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Delia Mayer «Das ist eine tolle Rolle»

Schauspielerin und Sängerin Delia Mayer (45) über ihre Premiere am Pfingstmontag als Kommissarin im Schweizer «Tatort» und ihre Musik.

Coopzeitung: Sie ermitteln in der Tatort-Folge «Skalpell» nun erstmals als Kommissarin Liz Ritschard. Ist das ein einschneidendes Erlebnis für Sie?
Delia Mayer: Ich habe mich sehr gefreut, weil es ein starkes Drehbuch war und eine tolle Rolle ist, die ich weiterentwickeln kann. Nach mehrheitlichen Drehs im Ausland ist es auch toll, in Zürich weiter auf diesem Niveau arbeiten zu können. In einer Produktion, die im ganzen deutschsprachigen Raum ausgestrahlt wird.

«CSI»-Star Sofia Milos, Ihre Vorgängerin als Schweizer Tatort-Kommissarin, war ebenso hart kritisiert worden wie die Folge, in der sie mitgewirkt hatte. Fühlten Sie sich deshalb unter Druck?
Vor dem Casting wusste ich darüber nicht Bescheid. Ich habe mich einfach auf die Arbeit an meiner Figur, das Drehbuch und die Zusammenarbeit mit dem Regisseur fokussiert.

War auf dem Set eine besondere Anspannung spürbar?
Natürlich, vor allem der Teil der Crew, welcher schon in die erste Produktion involviert gewesen war und die interne Kritik und den Gegenwind in den Medien erlebt hatte, wusste, was auf dem Spiel stand. Ich empfand diesen Druck aber nicht als negativ, da er uns zusammengeschweisst hat.

Weshalb wurde lange geheim gehalten, dass Inter-sexualität respektive Menschen, die sich aus verschiedenen Gründen nicht eindeutig einem Geschlecht zuordnen lassen, im zweiten Fall eine wichtige Rolle spielt?
Der «Tatort» hat den Anspruch, auch schwierige Themen aufzugreifen. Da möchte man nicht, dass während der Dreharbeiten spekuliert wird und man zu viel verraten muss. Nun drückt der Film mehr aus als alles, was ich im Moment darüber sagen möchte.

Haben Sie über die Probleme der Betroffenen Neues erfahren?
Ich habe sicher dazugelernt, etwa, wie ihr Leben aussehen könnte und dass es keine Patentlösung gibt. Aber vor allem hat mich der Film berührt und betroffen gemacht. Das verleiht ihm eine gewisse, bei Krimis sonst eher seltene Relevanz.

Wie viel von Ihrer Figur hat das Drehbuch vorgegeben, was haben Sie beigesteuert?
Wenn ich eine Szene lese, versuche ich zuerst nachzuvollziehen, was in Liz Rit-schards Kopf vorgeht. Dann biete ich dem Regisseur an, wie ich mir vorstelle, dass sie agiert. Tobias Ineichen hat mir bei der Interpretation viel Raum gelassen. So konnte ich die Figur als realitätsnahe, ungeschminkte Kommissarin prägen.

Was unterscheidet Sie von der Isabelle Becker, die Sie vor zehn Jahren in der RTL-Serie «Die Cleveren» verkörperten?
Ich spielte damals eine Hauptkommissarin im Bundeskriminalamt, die rein polizeilich ermittelte, und hatte einen Partner, der dem Täter psychologisch auf die Spur zu kommen versuchte. Liz wendet beide Methoden an.

Sie sind Schauspielerin und Sängerin. Was bedeutet Ihnen diese Vielseitigkeit?
Die Genres befruchten sich gegenseitig. Da mein Vater und mein Bruder beide Musiker sind, lagen Klavierspiel und Singen nahe. Zur Schauspielerei bin ich durch meine Literaturbegeisterung gekommen. Den Moment, mich für etwas zu entscheiden, habe ich vielleicht verpasst. Aber ich brenne nun mal für beide Künste und könnte weder ohne die eine noch die andere sein.

