Célien Schneider hört englische Musik (im Hintergrund die US-Band The Doors) und schreibt deshalb auch seine Songs auf Englisch.

Célien Schneider: «Die Frauen übrigens auch …»

Das Walliser Poptalent Célien Schneider (27) über seine CD «Come Rain Or Shine», sein Leben in Paris, das Caprices Festival in Crans-Montana und seinen Vollbart.

Coopzeitung: Sie sind das grösste Westschweizer Talent nach Stress und Bastian Baker, wohnen aber in Paris. Weshalb haben Sie Sion verlassen?
Célien Schneider: Nachdem ich in Lausanne Literatur studiert hatte, ging ich nach Paris, um meinen Master zu machen. Ich träumte zwar schon vorher davon, meine Leidenschaft für die Musik zum Beruf machen zu können. Gelungen ist es aber erst, als jemand an mich glaubte und mir die Chance gab, sechs Songs aufzunehmen. Sie trugen mir den Vertrag mit der französischen Plattenfirma Mercury Universal ein.

Wer hat Ihre Musikbegeisterung geweckt?
Ich war sieben, als mich meine Mutter für den Klavierunterricht anmeldete. Mit fünfzehn hatte ich genug von der Klassik. Ich probierte mich im Schultheater als Schauspieler und begann, Popsongs zu schreiben. Ich hätte jedoch nie gedacht, dass ich einmal davon leben könnte.

Weshalb singen Sie auf Englisch?
Ich habe immer englische Musik gehört; es ist für mich ganz natürlich, dass mich meine Melodien auch zu englischen Texten inspirieren. Aber es stimmt: Wegen der Quote hätte ich bei den Radios weniger Konkurrenz, wenn ich Französisch singen würde. Ich finde jedoch, dass man tun muss, woran man glaubt.

Wie sieht Ihr Alltag heute aus?
Ich bin für Auftritte und Interviews viel in Frankreich und in der Schweiz unter-wegs. Wenn ich zu Hause bin, spiele ich Klavier, komponiere und schreibe, gehe aus und geniesse das Pariser Leben, denn meine kleine Wohnung zwischen Montparnasse und Saint-Germain-des-Prés ist sehr pariserisch ... – also weniger komfortabel als in Sion!

Was unterscheidet Paris sonst noch vom Wallis?
Das Wallis kann man mit einer solchen Metropole nicht vergleichen. Sion ist auch eine Stadt, aber eine sehr kleine und erst noch von Bergen umgeben. In Paris fehlen mir diese Natur und die frische Luft oft. Einige Lieder handeln auch davon. «Roselyn» ist aus Heimweh entstanden. Eigentlich steht sie für die Schweiz.

Sie haben einen französischen Vor- und einen deutschen Nachnamen. Haben Sie in Ihrer Jugend beide Kulturen gelebt?
Ein wenig. Mein Grossvater mütterlicherseits kommt  aus Zürich, ist aber leider früh verstorben. Meine dortige Verwandtschaft besuche ich aber immer noch gerne. Mir gefällt die andere Mentalität der Deutschschweizer. Sie haben einen sehr vielfältigen Sinn für Kunst.

«

Heutzutage scheint kaum noch jemand treu zu sein.»

Kennen Sie die Deutschschweizer Musikszene?
Ich kenne und schätze Michael von der Heide, bewundere Sophie Hunger und mag auch 77 Bombay Street. Letztes Jahr bin ich beim Stimmen-Festival in Lörrach aufgetreten. Momentan gibt es für 2013 noch keine Konzertdaten in der Deutschschweiz, aber ich hoffe, die CD wird mir auch dort neue Türen öffnen.

Was bedeutet es Ihnen, am Freitag beim Caprices Festival in Crans-Montana zwischen den Stars Mika und Nelly Furtado aufzutreten?
Das ist genial, ich freue mich riesig! Es wird das erste Mal sein, dass ich mein komplettes Album live präsentieren kann. Und ich darf sogar Zugaben geben!

