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Schritt für Schritt erlernen und ertanzen sich die Schülerinnen und Schüler ganze Figuren mehrerer Tänze.

Tanzinstruktorin Susanne Schnorf brachte das amerikanische Konzept des integrierten Tanzunterrichts an Schulen in die Deutschschweiz.

«T-A-N-G-O» – Bereits nach einer kurzen Einführung klappt die «Promenade Skorpion».Auch einzeln werden Tanzschritte geübt.






«Danke für den Tanz»

Beim Tanzen Respekt, Vertrauen und Höflichkeit lernen. Das ist das Ziel von «Dancing Classrooms». Ein Besuch bei Fünftklässlern in Glattbrugg zeigt: Es funktioniert.

Paarweise schreiten die Schülerinnen und Schüler einer fünften Klasse in den grossen Singsaal des Schulhauses Lättenwiesen in Glattbrugg ZH. Einige winken. Genau so werden sie auch beim Abschlussfest einlaufen, das am Ende der 18 Tanzlektionen an ihrer Schule steht. Im Projekt «Dancing Classrooms», zu Deutsch «Tanzende Klassenzimmer», lernen Viert- und Fünftklässler neun Tänze. Heute ist als Erstes der Tango dran. «Wer weiss, woher der Tango kommt?», fragt Susanne Schnorf. Sie ist Geschäftsführerin und Tanzinstruktorin bei Dancing Classrooms Deutschschweiz. Einige Hände gehen hoch. «Brasilien?» – «Nein, Argentinien.» – «Richtig!» Vor jedem Tanz lernen die Kinder, woher er stammt und wie die Hauptstädte der entsprechenden Länder heissen.

Susanne Schnorf gibt den Tanzschritten Namen, die sich die Kinder gut merken können. «Pouletflügeli nach oben», heisst es dann etwa, als die Kinder ihre Tanzposition einnehmen, «und jetzt mit der rechten Hand einen Pfeilbogen spannen.» Die erste Tangofigur nennt sich «Promenade Skorpion» – weil nach der Promenade die Arme auf der einen Seite wie der Stachel eines Skorpions hochgehalten werden.

Zuerst üben die Schülerinnen und Schüler immer allein, dann in «Omelettenhaltung» – das heisst, sie legen paarweise die Hände aufeinander. Erst dann führe sie Tanzhaltung und die Begleitposition ein, erklärt Susanne Schnorf. Nach jedem Vorzeigen und jedem Tanz applaudieren die Kinder. Ganz so enthusiastisch waren sie am Anfang noch nicht. «Zu Beginn hatten Gewisse ein wenig Mühe damit, ihre Partnerinnen oder ihre Partner zu berühren. Aber das verging relativ schnell. Heute machen sie sehr gerne mit, Mädchen wie Jungs.» Immer wieder fordert Schnorf sie auf, den Partner zu wechseln. «So lernen die Kinder, dass man mit jedem tanzen kann, egal, ob man ihn oder sie nett findet oder nicht.» Es gehe auch darum, als Team zusammenzuhalten und zu merken, dass man mit jedem zusammenarbeiten könne. – Das funktioniert ganz offensichtlich.

Nach Tango kommt Rumba. In der neuen Figur lassen die Jungs «die Lady einen Kreis wie um eine Pizza herum» tanzen, wie Susanne Schnorf es ausdrückt. Sie nennt die Mädchen Ladies und die Jungs Gentlemen. Und so verhalten sie sich auch: Sie begrüssen den neuen Tanzpartner und verabschieden ihn mit Dank. Als Kür machen die Ladies eine Schlussdrehung. Me-rengue und – von den Kindern gewünscht – Polka und Line Dance vervollständigen das heutige Programm.

Die Kinder schreiten Arm in Arm winkend aus dem Saal. Draussen sagt Dunia (10), das Tanzen gefalle ihr sehr, Dogan (11) findet es spannend, Nzolameso (13) lustig. Und die Jungs, sind sie denn nicht mehr so frech, seit sie bei Dancing Classrooms mitmachen? Gleich mehrere Mädchen nicken. «Alle, bis auf einen», sind sie sich einig.

Auch Klassenlehrerin Corinne Zwingli ist vom Programm angetan: «In der Pubertät werden Mädchen für Jungs und Jungs für Mädchen interessant. Gleichzeitig bestehen Hemmungen. Ich finde es gut, dass durch das Projekt Dancing Classrooms diese Hemmungen abgebaut werden.» Ausserdem werde das Zusammengehörigkeitsgefühl der Kinder gestärkt und es würden auch jene zusammen tanzen, die sonst nicht so miteinander in Berührung kämen.

Tanzlehrerin Susanne Schnorf hat auch nach 36 Klassen noch nicht genug: «Es fasziniert mich immer noch, was dieses Programm bewirkt, was es in den Kindern und für die ganze Klasse verändert.»

Dancing Classrooms

USA

Initiant von Dancing Classrooms ist der 1944 in Jaffa (heute Tel Aviv) geborene Pierre Dulaine. Er machte in New York Karriere als Tänzer und Tanzlehrer. 1994 startete er das Programm, in dessen Rahmen an öffentlichen Schulen Klassen in Ballroom-Tänzen unterrichtet werden. Sein Ziel ist nicht nur, dass Kinder und Jugendliche tanzen und dabei Spass haben, sondern auch Sozialkompetenzen wie Vertrauen zu sich und anderen, Respekt und Höflichkeit lernen. Die Entwicklung des Projekts wurde 2006 unter dem Namen «Take the Lead» mit Antonio Banderas in der Hauptrolle verfilmt.

www.dancingclassrooms.com

Deutschschweiz

Das Programm Dancing Classrooms in der Deutschschweiz gehört auch zum Angebot des Volksschulamts Zürich. Interessierte Schulleitungen können über das Amt Kontakt aufnehmen oder sich direkt an Susanne Schnorf wenden. Tanzbegeisterte, die gerne mit Kindern arbeiten wollen, dürfen sich auch bei ihr melden, wenn sie Interesse haben, selbst als Tanzinstruktor bei Dancing Classrooms mitzuwirken.

www.dancingclassrooms.ch
Hier können sich Schulleitungen für Angebot von Dancing Classrooms beim Volksschulamt Kanton Zürich anmelden

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Annina Striebel

Redaktorin

Foto:
Christoph Kaminski
Veröffentlicht:
Montag 04.11.2013, 20:59 Uhr

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