Welches Ziel hatten Sie mit Ihrer CD «These Days», die 2006 viele gute Kritiken bekam?
Ich hatte viele Jahre an verschiedenen Projekten mitgearbeitet und Fremdmaterial gesungen. Aber ich hatte auch viele Songs geschrieben und wollte nun meine eigene Vision ausleben.

Trotzdem haben Sie Ihren Bruder einbezogen. Haben Sie ein besonders inniges Geschwister-Verhältnis?
Die Zusammenarbeit hat sich einfach so ergeben. Als ich Jojo meine Kompositionen zeigte, begann er von sich aus, sofort über ihre Umsetzung zu fantasieren. Mein erster Reflex war: «Lass deine Finger von meiner Musik!» (lacht) Ich realisierte jedoch schnell, dass es «organisch» war, die Platte mit ihm zu machen. Wir sprechen die gleiche Sprache und müssen vieles gar nicht erklären, weil wir uns so gut kennen.

Hat Ihre siebenjährige Tochter ebenfalls schon eine Passion für die Musik?
Im Moment zählt sie noch zu den wenigen Mitgliedern unserer Familie, die kein Instrument spielen. Sie liebt es aber schon, zu lauter Musik durch die Wohnung zu tanzen. Ich dränge sie zu nichts, ich möchte, dass sie selbst entdeckt, was sie toll findet.

Delia Mayer

«

Der Tatort hat den Anspruch, auch schwierige Themen aufzugreifen.»

Beruf: Schauspielerin, Sängerin
Kindheit: Geboren am 8. März 1967 in Hongkong, aufgewachsen in Rüschlikon. Vater Vali ist Kontrabassist, Bruder Jojo Schlagzeuger.
Wohnort: Zürich
Laufbahn: Nach der Wirtschaftsmatura studierte Delia Mayer Tanz, Gesang und Schauspiel in Wien, Zürich und New York und pendelt seither zwischen Jazz, Chanson, Musiktheater, Theater und Fernsehfilmen. Neben Gastspielen in verschiedenen deutschen Serien machte sie vor allem die Hauptrolle in der RTL-Krimiserie «Die Cleveren» (2001/02) bekannt.
Aktuell: In «Skalpell» (Pfingstmontag, 28. Mai, 20.05 Uhr, SF1) bildet sie erstmals zusammen mit Stefan Gubser (im Foto unten links) das Ermittler-Duo im Luzerner «Tatort».

www.deliamayer.com


Coopzeitung: Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?
Delia Mayer: Vrenelis gärtli von tim krohn und „wahrheit ist die Erfindung eines Lügners“ Gespräche für Skeptiker von Heinz von Foerster & Bernhard Pörksen

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?
Pippi Langstrumpf

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?
Meine Katze – oder doch mahatma gandhi?

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
Atmen von karl markovics  

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?
The party von peter sellers

Ihr Lieblings-Filmheld?
Im Moment Lisbeth Salander aus Girl with the dragon tattoo

Was für Musik hören Sie gerade?
„you’ve changed“ von eva cassidy

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
Aretha sings the Blues von Aretha Franklin

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?
Tina Turner

Was kochen Sie selbst?
Worauf ich gerade Lust hab – zuletzt Züri Gschnätzlets mit Röschti

Ihre Lieblingsspeise?
Rindsbraten mit Härdöpfelstock

Ihr Lieblingsgetränk?
Zitronengrastee

Mit wem essen Sie am liebsten?
Mit Freunden, meiner Familie

Und wo essen Sie am liebsten?
Kommt aufs Menu an....

Mac oder PC?
Mac

Auto oder Zug?
Beides – je nach Destination

Wein oder Bier?
Beides je nach Situation

Pasta oder Fondue?
Pasta immer

Joggen oder Walken?
yoga

Berge oder Meer?
Beides!

Wann haben Sie zuletzt geweint?
Im Film atmen

Wie bringt man Sie zum Lachen?
Mit Absurditäten

Welches Tier wären Sie am liebsten?
Flughörnchen

Wovon träumen Sie?
Vom fliegen

Was ist für Sie das grösste Glück?
Wenn die Zeit einen Moment still steht

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Christoph Kaminski, Copyright: SRF / Daniel Winkler, zVg
Veröffentlicht:
Freitag 11.05.2012, 12:39 Uhr

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