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«Ich bin in die Rolle der gut integrierten Vorzeige-Seconda hineingerutscht»: Emel, die mit ihrer Musik die orientalische und die westliche Kultur verbindet.

Emels neuste CD: «She»

«Ich bin noch nicht in der Mitte»

Persönlich. Die Aargauer Sängerin Emel über ihre Eifersucht, die neue CD «She» und den Umgang mit ihren türkischen Wurzeln.

Coopzeitung: Emel, sind Sie eifersüchtig?

Emel: Jaaa! (lacht)

Und wie äussert sich das?
Als die Beziehung zwischen Frank (Bodin) und mir langsam enger wurde, habe ich ihm gesagt: «Du musst wissen, dass ich drei Schwächen habe. Zwei davon verrate ich dir. Ich bin chaotisch und ich bin eifersüchtig.»

Was stört ihn weniger?
Ich glaube, er kann mit dem Chaos besser leben. Wenn er mit anderen Frauen zu viel Spass hat, werde ich nämlich besitzergreifend! (lacht) Dass er selbst so tut, als wäre er überhaupt nicht eifersüchtig, macht mich jedoch völlig fertig.

Die neue Single «Spy On Your Phone» basiert also auf eigenen Erfahrungen?
Absolut! Es ist zwar ein Tabu, dass man im Handy des Partners oder der Partnerin spioniert. Falls ein Verdacht besteht, ist die Versuchung jedoch gross. Ein Smartphone enthält ja nicht nur Telefonnummern, sondern auch E-Mails, SMS und Fotos.

Aus Indizien kann man auch falsche Schlüsse ziehen.
Nachspionieren ist gefährlich, und es gehört sich auch nicht. Aber wenn das Misstrauen erst mal da ist ...

Sprechen wir über Ihre Musik. Weshalb sind Ihre orientalischen Wurzeln diesmal viel deutlicher zu hören als auf den früheren Alben?
Die Entwicklung ist Schritt für Schritt erfolgt. Ich bekam die türkische Musik zwar durch meine Eltern mit, wollte aber nur R’n’B und Soul machen. Ich war auch bei der Produktion meiner zweiten CD in Los Angeles noch nicht so weit, dass ich mir zutraute, beiden Kulturen gerecht zu werden, also R’n’B und Soul mit orientalischen Vibes zu verbinden.

Ist es Ihnen nun gelungen?
Ich stehe sicher noch nicht in der Mitte der Brücke, die ich schlagen möchte. Für mich ist «She» noch zu westlich ausgefallen und hätte noch viel orientalischer sein dürfen. Aber ich habe gemerkt, dass ich deutlich mehr gewohnt bin als mein Umfeld. Ich bin deshalb gewisse Kompromisse eingegangen.

Welche Rolle spielte bei der Rückbesinnung auf die Wurzeln, dass Sie vor zwei Jahren Mutter geworden sind?
Die Geburt von Ayleen hat bei mir nicht zu einer stärkeren Beschäftigung mit meiner Herkunft geführt, zumindest nicht bewusst. Ich bin ja schon vorher sehr häufig auf sie angesprochen worden. Beim Debütalbum wurde ich gefragt, ob ich mich als Türkin so freizügig zeigen und eine so westliche Musik machen dürfte. Darauf habe ich mich intensiv mit solchen Fragen beschäftigt und bin in die Rolle der «gut integrierten Vorzeige-Seconda» reingerutscht. Als ich mit Bligg zusammen war, meinte er, ich sollte die Thematik endlich in der Musik aufgreifen, dann müsste ich nicht mehr so viel darüber Auskunft geben. Da hat er sich getäuscht!

Hat sich dieser Fokus negativ auf Ihren kommerziellen Erfolg ausgewirkt?
Wenn ich auf meine 20 Jahre im Musikbusiness zurückblicke, bereue ich es nicht, dass mir meine künstlerische Freiheit und das Teilen meiner Leidenschaft mit anderen Musikern und dem Publikum immer wichtiger waren als Chartpositionen und Glamour. Das Geld, das ich als Sängerin auf DJ Bobos «Somebody Dance With Me» verdient habe, investierte ich nicht in Luxus, sondern sparte es für Plattenproduktionen.

Ihre Mutter scheint auf Ihre Musik zu stehen. Sie ist bereits zum zweiten Mal auf einer CD von Ihnen zu hören ...
Ja, da hat sie keine Hemmungen. Stell Sie vor ein Mikrofon und sie wird abgehen wie eine Rakete! (lacht) Als Ayleen noch klein war, hat mich meine Mutter als Babysitterin unterstützt und war hin und wieder im Studio. Sie hatte beim Lied über unsere Konsumgesellschaft die Idee, dass «Cashewnuts» ein gutes Symbol für Sachen sind, von denen man nicht genug bekommt, weil sie so gerne Nüsse hat. Beim Jammen hat sie dann dieses «hade, hade, hade» beigesteuert.

Wovon können Sie nicht genug bekommen?
Von Paprika-Chips – und von der Musik, von Ayleens Lächeln und von Frank.

