
Abschlussnotiz aus der Redaktion
Lieber Martin Ganz herzliche Gratulation zur Beendigung des Transeurope Laufs. Und vielen herzlichen Dank für die tollen Blog-Beiträge. Wir freuen uns, dich demnächst wieder zum Über-Mittag-Lauf in der Garderobe von Coop begrüssen zu dürfen. So wie wir dich kennen, werden wir ja nicht lange auf dein Erscheinen warten müssen. Hier der Vollständigkeit halber noch die Schlussrangliste. Zurückgelegt: 64 Etappen / 4486 km Durchschnittliche Etappenlänge: 69,8 km (kein Ruhetag) Am 19. April in Bari (Italien) gestartet: 68 Läuferinnen und Läufer Am 21. Juni im Ziel am Nordkap (Norwegen): 6 Läuferinnen und 39 Läufer Martin Wagens Rang: 7. Zeit: 438:42:26 Stunden, 5:52 Minuten/km Rückstand auf den Sieger, den Deutchen Rainer Koch: 60:29:42 Stunden Die übrigen Schweizer: 15. Markus Bernhard 505:40:19, 17. Christian Fatton 517:16:27, 33. Christian Marti 615:13:23. Die schnellste Frau: Takako Furuyama (Japan) 529:06:05. Ausführliche Schlussrangliste kuckst du hier
64. Etappe: Honningsvåg - Nordkap, 45.7 km, gesamt: 4486.3 km
Noch einmal kurz vor 5 h aufstehen, noch einmal sich mit diversen kalten Crèmes einschmieren, noch einmal über 45 Kilometer gegen Wind und Regen kämpfen, dann haben wir es geschafft…
4 °C am Morgen im Windschatten. Wir fahren mit einem Car bzw. mit den privaten Fahrzeugen wieder zum Ziel von gestern zurück, zur Zahlstelle des Fjordtunnels. Um 6:30 h starten wir für einmal alle gemeinsam. Es ist wieder äusserst windig aber zu Beginn noch kein Problem. Sogar die Sonne scheint zwischendurch und wärmt. Dann geht es durch den Honnigsvåg-Tunnel, an der kleinen Stadt vorbei in Richtung Nordkap. Die Landschaft ist traumhaft schön und wird immer wilder. Bäume hat es längst keine mehr, dafür um so mehr Rentiere. Den ganzen Tag über sehen wir kleinere bis grössere Herden. Nach etwa 25 Kilometer geht es in Serpentinen steil rauf und der Wind legt zu Sturmstärke zu. Zudem setzt immer mal wieder Regen ein, später Graupelschauer. Es ist wieder eisig kalt und vor allem äusserst schwierig, sich auf der Strasse zu halten. Immer wieder werde ich vom Wind komplett gestoppt bzw. zur Seite gedrängt. Einen solchen Wind habe ich selten erlebt, definitiv jedoch noch nie beim Laufen. Wir kämpfen uns natürlich dennoch weiter, es geht ja allen gleich und wir wollen endlich ankommen?!
Recht schnell kommen auf der kurzen Etappe dann die letzten 10 Kilometer. Ich gebe alles gegen den Wind. Es geht den letzten Berg rauf, dort oben ist das finale Ziel. Dann taucht die Zahlstelle auf für den happigen Eintritt zum Nordkap (wir zahlen nichts) und kurz darauf das Restaurant. Noch ein paar Meter und wir haben es. Mein französischer Freund Stephane wartet auf mich und wir laufen gemeinsam ein. Das Ziel ist gleich vor der berühmten stählernen Erdkugel. Das Gefühl ist nicht zu beschreiben. Nicht mehr laufen zu müssen ist die grösste Freude! Ich beende meinen 3. Transkontinentallauf übrigens auf dem für mich persönlich sehr guten 7. Platz. Auch wenn traditionell andere auf dem heimischen Sofa dies anders sehen, mein Ziel ist mehr als erreicht. Nur der Platz ist mir da ziemlich egal. Hauptsache angekommen!!!
