Michael Elsener, für einmal als Michael Elsener: der Parodist im Theater La Cappella in Bern.

Michael Elsener:
«Sorry, ich mach die Story kaputt»

Persönlich. Michael Elsener ist Roger Federer und Ulrich Tilgner und Kurt Aeschbacher und, und, und. Der junge Parodist aus Giacobbo/Müller ist aber mehr als das, wie er mit seinem Kabarettprogramm beweist.

Coopzeitung: Welches Schulfach lag Ihnen am wenigsten?
Michael Elsener: Eindeutig Mathe. Oder höhere Mathe. Ich habe bis heute nicht verstanden, wofür ich die Vektorgeometrie brauche.

Dann war Ihr Mathelehrer Ihre erste Parodie?
Nein, das war der Geschichtslehrer. Warum fragen Sie?

Es sieht nach einer klassischen Parodisten-Karriere aus: Beim «Nachmachen» unbeliebter Lehrer haben Sie das Talent entdeckt, dann die Schule geschmissen und den Sprung auf die Bühne gewagt. War es so?
Nicht ganz. Der Geschichtslehrer war nicht unbeliebt, er bot sich einfach für eine Parodie an und wurde dadurch quasi zur Kultfigur an der Schule. – Die Matura hab ich gemacht, Studium auch. Sorry, ich mach Ihnen Ihre ganze Story kaputt ...

Wann standen Sie das erste Mal auf der Bühne?
Mit 13. An unserer Schule gab es jedes Jahr einen Ta-lentwettbewerb. Ich hatte mich als Stand-up-Comedian angemeldet und habe Lehrer parodiert. Fast die ganze Schule war da, fast 1000 Zuschauer, natürlich sehr skeptisch. Als ich den Rektor parodierte, brach das Eis. Von da an lief es, und ich gewann den Jury- und den Publikumspreis. Erst im Nachhinein wurde mir bewusst, wie gewagt dieser Auftritt war. Wäre ich gescheitert, ich wäre für die nächsten Jahre gezeichnet gewesen.

Während Sie mit dem letzten Programm unterwegs waren, haben Sie nebenbei noch Ihr Studium abgeschlossen. Waren Sie nie versucht, das Studium abzubrechen?
Doch, natürlich. Die Doppelbelastung war gross, tagsüber studieren und abends die Auftritte. Ich habe irgendwann angefangen, meine Professoren einzuladen. So schuf ich etwas Verständnis für meine Situation. Jetzt bin ich froh, studiert zu haben. Das Studium der Politikwissenschaft hat meinen analytischen Blick geschärft, was mir bei gesellschaftspolitischen Themen entgegen- kommt.

Sind Sie ein politischer Kabarettist?
Nicht im klassischen Sinne, nein. Ich mache Kabarett ohne Zeigefinger. Eher Leichtigkeit gepaart mit gesellschaftspolitisch relevanten Themen.

Gibt es in der Schweiz das politische Kabarett überhaupt?
Natürlich viel weniger als in Deutschland. Wobei ich hier einschränken will: Wer sich bloss über das Äussere von Angela Merkel lustig macht, ist für mich kein politischer Kabarettist. Ich scheue mich nicht, Themen anzusprechen, bei denen man sich die Finger verbrennen kann – Integration, die arabische Revolution, aber auch den heutigen Medienkonsum.

Sie kritisieren die heutige Mediennutzung. Was ist daran schlecht?
Viele lesen nur noch Gratiszeitungen. Die Gewichtung der Nachrichten liegt dort bei Promiskandalen und Klatsch, Relevantes kommt nicht oder zu wenig vor. Ich wünschte mir eine verständlich geschriebene, anspruchsvolle Zeitung.

Die gibt es in Ihren Augen nicht?
Doch natürlich, die Coopzeitung zum Beispiel …

Danke. Das Getränk geht auf meine Rechnung. Nochmals zu den Zeitungen: Es gibt schon einige, die gute Informationen vermitteln.
Aber die kosten Geld. Die Leute können oder wollen sich das immer weniger leisten und lesen deshalb immer mehr Gratiszeitungen, auch Studenten. Es bräuchte eine verständlich geschriebene Gratis-NZZ.

Bleiben wir noch beim politischen Kabarett. Warum wird das bei uns weniger gepflegt?
Das Regierungssystem der Konkordanz bietet viel weniger Angriffsfläche als das Regierungs-Oppositions-Modell Deutschlands. Aber das ist mir nicht so wichtig. Ich mag facettenreiches Kabarett, bei dem man die Tragweite vielleicht nicht auf Anhieb erkennt.