Wie ist es dazu gekommen, dass Sie mit ihm auch einen Song geschrieben haben?
Frank ist ausgebildeter klassischer Pianist. Er hatte auf meine Bitte hin auf seinem neuen E-Piano improvisiert, als die Melodie entstand, aus der wir dann «I Should Love You» machten. Es wirkt wie ein Lied über eine unglückliche Liebe, doch ich verstehe es als Gebet für die Liebe zu Gott. Weil Frank jüdische Wurzeln hat, ich muslimische und wir in einem christlichen Land leben, haben wir drei Versionen aufgenommen, auf denen im Hintergrund ein Rabbi, ein Muezzin oder ein gregorianischer Kirchenchor zu hören sind.

Nicola Spirig

Beruf: Sängerin und Songschreiberin
Geboren: 8. Juni 1975 als Emel Aykanat in Brugg
Zivilstand: geschieden von Imagination-Star Ashley Ingram, liiert mit Frank Bodin, Werber des Jahres 2009, Tochter Ayleen (2).
Wohnort: Zollikon
Laufbahn: Als Kantischülerin begann Emel ihre Musikkarriere als Backgroundsängerin von Künstlern wie Roachford, DJ Bobo, Sabrina Setlur und Fettes Brot. Als Soul- und R’n’B-Sängerin veröffentlichte sie bisher drei Solo-CDs: «Can We Talk» (1996), «Free» (1999) und «Komm in mein Leben» (2007). Grösster Hit: «Alles scho mal ghört» mit Bligg (2001) .
Aktuell: «She» (ab 13. April im Handel)

www.emelmusic.ch

Weitere Antworten von Emel

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?

Martin Suter "Die dunkle Seite des Mondes" und wartet darauf gelesen zu werden.

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?

Der ältere Herr in "Small World" von Martin Suter hat mich sehr berührt und den kann ich auch nicht so einfach vergessen.

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?

Meistens sind es Menschen, denen ich begegne, neuerdings auch Kinder. Ich war zwei Mal mit dem Kinderdorf Pestalozzi unterwegs bei Schulklassen. Jung und alt haben mich wirklich beeindruckt.

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?

The Infideles. Ein Muslim findet heraus, dass er adoptiert wurde und eigentlich Jude ist. Ein toller, lustiger Film und vorallem so vernünftig!

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?

American Beauty, den habe ich schon ca. 20 Mal gesehen und könnte ihn nochmal so oft schauen.

Ihr Lieblings-Filmheld?

Columbo

Was für Musik hören Sie gerade?

Momentan höre ich viel 60's Musik, ein spannendes Jahrzehnt! Aber auch orientalische Klänge gehören auf den Tagesplan, schliesslich muss meine Tochter Ayleen den Hüftschwung beherrschen. "Det äne am Bergli" kann sie ja schon. Ausserdem gibts bei schönem Wetter öfters "Summer Madness" von Kool and The Gang.

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?

Harakiri, eine Compilation mit Songs von Curtis Mayfield bis Donnie Hathaway, die ins Herz gehen. Und eine Best Of von Snoop Dogg.

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?

Mit Aretha Franklin, aber ich glaube, ich müsste mit ihr eher ein Poulet essen gehen. Ich finde sie so entspannt in ihrer Genialität.

Was kochen Sie selbst?

Ich koche fast jeden Tag, schon vor Ayleen war das so. Wir machen einmal pro Woche ein Massaman Curry. Wenn Frank da ist, muss er kochen, er kanns besser.

Ihre Lieblingsspeise?

Schokolade

Ihr Lieblingsgetränk?

Cola

Mit wem essen Sie am liebsten?

Am liebsten esse ich mit vielen Leuten am Tisch.

Und wo essen Sie am liebsten?

Das beste Essen gibts bei Ah-Hua, bei Ginger und im Volkshaus in Zürich.

Mac oder PC?

Mac

Auto oder Zug?

Für eine 30 Minute Fahrt: Auto, für länger: Zug. Es kommt aber auch auf den Verkehr an. Manchmal ist man mit dem Zug wirklich schneller und reist gemütlicher.

Wein oder Bier?

Cola

Pasta oder Fondue?

Gemüse, bitte!

Joggen oder Walken?

Schlafen!

Berge oder Meer?

Meer oder See.

Wann haben Sie zuletzt geweint?

Als ich den Film zu KONY 2012 gesehen habe.

Wie bringt man Sie zum Lachen?

Das ist sehr einfach, ich habe sehr viel Humor, ich glaube mein Lachen ist bekannter als mein Gesang.

Welches Tier wären Sie am liebsten?

Ein freier Vogel.

Wovon träumen Sie?

Ich träume davon, als alte Frau mit meiner Tochter Arm in Arm am See spazieren zu gehen.

Was ist für Sie das grösste Glück?

Das Lachen von Ayleen oder wenn sie mir "I LOVE YOU" ins Ohr flüstert - eigentlich jeder Moment mit ihr.

Gewinnen Sie eine von fünf CD's «She» von Emel.

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Teilnahmeschluss Montag 9. April 2012 16 Uhr

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Reinhold Hönle

Autor



Foto:
Christian Lanz
Veröffentlicht:
Freitag 30.03.2012, 14:17 Uhr

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