Danach ist Sightseeing angesagt. Ein toller Film wartet auf die Besucher, Shops und natürlich das berühmte Fenster in der Felswand. Durch dieses Fenster habe ich vor zwei, drei Jahren schon mal geschaut. Damals von der anderen Seite, von einem kleinen Segelschiff.
Heute Abend gibt es um 18 h noch ein Fest und vermutlich eine Siegerehrung in einem Hotel in Honningsvåg. Mitten in der Nacht reisen dann die meisten per Car nach Alta, um danach den Flieger nach Hause zu nehmen. Wir haben noch Ferien, welche wir in Norwegen verbringen. Gemütliches Nachhauseschippern und vor allem eine wunderbare Gelegenheit, richtig anzukommen. Zurzeit bin ich es noch nicht. Viel zu viele Eindrücke sind zu verarbeiten. Ich kann aber jetzt schon sagen, dass es ein toller Lauf und eine harte aber schöne Zeit war. Der Lauf war wirklich gut organisiert und geleitet, überhaupt kein Vergleich zum Trans Europa Lauf (Lissabon – Moskau) 2003. Wir hatten immer genug zu essen und wurden unter anderem auch viel besser betreut. Die psychische Belastung war ebenfalls viel kleiner als 2003…
Herzlichen Dank allen Betreuern und natürlich auch allen treuen Lesern dieses Blogs! Vielleicht habe ich den einen oder anderen auf den Geschmack gebracht. Es soll angeblich 2011 nochmals eine Ausgabe des TER geben, gleiche Strecke. Wie wäre es?
63. Etappe: Olderfjord - Honningsvåg, 81.5 km, gesamt: 4440.6 km
Heute ist es mehr oder weniger flach und mehr als 10 km weniger lang als gestern. Also kein Problem? Denkste?! Die ersten Stunden gehen wunderbar rum. Es ist kalt aber schön flach und fast trocken. Dann setzt aber Regen ein und es bläst ein sehr eisiger Gegenwind. Dieser erreicht schlussendlich Sturmstärke und bläst und manchmal richtiggehend von der Strasse. Und immer schön ins Gesicht, nicht etwa Rückenwind. Es wird dementsprechend noch kälter (4.5 °C im Windschatten) und fast unerträglich. Manchmal sind wir in Abdeckung der Berge, dann fällt auch dieser Schutz weg und es bläst wie blöd.
Alle, die ich antreffe sind offensichtlich am kämpfen. Wir trinken Suppe und reden über bessere Zeiten. Allesamt haben aber schon früh am Tag genug. Es reicht uns allen?! Auch die vielen Renntiere unterwegs heben meine Stimmung kaum.
Irgendeinmal schaffe ich es dann doch zum „finalen“ Tunnel, welches uns auf die Nordkapp-Insel bringt. Es geht unter dem Fjord durch, dementsprechend steil geht es zuerst runter und das ganze wieder rauf. Es ist aber wunderbar trocken hier drin und vor allem windstill. Die 7 km sind schnell geschafft und nur 200 m nach dem Tunnel ist das Ziel, bei der Mautstelle. Wir fahren nach Honningsvåg. Ein Transport für die Läufer sollte organisiert sind, scheint aber nicht zu klappen. Die Fahrer der privaten Fahrzeuge nehmen die Läufer mit, welche in der Kälte frieren. Die Unterkunft ist super modern und die Duschen sind vom feinsten, wunderbar warm.
Nun ist es fast geschafft. Noch eine kurze Etappe und dann haben wir es. Morgen soll es aber kräftig rauf und runter gehen, also auch wieder keine einfache Etappe. Wir werden es schaffen... Nordkap, wir kommen!
Bild: die Umgebung heute war sehr schön
62. Etappe: Rafsbotn - Olderfjord, 92.6 km, gesamt: 4359.1 km
Von Rafsbotn geht es steil rauf auf ein Hochplateau. Oben pfeift uns ein eiskalter Gegenwind um die Ohren. Es ist innerhalb von Minuten sehr kalt. Petrus droht noch mit Regen, aber es bleibt bei einigen Tropfen. Das Laufen wird bei dieser Kälte sehr hart und ist alles andere als schön. Erst einiges später wird es erträglicher, der Wind lässt nach. Dafür geht es den ganzen Tag immer wieder schön rauf und runter. Nicht oft, aber genügend. Unterwegs sehen wir mehrere Gruppen von Rentieren. Ihnen scheint die Kälte zu gefallen.
