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Fledermäuse: Akrobaten der Nacht

Sie fliegen uns in die Haare und trinken unser Blut? Blödsinn! Ein Biologe erklärt, wie Fledermäuse wirklich sind.

Eigentlich sind Fledermäuse ganz herzig. Ihre wenige Zentimeter grossen Körper sind von einem flauschig-weichen Fell bedeckt, ihre Ärmchen und Beinchen fili-gran, ihre Flughaut dünn wie Papier. Wer das Glück hat, ein solches Wesen von Nahe betrachten zu dürfen, wird merken: Eine Fledermaus hat nichts, aber auch gar nichts Dämonisches an sich. Dracula-Filme hin, Vampirmythen her. Zwar gibt es einzelne Arten, die sich tatsächlich von Blut ernähren, jedoch nur in Mittel- und Südamerika. «Alle anderen Schauergeschichten sind frei erfunden», sagt Hubert Krättli (42), wissenschaftlicher Leiter der Stiftung Fledermausschutz Schweiz: «Etwa der Glaube, Fledermäuse würden uns in die Haare fliegen und sich dort verfangen». Höchste Zeit also, mit den Vorurteilen aufzuräumen.

Fledermäuse sind hoch entwickelte, Insekten fressende, nacht- und dämmerungsaktive Säugetiere. Und die einzigen, die wirklich fliegen können: Loopings, Schrauben, enge Kurven, sogar besser als mancher Vogel. In der Schweiz gibt es derzeit 30 Arten. Damit machen sie einen Drittel aller wild lebenden einheimischen Säugetierarten aus. Doch die Tiere sind gefährdet, einige – wie die Grosse Hufeisennase oder die Mopsfledermaus – sogar vom Aussterben bedroht. Und dies, obschon Fledermäuse seit 1966 bundesrechtlich geschützt sind. Wo liegt also das Problem? «Im Grunde braucht eine Fledermaus drei Dinge», erklärt Krättli, «ein Versteck, ein Jagdgebiet und eine Flugstrasse, die beide verbindet.» Leider seien diese Lebensräume heute zum Teil verschwunden oder beeinträchtigt. Früher gab es zum Beispiel in vielen Dachstöcken Mausohren- und Hufeisennasen-Kolonien. Dort konnten sie schlafen, ihre Jungen zur Welt bringen, füttern und aufziehen. «Dann hat man die Zugänge verschlossen und mancherorts Wohnungen und Mansarden hineingebaut», so Krättli. «Zudem fielen ab den 1950ern viele Tiere dem verbreiteten Einsatz des Insektizids DDT zum Opfer.»

Aber auch draussen in der Natur hat sich einiges zum Schlechten verändert. Wegen der zunehmenden Zersiedelung und der Intensivierung der Landwirtschaft sind viele alte Wälder, Flussauen, Heckenlandschaften, Hochstamm-Obstgärten und andere typische Jagdgebiete verschwunden. Dabei ist der Nahrungsmangel nur ein Problem. «Ausgeräumte Landschaften ohne Orientierungspunkte wie Bäume oder Hecken sind für Fledermäuse auch deshalb wertlos», sagt Krättli, «weil dort ihr Ortungssystem versagt.» Dazu muss man wissen: Fledermäuse senden Ultraschalllaute aus, die von den umliegenden Objekten zu ihnen zurückgeworfen werden. Das so erzeugte «Hörbild» reicht jedoch meist nur zehn Meter weit. Gibt es in diesem Umkreis nichts, sind die Tiere massiv eingeschränkt: «Sie meiden den ‹Blindflug›. Wo nichts ist, fliegen sie nur ungern hin.»

Fledermäuse aktiv zu schützen bedeutet demnach, ihre Lebensräume aufrechtzuerhalten, wiederherzustellen sowie isolierte Bestände miteinander zu vernetzen. Warum der Schutz im Übrigen auch für uns Menschen Sinn macht, zeigt das Beispiel Nordamerika: «Derzeit sterben in den USA Millionen von Fledermäusen an einer myste-riösen Pilzkrankheit namens ‹White Nose Syndrome›», erzählt Krättli. «Dies könnte mittelfristig zu einem erhöhten Schädlingsbefall in der Landwirtschaft führen, zu Ernteausfällen und zum vermehrten Einsatz von Insektenschutzmitteln.» So gesehen sei der Artenschutz nichts rein Ideelles, sondern habe auch einen ganz konkreten Nutzen.

