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Die eigenen Texte mit anderen diskutieren, Schreibtipps bekommen und auf neue Ideen kommen – das schätzen die Kursteilnehmerinnen sehr.

Journalistin Sonja Bonin leitet den Biografiekurs in Zusammenarbeit mit Veranstalter Steven Schneider.

Biografiekurs - Geschichten, die das Leben schrieb

Teilnehmerinnen berichten über ihre Erfahrungen in den Biografiekursen, die unser Kolumnistenpaar Schreiber-Schneider in ihrem Geschichtenhaus «Hirschli» organisiert.

Vera (vorne rechts) und Ursi tauschen Familienerinnerungen aus, Gabi arbeitet am digitalen Fotobuch.

Eine Schatulle voller Familiengeheimnisse – das erbte Clairelise von ihrer Mutter. «Es dauerte einige Wochen, bis ich bereit war, hineinzuschauen. Ich fand Briefe, die mich richtiggehend erschütterten.» Danach wusste sie, wessen Lebensgeschichte sie erzählen will. Das war ihr noch nicht klar gewesen, als der Biografiekurs begann. «Ich hatte mich einfach so angemeldet, weil ich gerne schreibe.»  

Sieben Frauen sind es, die unter der Leitung der Journalistin Sonja Bonin im Geschichtenhaus «Hirschli» im aargauischen Bad Zurzach im Verlauf eines knappen Jahres eine Biografie erarbeiten. Ihre Gründe dafür sind sehr unterschiedlich. Ursula möchte sich mit ihrer eigenen Geschichte auseinandersetzen. Gabi und Vera wollen für ihre Kinder Erinnerungen zusammentragen. Bettina erfüllt den letzten Wunsch einer verstorbenen, jüdischen Frau und hält deren bewegtes Leben für die Nachwelt fest. Barbara schreibt über ihren längst verstorbenen Grossvater. Er war Verdingbub und spielte später eine wichtige Rolle in der Schweizer Politik. Und Ursi hat sich vorgenommen, die Aufzeichnungen ihrer Mutter zu sammeln und in eine gut lesbare Form zu bringen.

Ursis Mutter, die ein einfaches Leben als Bäuerin geführt hat, überhäuft ihre Tochter richtiggehend mit Notizen. «Kürzlich konnte sie aber nicht mehr weiterschreiben, weil sie weinen musste. Die Erinnerung daran, wie ihr Bruder an Fieber gestorben ist, war einfach  zu viel für sie», erzählt Ursi. Der Rückblick aufs eigene Leben kann durchaus schmerzhaft sein. Das merkte auch Clairelise: «Ich habe vor einigen Jahren versucht, meine Lebensgeschichte aufzuschreiben, kam aber nicht vom Fleck. Da ist zu viel, was ich noch nicht verarbeitet habe. Ich schreibe lieber über meine Mutter.»

Barbara steht vor einem ganz anderen Problem: «Ich habe nur ein unklares Bild von meinem Grossvater. Er war wohl der Typ ‹harte Schale, weicher Kern›. Viel mehr weiss ich aber nicht. Ich fand nur Postkarten, auf denen mehr oder weniger das Gleiche stand, alles vollkommen unpersönlich.» Barbara muss versuchen, das Leben ihres Grossvaters auf andere Art zu rekonstruieren. Als Historikerin legt sie grossen Wert darauf, möglichst genau zu recherchieren, besucht öffentliche Archive und macht Anfragen bei Behörden.
Auch Bettina hat schon einen Berg von Fakten zusammengetragen und überlegt sich, noch einmal nach Israel zu reisen. «Ich weiss gar nicht, wie viel ich über die Geschichte des Landes schreiben soll.»