Auf den letzten 10 km dann endlich die Erlösung: die Strasse führt runter nach Olderfjord. Ich bin hundemüde und habe genug von allem! Endlich das Ziel und dies nach fast 93 km! Janne und Stephane haben ebenfalls mehr als genug. Wir laufen zusammen ein. Für mich war es die von der Zeit her die längste und auch die härteste der bisher 62 Etappen.
Die Duschen sind leider kalt. Dafür ist das Abendessen vom feinsten: es gibt eine Lachstranche, Kartoffeln, Rüebli und ein sehr sehr gutes Dessert! Nun ist die Welt wieder in Ordnung! Kurz vor dem Essen habe ich meinen allerletzten MRI-Termin im Kernspintomograph. Die Untersuchungsergebnisse vom MRI, von den Vermessungen des Körpers, Blut- und Urinproben, den EKGs werden wir ein paar Monate nach dem Lauf erfahren. Sie werden auch in wissenschaftlichen Zeitungen publiziert.
Bild: vor dem Start mit Stephane Pelissier (F)
61. Etappe: Maze – Rafsbotn, 85.5 km, gesamt: 4266.5 km
Gestern zum Abendessen gab es eine sehr gute Suppe mit vermutlich Rentierfleisch, eine Kartoffel pro Person, Karotten etc. darin. Die Suppe war super gut und es gab auch reichlich. Leider fand ich das ganze nicht gerade optimal für die Hauptspeise bei einem Ultrarennen. Dazu gab es noch Brot mit Butter und ein sehr gutes Dessert. Ich wäre ohne vorgängiges ausgiebiges Essen wohl verhungert. Die Organisation muss seit längerem sparen. Leider nach meiner Meinung am falschen Ende… Ansonsten war das Essen während den gut 60 Tagen mit sehr seltenen Ausnahmen immer sehr gut und reichlich. Kein Vergleich zu 2003! Auch die Information hat sich stark verbessert.
Heute Morgen ist es relativ warm. Manche laufen sogar nur im T-Shirt los. Nach wenigen Stunden ist der Himmel aber wieder bedeckt und im Schatten ist es kühl bis kalt. Die Temperaturunterschiede sind immer noch enorm. Gegen Mittag aber wird es wieder sonnig und warm.
Die Etappe entwickelt sich immer mehr zur Lieblingsetappe vieler Läufer, auch von mir. Der Hammer ist ein Tal, welches ich kurz vor Mittag runter renne. Der Bach stürzt sich über diverse Wasserfälle und Stromschnellen durch eine immer enger werdende Schlucht. Das ganze erinnert mich sehr stark ans Engadin. Vor lauter schauen vergesse ich für einen Moment die Kilometer. Später geht es auf Alta zu, einer für die Region grösseren Stadt. Kurz vorher biegen wir auf eine Nebenstrasse, einen Schleichweg, ab. Es geht zum Teil happig rauf und runter, aber es ist eine Abkürzung. Zudem müssen wir nicht durch die Stadt. Nach ein paar Kilometer sind wir auf der E6 angekommen, der berühmten Strasse zum Nordkap. Gut 5 km vordem Ziel steht angeschrieben: Norkapp 229 km. Dann sehen wir plötzlich das Meer. Im Gegenlicht und bei Niedrigwasser mit den Schneebergen im Hintergrund ein sensationell schönes Bild! Diese tolle Aussicht dürfen wir auch hier und jetzt im Ziel bewundern. Schweden und Finnland waren sehr schön, Norwegen ist sensationell schön!
Ansonsten geht es meiner Familie und mir sehr gut. Ich laufe zurzeit völlig ohne Probleme. Die Etappe war aber auch wieder reichlich lang heute. Es reicht!








