den Charme dieser eindrücklichen Anlage aus.
Gerade im Frühling, wenn es an der Côte d’Azur so angenehm warm, aber doch noch nicht drückend heiss ist, versteht man, weshalb sich vor 150 Jahren europäische Adlige, Schriftsteller und Künstler gerne an der Riviera trafen. In den Hügeln oberhalb von Nizza und Monaco weht immer ein leichter Wind und man hat einen herrlichen Blick auf das azurblaue Mittelmeer. Dies bewog auch die Baronin Béatrice Eph-russi, geborene Rothschild, sich auf der Halbinsel Cap Ferrat niederzulassen. 1905 erwarb sie hier ein sieben Hektar grosses Grundstück und liess sich ein Haus errichten, das an einen italienischen Palazzo erinnerte. Im Andenken an eine Reise wollte sie den Garten in Form einer Schiffsbrücke anlegen lassen.
Heute ist dieser französische Garten das Herzstück der parkähnlichen Gartenanlage. Von einem kleinen Hügel mit «Liebespavillon» strömt das Wasser über moosbewachsene Steine hinunter in ein langes Bassin, das geradewegs auf die Villa, den Palazzo hinzeigt. Der Garten ist von akribisch geschnittenen Buchshecken eingefasst. Und zwischendurch erwacht der Ort plötzlich zum Leben. Es ertönen Klänge von Mozart und im Bassin beginnt ein Wasserspiel, dessen Choreografie genau auf die Musik abgestimmt ist. Verlässt man den inneren Teil der Anlage, kommt man in eine völlig andere Welt. Rundherum sind acht verschiedene Themengärten angelegt. Im japanischen Garten etwa liegt ein Teich mit Koi-Karpfen zwischen Azaleen, Palmfarnen und Gardenien. Etwas weiter kommt man zum Rosengarten, der im Frühsommer in seiner ganzen Pracht zu bewundern ist. Der provenzalische Garten überzeugt weniger durch satte Farben, sondern durch seine Düfte. Es riecht nach Zitronenmelisse, nach Thymian und Salbei. Die Kräuter wachsen zwischen ein paar knorrigen Olivenbäumen.
In diesem Garten atmet alles den nostalgischen Duft einer anderen Zeit. Dabei wurden das Haus und der Garten erst im Jahr 1912 fertiggestellt. Doch Béatrice Ephrussi de Rothschild war eine grosse Bewunderin des 18. Jahrhunderts und gestaltete das Dekor des ganzen Hauses und des Gartens im Stil dieser Epoche. Zudem sammelte sie Kleider, Kunstwerke, Porzellan und Möbelstücke aus dieser Zeit, die heute alle im Haus zu bewundern sind. Man erzählt sich übrigens, dass die exzentrische Baronesse es liebte, auf der Loggia zu sitzen und ihren 30 Gärtnern zuzusehen, die adrett wie Marinesoldaten gekleidet waren. Wenn man heute vom oberen Stock des Hauses auf den Garten blickt, kann man es ihr wahrlich nicht verdenken.