Kabarett zum Denken?
Nicht zu sehr. Es soll auch leichtfüssig daherkommen und zuerst einfach mal lustig sein. Und dann vielleicht einen Aha-Effekt auslösen. Lachen ist eine schöne Emotion. Diese will ich mit Inhalten füllen. Ich liebe es, wenn ich merke, dass sich jemand so richtig ärgert über eine unsympathische Figur, die ich spiele. Dann gebe ich grad noch mehr Gas.

Welche Personen parodieren Sie gerne, welche gar nicht?
Die Parodie ist eine faszinierende Kunstform. Man schält die Essenz der Figur heraus und spitzt sie zu bis zum Absurden. Insofern spiele ich alles gerne.

Wie entstehen Ihre Nummern?
Ich schreibe eine Nummer, spiele sie einer Handvoll Bekannten vor, schreibe um und so weiter. Bis eine Nummer steht, schreibe ich gut und gerne sechs Fassungen. Und viele Nummern kommen gar nie auf die Bühne, weil sie nicht richtig funktionieren. Man kann auf der Bühne alles machen, aber nichts verstecken. Jede Pointe muss richtig platziert sein. Eine Schlusspointe wär jetzt noch schön. Aber die können wir uns aus Platzgründen glaub nicht mehr leisten.

Richtig.

Michael Elsener

Alter: 26
Zivilstand: ledig, aber in festen Händen
Wohnort: Zug
Karriere: Michael Elsener begann mit 18 seine Bühnenkarriere. Er ist der jüngste je nominierte Prix-Walo-Kandidat in der Sparte Kabarett und gewann bereits den kleinen Prix Walo. Diverse Auftritte als Parodist in der Sendung Giacobbo/Müller im SF.
Aktuell: Auf Tournee mit dem neuen Programm «Stimmbruch». Alle Daten sind zu finden auf seiner Webseite.

www.michaelelsener.ch

Weitere Antworten von Michael Elsener

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?
Ein Buch von Liu Xiobao.

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?
Herr Lehmann.

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?
Frau Lehmann von vis-à-vis zum Beispiel.

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
Tim und Struppi. Grossartige Erinnerungen an die Teenager Comic-Zeit.

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?
Huch...der mit dem Dings in der Hauptrolle, wo er so um Mitternacht in eine Dings abhaut und dann kommt er zurück und muss der Dings über – ich muss diesen Film definitiv wieder mal sehen.

Ihr Lieblings-Filmheld?
Struppi

Was für Musik hören Sie gerade?
Ich bin voll konzentriert am Fragen beantworten...Wobei...von meinem Nachbarn dröhnt eine Mischung zwischen Herbert Grönemeyer und DJ Bobo durch die Wand.

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
Muss ich denn jetzt auch dahin? – Ich hab immer gehofft, mir würde sich diese Frage nie stellen. – Es wär wohl eine CD von Herr Rieu, dann wär ich ziemlich schnell wieder aufm Festland.

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?
Die sind leider alle schon tot.

Was kochen Sie selbst?
Praktisch alles. Hauptsächlich Italienisch und Indisch.

Ihre Lieblingsspeise?
Das ist zu persönlich.

Ihr Lieblingsgetränk?
Das ist viel zu persönlich.

Mit wem essen Sie am liebsten?
Mit meinen Mitessern Nadine und Patrick.

Und wo essen Sie am liebsten?
Auf jeden Fall nicht vor dem Computer.

Mac oder PC?
Eben, nicht vor dem Computer. – Wenn dann, vor einem Mac.

Auto oder Zug?
Im Auto nicht. Im Zug ist Picknicken grossartig.

Wein oder Bier?
Natürlich etwas Wein dazu.

Pasta oder Fondue?
Pasta ist definitiv praktischer, aber im Zugsabteil doch auch schwierig zuzubereiten.

Joggen oder Walken?
Lieber Joggen. Oder einfach Laufen.

Berge oder Meer?
Richtung Meer.

Wann haben Sie zuletzt geweint?
Als ich ans Meer dachte.

Wie bringt man Sie zum Lachen?
Wenn man genügend lange fragt, fast mit allem.

Welches Tier wären Sie am liebsten?
Jetzt zum Beispiel muss ich lachen. – Welches Tier... Würden Sie es akzeptieren, wenn ich Schildkröte sagen würde?

Wovon träumen Sie?
Sehr oft vom Gleitschirmfliegen. Vermutlich weil ich das im realen Leben nie machen würde.

Was ist für Sie das grösste Glück?
Gibt es das? – Ich hab die kleinen Glücksperlen immer mal wieder zwischendurch im Alltag lieber.

So imitiert Michael Elsener Schweizer Prominente.

 

 

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Thomas Compagno

Redaktor

Foto:
Peter Mosimann
Veröffentlicht:
Freitag 02.12.2011, 16:16 Uhr

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