Was zeichnet dieses Festival aus?
Das Caprices hat in diesem Jahr ein wahnsinnig tolles Programm, darunter Björk, The Killers, Portishead und Nas. Ausserdem gefällt mir, dass man Skifahren gehen kann, andere Künstler trifft, feines Fondue oder Raclette isst und viel guten Walliser Wein trinkt!

Was inspirierte Sie zur hitverdächtigen Single «A Better Lie»?
Es ist ein ironisches Lied über Paare, die ich beobachtet habe. Heutzutage scheint kaum noch jemand treu zu sein. Einer betrügt den anderen. In den grossen Städten ist es besonders schlimm.

Neben der Melodie sind das alte Klavier und Ihr Pfeifen eingängig und wiedererkennbar.
Ich habe mich an meinen Vorbildern orientiert. Das Piano aus den 60er-Jahren ist etwas verstimmt, aber ich wollte diesen Sound haben, der mich an «Girl» von den Beatles erinnert. Das Pfeifen ist typisch für mich. Ich pfeife, summe oder trällere meistens etwas vor mich hin, ob ich nun abwasche, dusche oder Auto fahre. Ich fände es auch schön, wenn meine Musik Teil des Alltags anderer Menschen würde.

Weshalb haben Sie Ihre Platte «Come Rain Or Shine» getauft?
Sie enthält Lieder, die weder total fröhlich noch total traurig klingen. Sie sind bittersüss, enthalten Regen und Sonne.

Ist Ihr Vollbart der letzte Schrei aus der Modehauptstadt Paris?
Nein, den trage ich schon etwa zehn Jahre. Ich rasiere mich einfach nicht gern! Und ich finde, dass mir der Bart steht. Die Frauen übrigens auch ...

Célien Schneider - A Better Lie

Célien Schneider

Beruf: Sänger, Musiker, Songschreiber
Geburtsdatum: 25. März 1985 in Sion
Zivilstand: ledig
Wohnort: Paris
Ausbildung: Acht Jahre Unterricht in klassischem Piano. 2004 Matura in Sion. Literatur-Studium in Lausanne, 2009 Master-Abschluss in Paris.
CD: «Come Rain Or Shine» (Universal Music)
Anspieltipps: «A Better Lie», «Sunday Morning», «Weekend» und «Roselyn».
Auftritte: 12. und 15. März am Caprices Festival Crans-Montana (www.capricesfestival.ch)

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?
Die Kinder und Hausmärchen von den Brüder Grimm.

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?
”L'Etranger” von Albert Camus

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?
Viele – Chopin, Bob Dylan

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
”Django Unchained”

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?
”Inception” weil ich nichts verstanden habe, und es regt mich auf, nicht zu verstehen. :)

Ihr Lieblings-Filmheld?
Der Hund Beethoven, weil er ein Hund ist.

Was für Musik hören Sie gerade?
Jake Bugg

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
”Revolver” von den Beatles

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?
John Lennon – aber eben …

Was kochen Sie selbst?
Ein altes Spaghetti-Rezept meiner Nonna

Ihre Lieblingsspeise?
Hühnchen mit Currysauce

Ihr Lieblingsgetränk?
Schwarztee mit Zitronensaft

Mit wem essen Sie am liebsten?
Mit meinen Freunden

Und wo essen Sie am liebsten?
Überall ¬– so lange ich mit den Personen zusammen bin, die ich liebe.

Mac oder PC?
Mac

Auto oder Zug?
Zug

Wein oder Bier?
Ich bin ein Walliser, also Wein :)

Pasta oder Fondue?
Beides

Joggen oder Walken?
Beides

Berge oder Meer?
Berge natürlich

Wann haben Sie zuletzt geweint?
Letzten Frühling

Wie bringt man Sie zum Lachen?
Wenn man französich mit englischen Akzent spricht.

Welches Tier wären Sie am liebsten?
Ein Hund oder eine Eule

Wovon träumen Sie?
Meistens schreckliche Sachen

Was ist für Sie das grösste Glück?
Den ganzen Tag Musik Tag zu machen

Homepage von Célien Schneider

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Charly Rappo / arkive.ch
Veröffentlicht:
Mittwoch 13.03.2013, 17:40 Uhr

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