Pro Natura hat den Rüttelflugspezialisten zum Tier des Jahres erkoren. Ein Steckbrief.

Merkmal des Braunen Langohrs: Ohren fast so gross wie der Körper.

Merkmal des Braunen Langohrs: Ohren fast so gross wie der Körper.
Merkmal des Braunen Langohrs: Ohren fast so gross wie der Körper.

Die Ohren des Braunen Langohrs sind riesig. Mit knapp fünf Zentimetern Länge fast so gross wie der Körper. Und ein vorzügliches Jagdinstrument noch dazu: Das Langohr kann damit sogar den Flügelschlag eines Nachtfalters «hören». Ein weiteres Merkmal sind die sehr breiten Flügel mit einer Spannweite von rund 27 Zentimetern. Sie erzeugen derart viel Auftrieb, dass die Tiere im sogenannten Rüttelflug sogar an Ort und Stelle verharren sowie kurze Strecken rückwärts fliegen können. Gejagt wird übrigens vorwiegend in Wäldern respektive Bäumen.

Im Sommer lebt das Braune Langohr in Baumhöhlen oder Dachstöcken. Dort bringen die Weibchen auch ihre Jungen (meist jeweils eines) zur Welt. Den Winter hingegen verschläft das Tier in einer frostsicheren Felshöhle oder -spalte. Dabei kann es die Herzfrequenz von über 1000 Schlägen pro Minute auf rund 12 senken; und die Körpertemperatur von 39 auf bis nahe null Grad. Braune Langohren können über 30 Jahre alt werden. – Mehr zum Tier des Jahres unter: www.pronatura.ch

Fledermausfindlinge retten

Hubert Krättli, Stiftung Fledermausschutz

Was tun, wenn man auf eine verirrte, erschöpfte oder verletzte Fledermaus trifft? – Stellen Sie eine kleine Kartonschachtel mit Luftlöchern bereit. Füllen Sie sie mit zerknülltem Haushaltpapier, damit sich die Fledermaus darin verkriechen kann, und stellen Sie eine Schale Wasser hinein. Ziehen Sie nun einen dicken Handschuh an. Fledermäuse sind scheue Wildtiere und können bei Bedrohung zubeissen. Das Tier nun in die Schachtel legen und diese gut verschliessen, wenn nötig mit Klebeband. Im Sommer (bei guter Witterung), können verirrte Fledermäuse in der Dämmerung draussen wieder freigelassen werden. Im Winter oder bei verletzten/erschöpften Tieren immer aufs Fledermausschutz-Nottelefon anrufen: 079 330 60 60. Weitere Infos und Merkblätter zum Thema Fledermäuse unter www.fledermausschutz.ch

Doku- und Kurzfilme zu Fledermäusen

«Der akustische Spiegel: Wie Fledermäuse Wasserflächen erkennen» (Nature, 3:12)

«Fledermäuse: Herrscher des Nachhimmels» (unbekannt, 3:02)
«Fledermäuse – warte, bis es dunkel wird» Teil 1/3 (Arte, 14:59)
«Fledermäuse – warte, bis es dunkel wird» Teil 2/3 (Arte, 14:56)
«Fledermäuse – warte, bis es dunkel wird» Teil 3/3 (Arte, 13:04)
«Bats hunting their prey» (mit Wasserfledermaus und Braunem Langohr) (BBC Earth, 3:25)
«Fledermaus-Fütterung» (Stiftung Feldermausschutz/Zoo Zürich) (DRS Pirando, 3:09)
«Königin der Nacht» (zdf neo, 41:57)

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René Schulte

Stv. Chefredaktor

Foto:
Klaus Bogon, ZVG
Veröffentlicht:
Mittwoch 15.02.2012, 17:50 Uhr

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