Heute, am achten Kurstag, verfügen die Teilnehmerinnen bereits über eine Masse von Informationen. Nun gilt es, herauszufinden, wie diese aufbereitet werden sollen. Einen Versuch haben die Frauen bereits gewagt und einen mehr oder weniger langen Text geschrieben. «Ich habe keine Ahnung, ob das überhaupt jemand lesen mag», sagt Barbara. Die Kursleiterin rät ihr, sich darüber nicht so viele Gedanken zu machen:
«Schreibt das, was ihr schreiben wollt, was ihr schreiben müsst. Sich zu verbiegen, um es der Leserschaft recht zu machen, bringt nichts.»
Ein paar Tipps, wie ein Text attraktiv gestaltet werden kann, gibt Sonja Bonin den Teilnehmerinnen dennoch – im Gespräch und mithilfe von Übungen. Es wird lebhaft diskutiert über gute und schlechte Titel, darüber, wie Zitate eingesetzt werden können und wie man mit Kritik umgeht. Auch  die Frage, ob die Ereignisse zwingend in der chronologischen Reihenfolge festgehalten werden müssen, interessiert die Frauen. Sonja Bonin findet, dass dies nicht sein muss: «Eine amerikanische Schriftstellerin hat in vier Büchern über ihr Leben geschrieben, immer unter einem anderen Blickwinkel. Ein Buch handelte etwa von ihren Träumen, ein anderes davon, wie sie ihre Kinder im Ausland aufgezogen hat.»

Briefe, Fotos, Tagebücher, Souvenirs, Bücher und alte Zeitungen helfen, in die Vergangenheit einzutauchen.

Wenn viele aussagekräftige Briefe vorhanden sind, kann man eine Biografie in Form einer Korrespondenz erzählen. «Natürlich muss man das Ganze noch bearbeiten und auf die interessanten Stellen reduzieren», erklärt Kursveranstalter Steven Schneider. Als Beispiel spielt er professionell vertonte Passagen aus dem Briefwechsel von Verwandten seiner Frau, Sybil Schreiber, vor. Auch Gabi hat für ihre Familiengeschichte eine besondere Form gewählt: Sie macht ein digitales Fotobuch und ergänzt die Bilder mit Anekdoten. Vera ist begeistert: «Allein wär ich nie auf die Idee gekommen. Ich mache das auch so.»

«

Meine Mutter gibt mir immer wieder neue Bilder fürs Fotobuch.»

Gabi gestaltet ein Fotobuch am Computer.
«

Als ich die Briefe meiner Mutter las, war ich richtig erschüttert.»

Clairelise schreibt für Kinder und Enkel über ihre Mutter.
«

Von Grossvater sind leider nur Postkarten erhalten.»

Barbara ist dem Leben ihres Grossvaters auf der Spur.
«

Wenn ich mit Schreiben nicht weiterkomme, bastle ich.»

Ursula setzt sich mit ihrem Lebensweg auseinander.
«

Ich habe gemerkt, dass ich gar nicht so viel über Israel weiss.»

Bettina erfüllt den letzten Wunsch einer verstorbenen Frau.
«

Später werden sich meine Kinder sicher dafür interessieren.»

Vera gibt ihren Kindern Einblick in ihr bewegtes Leben.
«

Meine Mutter weinte, als sie über den Tod ihres Bruders schrieb.»

Ursi sammelt und überarbeitet die Notizen ihrer Mutter.

Wie dokumentieren Sie Ihr Leben?
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Biografisch schreiben

Sybil Schreiber und Steven Schneider bieten in ihrem Geschichtenhaus «Hirschli» im historischen Kern von Bad Zurzach (Kanton Aargau) Kurse für biografisches Schreiben an.

Je nach Bedürfnis können Sie zwischen verschiedenen Kursarten wählen:

  • Jahreskurs: An zwölf Kurstagen bleiben Sie an Ihrem Projekt dran und werden von der Themenwahl bis zur Präsentation begleitet und immer wieder angeleitet. Sie bekommen Tipps und machen Übungen zu den Themen: Themenwahl, Strukturierung, Recherche, Schreiben, Interviewtechnik, Spannungsbogen, Publikationsmöglichkeiten und mehr.
  • Tageskurs: An einem Tag erfahren Sie das, was Sie brauchen, um in die Geschichte einzutauchen, die Sie schreiben möchten.
  • Fortsetzungskurs: Wer bereits einiges geschrieben hat oder den Tageskurs besucht hat, kann die Kenntnisse vertiefen und sich mit anderen Schreibenden austauschen.
  • Weitere Kurse: Geboten wird eine Auswahl von weiteren Kursen rund ums Thema Biografie: «Erinnerungsarbeit», «Das Bild des Lebens», «Was ist Wahrheit?», «Ein Leben in Reimen».

Mehr Informationen unter Telefon 056 249 08 11 oder unter folgendem Link:

Webseite von Schreiber und Schneider

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Anna Bähler

ehemalige Redaktorin

Foto:
Christian Lanz
Veröffentlicht:
Montag 20.02.2012, 10:48 Uhr

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